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#1

Der Geist nimmt seinen Schatten mit

in Düsteres und Trübsinniges 01.02.2005 15:46
von Feaníl (gelöscht)
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Der Geist nimmt seinen Schatten mit.
Einzig auf die Ratten tritt
Er aus Versehen, enge Röhre, warme Feuchte;
Eisig Jammern umher keuchte.

Auf der Reise, folgend stets dem einen Pfad,
Vernarbt geruhsam Lebens Naht.
Feuers Arbeit, Dunkel und das andre Licht,
Stören ihn am Ende nicht.

Züge brachten die Kontur,
Im Schatten rinnen Tränen nur.
Da war er schon lange tot;
Wie man so liest: die alte Not.

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#2

Der Geist nimmt seinen Schatten mit

in Düsteres und Trübsinniges 02.02.2005 15:28
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Wolltest du deiner Signatur Ehre machen ? Trotz interessanter Wendungen kann mir dein Werk überhaupt nichts sagen. Warum ? Darum:

Der Geist nimmt seinen Schatten mit
So weit, so gut. Aber bitte entscheiden: Punkt, Komma, Semikolon ...
Einzig auf die Ratten tritt
Er aus Versehen,

Auf alle anderen tritt er absichtlich ?
enger Röhre kalte Feuchte
Wenn die Feuchte jetzt Subjekt wird, sollte sie auch irgendetwas tun !
Eisig Jammern umher keuchte
Jetzt ist es aber das Jammern, das etwas tut, und zwar "umher keuchen". Gefällt mir nicht, gefällt mir gar nicht, genau so wenig wie das unmotivierte Auslassen von betonten Vokalen.

Auf die Reise, folgend stets dem einen Pfad
O.k., jetzt ist es wohl wieder der Geist auf seiner Reise.
Vernarbt geruhsam Lebens Naht
Sind das alles Halbsätze ? Die Gewaltelisionen werden ebenso Programm, wie die Dauergenitive. "Naht" soll jetzt doppeldeutig sein, denn des
Feuers Arbeit, das Dunkel und das andre Licht
nahen, werden aber gleich wieder Objekt, denn es ist wieder der Geist; den
Kümmern ihn am Ende nicht
Mich auch nicht mehr, höchstens bekümmern kann mich das noch.

Züge bargen die Kontur, alles ist gewesen
Körper vom Geiste getrennt verwesen
Halte nicht hier, weil er war schon lange tot
Bilder kalter Körper klagen: alte Not

Klingt für mich wie Quark. Ganz besonders schlimm ist Z3, in der der neumodischen Erscheinung gefrönt wird, "weil" anstelle von "denn" zu benutzen und das kann ich schon gar nicht leiden, weil das sieht echt minderbemittelt aus. Und metrisch geht dir für meine Begriffe in der letzten Strophe dann auch die Puste endgültig aus.

Tut mir leid, ich kann damit nichts anfangen bzw. alles in mir sträubt sich, damit etwas anfangen zu wollen.


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#3

Der Geist nimmt seinen Schatten mit

in Düsteres und Trübsinniges 02.02.2005 15:40
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
die einzige assoziation, die ich im moment bekomme, ist der "erlkönig".

aber dies nur bei einigen versen.

ich finde, hier sind zu viele ellipsen. zumindest habe ich das gefühl, hier seien zu viele angewendet worden.

grüße.
arno.


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#4

Der Geist nimmt seinen Schatten mit

in Düsteres und Trübsinniges 02.02.2005 16:26
von Feaníl (gelöscht)
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danke für eure ratschläge

allesamt berechtigt, ich versuche zu verbessern

ob mir minderbemitteltem das gelingt, ob es sich überhaupt lohnt da noch weiter zu machen (für mich und für euch), das ist hier die frage. wir dürfen gespannt sein.

gack!

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#5

Der Geist nimmt seinen Schatten mit

in Düsteres und Trübsinniges 02.02.2005 16:35
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Ich bin tatsächlich gespannt und zwar nicht etwa, weil ich dich für minderbemittelt halte (ich zitiere: das sieht minderbemittelt aus), sondern weil ich davon ausgehe, dass sich mir der Sinn (noch?) nicht erschloss. Bist du vielleicht Lehrer ? Die sind nämlich ähnlich mimosenhaft.

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#6

Der Geist nimmt seinen Schatten mit

in Düsteres und Trübsinniges 02.02.2005 17:17
von Feaníl (gelöscht)
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keine sorge, ich bin weder lehrer noch mimose(-nhaft). dennoch war's von deiner formulierung bis zu mir kein all zu weiter schritt mehr, daher mein gegacker.

hier nun das, was dabei rauskommt, wenn man's anders haben will.

über rettungsanker bei der Metrik wäre ich dankbar, es ist eine schwere geburt.

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#7

Der Geist nimmt seinen Schatten mit

in Düsteres und Trübsinniges 02.02.2005 19:41
von MrsMerian (gelöscht)
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Hallo Limm.

hier die Akzentuierung:

Der Geist nimmt seinen Schatten mit.
Einzig auf die Ratten tritt,
Er aus Versehen, enge Röhre, warme Feuchte;
Eisig Jammern umher keuchte.

wieso in Z. 2-3 plötzlich das Komma? Das Enjambement fand ich sprachlich die schönste Stelle!

Auf der Reise, folgend stets dem einen Pfad,
Vernarbt geruhsam Lebens Naht.
Feuers Arbeit, Dunkel und das andre Licht,
Stören ihn am Ende nicht.


ge brachten die Kontur,
Im Schatten rinnen Tränen nur.
Da war er schon lange tot;
Wie man so ließt: die alte Not.

Wie man so liest (<--?): XxxX od. xXxX

Hab leider keine Zeit mehr jetzt. In den nächsten Tagen vielleicht mehr.
Beim ersten Lesen hab ich keinen Schimmer bekommen, was Du sagen willst.

Bis bald,
Grüße
Mrs.


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#8

Der Geist nimmt seinen Schatten mit

in Düsteres und Trübsinniges 02.02.2005 19:43
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Wohlan:

xXxXxXxX
XxXxXxX
XxxXxXxXxXxXx
XxXxxXXx

Man sieht es, oder nicht ?

XxXxXxXxXxX
xXxXxXxX
XxXxXxXxXxX
XxXxXxX

Das würde angehen, wenn die reimenden Zeilen entsprechen würden. Da aber Paarreim vorliegt, gerät man unweigerlich ins Straucheln. Zudem ist diese Strophe ganz anders, als die erste. Alles ist erlaubt, was gefällt, da will ich mich nicht einmischen. Aber wenn es so gewagt ist, muss der Text schon ein Hammer sein, wenn ich es goutieren soll.

XxXxXxX
xXxXxXxX
XxXxXxX
XxxXxXxX

3. Strophe geht so an, bis auf Zeile 4 vielleicht, da aber generell 4 Hebungen haut das schon hin.

Insgesamt ziemlich unorthodox, unmelodisch. Noch einmal: Das ist nicht das Neue Testament und ich bin da auch ziemlich großzügig. Es ist aber wie bei einem Lied: Jeder Rhythmusbruch, jede Melodieveränderung, jede "schräge" Note fällt zumindest auf. Und wenn der Text das nicht unterstützt/trägt, dann wird es schneller eng, als bei einem sehr harmonischen Lied.

Rettungsanker ? Die Hebungen ! Wenn du dir ein Gedicht selber vorliest, hörst du ja, wo du betonst und wie häufig in einer Zeile. Und wenn daraus ein System, eine Melodie wird, dann hast du schon viel gewonnen. Bei vorliegendem Gedicht sieht das so aus:
4-4-6-4 6-4-6-4 4-4-4-4
Und jeder Reim schreit förmlich nach Gleichmaß, daher sollten die Hebungen - meiner Meinung nach - in den reimenden Zeilen übereinstimmen.


(Oh, Seiße, die kleine Missie war sneller. )

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#9

Der Geist nimmt seinen Schatten mit

in Düsteres und Trübsinniges 03.02.2005 16:10
von Feaníl (gelöscht)
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was hab ich euch und mir angetan als ich vor 3 monaten beschloss: komm, jetzt schreibste mal gedichte.

leider geht die hauptsache, der inhalt, in dieser 'form' unter. ich versuche die hebungen anzupassen, danke dafür euch beiden.


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#10

Der Geist nimmt seinen Schatten mit

in Düsteres und Trübsinniges 03.02.2005 16:25
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
ich glaub, es liegt weniger an den hebungen der einzelnen verse, als an der sprache.

vielleicht habe ich auch zu wenig zeit dafür investiert.

grüße.
arno.

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#11

Der Geist nimmt seinen Schatten mit

in Düsteres und Trübsinniges 03.02.2005 16:31
von Feaníl (gelöscht)
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ja? wie genau meinst du das?

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#12

Der Geist nimmt seinen Schatten mit

in Düsteres und Trübsinniges 03.02.2005 17:38
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
muh hat das schon in seiner kritik ausgeführt.
ich komme mit formulierungen, wie z.b. Vernarbt geruhsam Lebens Naht nicht zurecht.

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#13

Der Geist nimmt seinen Schatten mit

in Düsteres und Trübsinniges 03.02.2005 18:02
von MrsMerian (gelöscht)
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Die Naht ist die einzige Stelle, die ich nicht zu schwer finde:
geruhsam = langsam
Naht --> schlimmere Wunde (vernarbt), die genäht wurde

Herzliche Grüße,
Mrs.

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#14

Der Geist nimmt seinen Schatten mit

in Düsteres und Trübsinniges 03.02.2005 18:05
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
ja, stimmt - jetzt ist mein blick geschärfter, was diesen ausdruck angeht.

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#15

Der Geist nimmt seinen Schatten mit

in Düsteres und Trübsinniges 03.02.2005 19:27
von MrsMerian (gelöscht)
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Dann also mal von Vorn:
Geist und Schatten sehe ich hier als einen Verstorbenen.
Der Schatten ist etwas das auf der Vergangenheit ruht. Die Erinnerung (die anscheinend nicht schön ist) vergeht mit dem Streben und somit dem Antlitz eines Peinigers (ich wage das hier zu sagen, denn wenn man an einen Verstorbenen schlechte Erinnerungen kann es nur gravoerende Vorfälle gegeben haben).

Ratten leben dort, wo es Reste gibt, Speisereste... Überbleibsel von Leben. Sie nisten sich ein und sind allzu schwer nur loszuwerden.
Sind das Träume? Alpträume? Wie ich darauf komme? Ein Traum kann ein Gefängnis sein von dem man sich auch nach dem Erwachen nicht wirklich lösen kann. Träumt man vonn irrealen Dingen, ist das noch leichter Abzuschütteln, als Dinge, die wahrhaftig passiert sind/ oder Dinge, die mit Menschen zu tun haben, die man kennt. (Auch wenn sie irreal sind, kommen sie ja aus dem Unterbewusstsein und können uns manchmal im Verstand nicht erreichen -das ist die schlimmste Sorte.)
Darauf schließe ich aufgrund der Röhre und vorallem wegen der warmen Feuchte (=verschwitzte Laken).

Oder geht es um den Vorgang des Sterbens?
Dann würde ich den Schatten auf den Verstand legen und auch an den Blick eines Verstorbenen denken. Friedlich. Ich habe erst einen Toten gesehen und es war irgendwie schön und beruhigend. Denn Jammern und Keuchen, missglückte Kommunikation und Schmerzgesichter brennen sich ein, ein solches Gesicht aber kann sie lindern.

Die Reise... nun, Ich glaube es ist doch die Lebensreise. Man hat ein Konzept das man stur verfolgt. Und die Wunden, die der Verstorbene (ist er wirklich tot oder ist der Kontakt abgebrochen worden?)

Ich denke an Sekten, Dämonen, Satanismus... wegen "das andere Licht" "Feuers Arbeit" lenkt meine Gedanken auf irgenwelche okkulten Handlungen."
Stören ihn am Ende nicht... dieser Weg ist also die einerseits die Alternative, andererseits ist es eine Rebellion... und das lyr. ich befürchteht, dass es demjenigen, gegen den er rebelliert, am Ende gar egal ist...

"Züge brachten die Kontur," ???


Im Schatten rinnen Tränen nur.

Im Schatten kann einerseits heißen verborgen, andererseits kann es aber auch wieder auf den Okkultismus hinweisen.
Das lyr. Ich ist mit dem Weg, den es gewählt hat nicht glücklich.

"Da war er schon lange tot;
Wie man so liest: die alte Not."

Unterdessen, in der Rebellion gegen einen Menschen, ist dieser Mensch gestorben. Nun die Antwort auf die Frage oben: Ja, er ist nicht nur aus dem Gedächtnis gelöscht.
Gestorben ihne ein versöhnliches Wort uoder den Versuch gegenseitigen Verständnisses.
Es ist sehr schmerzhaft, wenn man sich nichts mehr sagen kann, wo so viel zu sagen wäre. Da ist es leichter ein Leben lang den richtigen Moment abzupassen, solnage nur die Möglichkeit irgenwo noch besteht.

Reg Dich nicht auf, Limm, es ist dich schon ganz gut!
Wenn Du Probleme hast mit der Form, wäre es vielleicht gut, wenn Du versuchst die Zeilen gleich kang zu halten und das Versmaß einzuhalten und dafür nur jede zweite Zeile reimst? Auch solche Gedichte können äußerst schön klingen und die ganze Reimerei... man kann Gedichte auch kaputtreimen.
Zu Deinem Thema würde es doch prima passen, wenn nicht alles so harmonisch ist. Lieber Defizite in der Form als zu viel weglassen...
Der Leser ist mitunter betribstblind, vergiss das nicht.
Und wer von uns hatte noch keinen Griff ins Klo. Nicht gleich resignieren, bitte.
Die Idee finde ich prima -sofer ich denn einigermaßen richtig liege.

Herzliche Grüße,
Mrs.

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#16

Der Geist nimmt seinen Schatten mit

in Düsteres und Trübsinniges 03.02.2005 19:32
von Feaníl (gelöscht)
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Hallo Mrs und danke für die tolle interpretation, es gibt von meiner seite aus nur wenig hinzuzufügen.

Ich sehe geist und schatten als zwei leicht widersprüchliche dinge, das eine gehört ins diesseits, das andere ins jenseits. Deshalb unterscheiden sich unsere interpretationen eben hier und da ein bischen, aber den grundton triffst du auch so ohne schwierigkeiten. Das treten auf die ratten ist ein wichtiges bild, ebenso die enge röhre und die warme feuchte. Dein ansatz geht begründet natürlich iO, ich hatte mir das so gedacht:


Der Geist nimmt seinen Schatten mit.
Einzig auf die Ratten tritt,
Er aus Versehen, enge Röhre, warme Feuchte;
Eisig Jammern umher keuchte.

Der geist sollte noch am leben sein, kann er überhaupt auf die ratten treten. Die enge röhre dient hierbei der eingrenzung des ‚lebensraums’, die warme feuchte der beschreibung – das eisig jammern als spürbarer gegensatz und ausdruck des unwohlseins. Die ratten haben noch eine weitere aufgabe. Sie sind ungeziefer, überträger von krankheiten, zäh und robust. Manch sarkastische beschreibung von menschen geht in ähnliche richtungen... der schatten ist sozusagen die erinnerung daran (woran genau, später), das jammern besteht selbständig und hat somit erweiterte gültigkeit, wenn man so will erweiterte berechtigung; ausdruck des gefühlten in dieser situation.

Auf der Reise, folgend stets dem einen Pfad,
Vernarbt geruhsam Lebens Naht.
Feuers Arbeit, Dunkel und das andre Licht,
Stören ihn am Ende nicht.

Der geist kann nur in eine richtung gehen, die er aber selbst nicht bestimmen kann. Es geht voran, und so heilt sozusagen die zeit alle wunden, das hast du schön aufgeschlüsselt. Feuers arbeit soll eine verbrennung sein, das dunkel ist mehrdeutig [im geist und nach dem tod], das andre licht soll auf gleichgültigkeit, jetzt und danach, hinweisen. Licht wirft schatten wenn es auf feste materie trifft, darüber macht sich der geist aber auch keine gedanken mehr...

Züge brachten die Kontur,
Im Schatten rinnen Tränen nur.
Da war er schon lange tot;
Wie man so ließt: die alte Not.

Die züge sollen nun dem schatten kontur verleien, sozusagen weiß der geist, ich stelle mir die einlieferung von häftlingen in ein kz vor, was mit ihm passieren wird – und als selbstschutz trennt er sein bewusstsein, ist also bereits tot (doppeldeutigkeit: geist). jetzt wird vielleicht einiges klarer. Im schatten, eben in dem was man vom geist noch sieht heutzutage, rinnen tränen. Das muss ich nicht näher erklären. Der letzte satz schafft wiederum distanz, klingt fast gleichgültig. Die rebellion, die mentale und die echte, hast du schön erkannt und ich danke dir dafür. im grunde also die auseinandersetzung mit etwas unnahbaren, ständig durch bilder und artikel in unserem bewusstsein, auf der anderen seite jedoch unbeschreiblich weit weg.
Noch was zur form: der paarreim ist durchaus gewollt um ein schnelles vorankommen und verbundenheit zu ermöglichen/zeigen. Das es hier und da stockt, und in der ersten version unhaltbare fehler gab, ist hoffentlich genügend augebessert worden um den inhalt näher zu bringen. Weitere verbesserungen halte ich mir offen, gerade was deine vorschläge angeht, Q.
Nochmals dank euch allen für euren unermüdlichen einsatz

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