Lob der Faulheit
Wie oft klingen die Worte in meinem Ohr: "Sei nicht so faul! Tue etwas! Sei fleißig, dann kommst du voran!" Zu meinem eigensten Glück war ich stets zu faul, auf diese nicht im geringsten vernünftigen Reden zu hören, da es mir meine Faulheit versagte, sie bis in die Windungen meines Hirns vordringen zu lassen. So erschlossen sich mir über eine lange Erfahrungsspanne die Vorzüge und positiven Eigenschaften des Nichtstun und nicht etwa die eingangs zitierten Phrasen, durch die ich nur Schaden an meiner Psyche genommen hätte. So erkannte ich: "Faulheit ist sinnvoll." Und allein aus dieser Erkenntnis, die mir so weltbewegend scheint, dass sie niemanden vorenthalten werden soll, habe ich in einem selbstaufopferungsvollen Akt der Nächstenliebe angefangen, das zu tun, was ich sonst nicht einmal im Traum mache, weil mir träumen zu anstrengend ist. Ich habe angefangen zu arbeiten, um diese Schrift, dieses Loblied der Faulheit, diesen Leitfaden zum Glücklichsein zu schreiben.
Vielgeehrter Leser, in der vorliegenden Studie soll die Faulheit als sinnvolle Institution unserer Gesellschaft und ihr damit verbundener Sinn eingehend erläutert und aus allen nur erdenklichen Blickwinkeln beleuchtet werden.
Bevor ich aber tatsächlich beginne noch der Hinweis, dass diese Schrift sich selbstverständlich nur an Menschen richtet, die bisher die Faulheit und das süße Nichtstun als verabscheuenswert erlebt haben, da alle anderen Personen zu faul sein dürften, eine so große Anzahl sinnlos angehäufter Zeichen zu entschlüsseln und den dahinter befindlichen Sinn zu suchen (was einer Sisyphosarbeit gleicht). Leider werden natürlich die Fleißigen unter uns der Tatsache der Sinnlosigkeit dieser Zeilen, ohne sie zu lesen, auf die Spur kommen, weshalb dieses wirklich wichtige Werk sie wohl nicht bekehren wird, da sie es nur mit Ekel und mit einem verschämten Seitenblick, wenn nicht gar einem scheelen, zu betrachten wagen werden, aber niemals auch nur auf den Gedanken kommen, es ernsthaft zu studieren. So ist das Unterfangen die Faulheit zu fördern und ihr zugleich zu huldigen leider ein nahezu aussichtsloses Projekt, das ich daher einfach an sich selbst scheitern lasse (sowie an mir, denn ich habe das Gefühl, dass ich mich genug selbstaufgeopfert habe).
Daher schließe ich, indem ich den zentralen und alles sagenden Satz der Schrift wieder aufgreife: „Faulheit ist sinnvoll!“ Leider wird dieser Satz wohl nie als Tautologie erkannt werden, weil niemand sich die Mühe machen wird, ihn zu überprüfen. Und die schnöden Gegner meiner Position werden noch die Frechheit und Energie aufbringen, sie als ganz und gar blödsinnig hinzustellen und sich die viel blödsinnigere Mühe machen, den herrlichen Satz als falsch zu entlarven. Leider. Aber was soll es. Ich bin zu faul dagegen anzugehen. Jeder soll nach seiner Facon glücklich werden. Die meisten werden es nie.