#1

Ausgeblasen

in Liebe und Leidenschaft 17.03.2009 07:54
von Wortakrobatin (gelöscht)
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Den warmen Atem,
den blies ich zu dir,
doch es nahm
eis'ger Wind ihn gefangen.

Trug ihn mit sich fort
und sprach nicht ein Wort,
so gefror
der Kristall auf den Wangen.

Ich stehe am Fenster,
der Mond scheint erstarrt,
die Kälte,
sie frisst alle Sinne.

Ich sehn mich im Schweigen
ganz einfach nur nach
der Wärme
im Klang deiner Stimme.

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#2

RE: Ausgeblasen

in Liebe und Leidenschaft 17.03.2009 09:22
von oliver64 • Mitglied | 352 Beiträge | 352 Punkte


Hallo Wortakrobatin,

auch wenn sie etwas verbraucht sind, so sind es ja doch ganz überzeugende Bilder, die du hier aneinanderreihst. Außerdem bleibst du bei einem Gedanken und führst den konsequent durch. Das kann mir gefallen.

Nicht so geglückt bzw. sprachlich sogar unschön finde ich Konstruktionen wie „Den Atem, den blies …“, „die Kälte, sie frisst …“. Ich mag es direkter und kann dabei auch keinen Verlust an Poesie erkennen. Es gibt da auch noch ein verzichtbares Füllsel („ganz einfach“) und umständliche Konstrukte („Ich sehn’ mich im Schweigen“), die schlichter nach meinem Dafürhalten an Schönheit gewännen.

Das(!) gefrierende Kristall empfinde ich als Bild nicht so überzeugend, da die Kristallisation gewissermaßen bereits ein Einfrieren darstellt, aber vielleicht bin ich da auch überempfindlich. Den doppeldeutig erstarrt scheinenden Mond halte ich dagegen für geglückt. Die Elisionen sind durchgehend verzichtbar.

Ich stelle jetzt frecherweise eine Cover-Version ein, um zu unterstreichen und an Beispielen deutlich zu machen, was ich meine:

Warmen Atem,
blies ich dir zu,
doch eisiger Wind
nahm ihn gefangen.

Trug ihn fort
und sprach nicht ein Wort,
so gefror
das Kristall auf den Wangen.

Ich stehe am Fenster,
der Mond scheint erstarrt,
die Kälte
frisst alle Sinne.

Ich sehne mich schweigend
nach Wärme
im Klang deiner Stimme.


So lese ich mir das. Etwas kitschig, aber dennoch schön.

Beste Grüße
Oliver





Gedichte und Kommentare in allerbester Absicht

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#3

RE: Ausgeblasen

in Liebe und Leidenschaft 17.03.2009 12:30
von Wortakrobatin
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Lieber Oliver 64,

zunächst vielen Dank für die Mühe, die Du Dir bei der Rezension meines Gedichtes gemacht hast.

Vielleicht hast Du Recht bezüglich der Verbrauchtheit der Bilder- allerdings frage ich mich, ob Lyrik nur noch dann ihre Berechtigung hat, wenn sie mit Wortneuschöpfungen oder ausgefallenen Bildern glänzt.

Deine Korrekturen machen für mich inhaltlich Sinn. Ich kann verstehen, warum Du die Korrekturen so durchgeführt hast ( und das auch konsequent) wie Du es in der Cover - Version deutlich machst. Mein Problem damit ist aber, dass dieses Stück für mich vor allem ein formelles Experiment mit einem durchgäng angewendeten Daktylus ist, der in Deiner Cover - Version keinerlei Anwendung mehr findet. Mir gefällt das Stück gerade wegen dieser fließend unterlegten Rhythmik.

Danke auch für die Korrektur des Artikels von Kristall. Allerdings kann ich Dir leider auch hier nicht zustimmen. Ich habe das Ganze im Duden ( vgl. Duden - Deutsches Universalwörterbuch) überprüft. Hier werden beide Artikel richtig gegeben.

Alles in Allem freut mich aber, in diesem Forum so rasch zur Kenntnis genommen worden zu sein. Dafür möchte ich mich bei Dir recht herzlich bedanken.

Lieben Gruß

Wortakrobatin


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#4

RE: Ausgeblasen

in Liebe und Leidenschaft 17.03.2009 15:14
von kein Name angegeben • ( Gast )
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Hallo Wortakrobatin,

eine Cover-Version ist keinesfalls eine Korrektur! Ich maße mir nicht an, ein gedicht korrigieren zu wollen. Ich gebe nur meine Eindrücke wieder und versuche an beispielen zu belegen, was und warum mir etwas nicht gefällt. Ich habe übrigens keineswegs postuliert, dass Lyrik Wortneuschöpfungen oder ausgefallene Bilder benötigt. Das entspräche auch nicht meiner Überzeugung. Allerdings muss sie, wenn sie mich ansprechen will, bei eher gebräuchlichen Bildern handwerklich stimmig sein. Und da sind Syntaxverdrehungen und grammatikalische Zugeständnisse zugunsten eines Rhythmus eben kein Ausweis besonderer Finesse. Ich kann einen durchgängigen Daktylus hier ohnehin nicht erkennen.

Was den Artikel angeht, habe ich mich schlicht getäuscht, ich bitte um Entschuldigung. Beide Artikel sind richtig, je nachdem, was man meint. Ich meinte hier verkehrt.

Beste Grüße
Oliver

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