Hallo Alcedo,
was für ein schönes, gelungenes Gedicht ist das! Warum nur trägst du es wie zur Beerdigung mit bleischwerer Zunge vor? Du knödelst dir da einen ab, dass mir ganz bange wird, ob du wirklich so rasend depressiv bist, wie du da klingst.
Bitte beim nächsten Mal vorher die Finger in die Steckdose stecken! 
Den Kadenzwechsel von Strophe zu Strophe empfinde ich als gelungenes Wechselspiel, es unterstützt das unruhige Warten in einem ansonsten ruhigen Gedicht, welches seine Spannung gut aufbaut und in einer wilden Conclusio enden lässt (wenn man es nicht wie ein Toter vorträgt). Die helle Mitternacht hat mir zum Schluss besonderen Spaß gemacht. Auch von der sprachlichen Güte steigert sich das gedicht. Während du in Strophe 1 noch Problemchen hast, mit der Verbindung von Bärlauch und Merlinfalken etwa, oder mit dem Trennungs-/Gedankenstrich, der dann doch nicht über den zwangsläufigen Stolperer hilft, wenn man auf Zweigen schaut. Und diese hat dann auch noch ein Rabenhorst verloren und damit sind sie mir aus der Welt gefallen und liegen irgendwo herum und wenn darauf der Merlinfalke sitzt, dann ergibt das ein eher undramatisches, vielleicht sogar verqueres Bild.
In Strophe 2 habe ich kaum etwas zu bemängeln und wenn, dann wohl nur, weil ich das nicht schnalle: Bei uns ist es dem Falken zu bunt und zu Hause nicht bunt genug? Richtig? Dann bleibt er ewig hocken, oder? Weiß er, was er will oder ist die blühende Tundra gar nicht so bunt und ihm also viel angenehmer, die nicht bühende Tundra aber nicht bunt genug? Dieses "und" will mir nicht eingehen, sorry. In Strophe 3 gefällt mir nur das beginnende "nun" nicht, ansonsten ist sie das konsequente Highlight eines gediegenen Gedichtes.
Beste Grüße
Oliver