Hallo Katerchen........................................................
Dieser Gesprächsfolge will ich mal eine Gesamtschau widmen; sie sind es wirklich wert:
Ein Pierrot und sein junger Begleiter lassen vor unserem inneren Auge eine Theaterbühne
entstehen. Von seinem Eleven nach dem Leben befragt, dem Glück und der Liebe, werden
philosophische Themen mit dem Witz und Charme dichterischer Freiheit behandelt. Ihre
Zuneigung vertieft den intimen Dialog; schließlich kehren sich die Rollen um, der Jüngere
rät dem Älteren.
Die erste Sequenz handelt vom Glück. Nach dessen Natur befragt, erklärt Pierrot dieselbe
mit der Freiheit von Sorge, die als überflüssig erachtet wird. Zu diesem Sondermüll zählt er
auch ein flüchtiges Gewissen, weist aber darauf hin, daß der Preis für verstiegenen Hochmut
unerschwinglich sei.
Der Gegensatz wird in der zweiten Sequenz als Irrtum eines menschlichen Maßstabes
behandelt. Entstanden durch die zahlreichen Nöte und Schmerzen sterblicher Existenz,
dem Verlangen nach Trost, wie ein Farbenrausch vor der weißen Leinwand ewiger Ruhe.
„...der Mensch erdrückt selbst schönste Namen.“ Den Namen als Idee aufzufassen,
Wortschöpfung als kreative und zugleich begrenzte Leistung des menschlichen Geistes,
läßt uns das Gesamtwerk besser begreifen.
In der kurzen dritten Sequenz demonstriert Pierrot den Irrtum des Gefühls; heute
möchte er keine Fragen beantworten. Seine Art zu lieben macht einsam, gibt Anlaß
zur Eifersucht. Was blühen sollte, das „wimmelt“ im Herzen und ist ihm nicht geheuer.
Unzulängliche Menschlichkeit zeigt dem Leser die Schwächen auf, in bühnenreifen
Dialogen, statt abgehoben in einem Essay darüber zu spekulieren.
In der vierten Sequenz bekennt sich Pierrot zum Ärger als chronischem Wegbegleiter,
fühlt sich zwergengroß, verteidigt depressiven Rückzug als angemessene Lebensform.
Sein Gesprächspartner, überraschend dem Thema gewachsen, beschwört einen
Kontrapunkt: Größenwahn, naiv verhaftet in phantastischer Selbstgefälligkeit. Er
fordert ihn auf, die Schüttelmixtur des Lebenselixiers anzunehmen ohne eine Auswahl
zu treffen, unter Verzicht auf rationale Ordnungsprinzipien: „und wirf den Kamm der
Ordnung halber weg“.
In der fünften Sequenz verschenkt Pierrot wie zur Belohnung einen magischen
mondgeborenen Federkiel. Damit schreiben zu dürfen ähnelt einem Ritterschlag.
Die sechste Sequenz ist ein Klagelied, eine Komposition aus Assonanzen und Alliteration.
Pierrot vermißt seinen jugendlichen Begleiter. Die Decke scheint ihm auf den Kopf zu fallen,
er fühlt sich alt und er bekennt sich zu seiner Situation innerer Rastlosigkeit und Leere mit
verführerischem Witz.
Die siebte Sequenz wartet mit einem Verweis auf das wirkliche Leben auf. In Anbetracht
unvermeidlicher Winterstürme und bevorstehender Entbehrungen erwägt Pierrot, sich zur
Liebe zu entschließen, wie zu einer letzten Tat, die dem Leben noch Gewicht verleiht.
In der achten Sequenz akzeptiert Pierrot den Gram, der das Leben nährt, als emotionale
Grundlage. Sein jugendlicher Gegenspieler redet ihm gut zu, nennt Enttäuschung vergänglich.
Nur die Rose bleibt, sagt er, ein Traum, der Mut, um der Angst die Stirne zu bieten. Pierrot
akzeptiert, daß man sein Herz bewahren muß, achtgeben, auf daß es nicht verblühe.
In acht Folgen - die heilige Zahl der Ganzheit - besprechen Pierrot und sein Mitspieler in
einem gleichberechtigten Dialog die wichtigen Dinge des Lebens. Die Message: an den
Wechselfällen des Lebens zu reifen kostet Mut, aber es gibt keine Alternative.
Wahrscheinlich läßt sich viel mehr in den kunstvoll gewebten Dialogen finden. Sie sind ein
Highlight. Zu gerne würde ich sie als Bühnenstück aufgeführt sehen, wäre gespannt, was
Schauspieler daraus machen könnten. LG mcberry