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#1

Selbstbezügliches

in Düsteres und Trübsinniges 16.03.2010 20:17
von der.hannes | 661 Beiträge

Selbstbezügliches

Wolkig drängt der Abendhimmel sich zusammen,
wenn ich schweigend aus dem Fenster aufwärts blicke.
Ob ich das wohl richtig in die Tasten frickle,
frag ich mich. Von hinten will mir Uhrgeticke
schiere Endzeit in die grauen Zellen rammen.

In die Bläue malen Äste ihre Schatten,
mischen Schwarz ins immer tiefer triste Dunkel.
Langsam wagen schon die Sterne ihr Gefunkel,
leise dringt aus Nachbarfenstern das Gemunkel
zu mir durch, doch Stille käm mir mehr zustatten.

Jeder Laut um mich zerreißt den roten Faden,
den ich grad von seiner Rolle Wolle spule.
Du wirst jetzt so fürchterlich, Du Wortgepule.
Nichts hält mich noch ruhig hier auf meinem Stuhle,
läßt mich glücklich schwelgen und in Worten baden.

Wieder naht die Ruhe, die ich so vermisste,
und es folgt ein neuer Blick ins düstre Draußen,
das ein heller Mond ganz voll bescheint von außen.
Mich beschleicht aus Angst vor diesem Reim das Grausen -
nein, kein Faden ist mehr rot auf meiner Liste.

zuletzt bearbeitet 10.05.2010 12:38 | nach oben scrollen

#2

RE: Selbstbezügliches

in Düsteres und Trübsinniges 05.05.2010 17:09
von perry • Mitglied | 834 Beiträge

Hallo hannes,
du hast hier das Grausen des sich abmühenden Dichters gut mit der hereinbrechenden Nacht in Verbindung gebracht.
Wirklich gestört hat mich nur der Ausdruck "seiner Garnesrolle" das klingt schon arg erzwungen.
Das Dunkel und Grau hast du etwas zu oft wiederholt und auch die "Bläue" und der "helle Mond" tauchten etwas unvermittelt auf, aber was solls, in der Nacht sind sowieso alle Katzen grau.
LG
Perry

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#3

RE: Selbstbezügliches

in Düsteres und Trübsinniges 05.05.2010 19:06
von der.hannes | 661 Beiträge

Hallo Perry,

aus "seiner Garnesrolle" ist jetzt "seiner Rolle Wolle" geworden. Danke für den Tipp.

Die Farbmalereien ins Düstere (es schwarz ist jetzt düster) mit dem kontrastierend hellen Mond: Für mich sind das Bilder, die sich gut vorstellen lassen.
Ich habe es zunächst mal dabei belassen, bis auf den Anfang (Dunkel graut -> Wolkig drängt).

der.hannes

zuletzt bearbeitet 05.05.2010 19:14 | nach oben scrollen

#4

RE: Selbstbezügliches

in Düsteres und Trübsinniges 05.05.2010 19:12
von gheggrun | 228 Beiträge

Hallöchen, der.hannes!

Bezüglich S4Z2+3 erscheint mir dein "neuer Blick ins schwarze Draußen,
das ein heller Mond ganz voll bescheint von außen" etwas zu widersprüchlich.

Gruß


Hastanirwana
GHEG
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#5

RE: Selbstbezügliches

in Düsteres und Trübsinniges 05.05.2010 19:20
von der.hannes | 661 Beiträge

Hallo ggehgrun,

mir gefällt das Bild vom Draußen, das von außen beschienen wird. Denke dir zum Beispiel einen dunklen Garten, der durch eine Mauer vor dem außen hellen Mondlicht beschattet ist.
Das Außen-Draußen ist ja nicht notwendig überall dem gleichen Licht ausgesetzt.

der.hannes

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#6

RE: Selbstbezügliches

in Düsteres und Trübsinniges 08.05.2010 10:37
von Alcedo • Mitglied | 1.945 Beiträge

Zitat von der.hannes
Selbstbezügliches

Wolkig drängt der Abendhimmel sich zusammen,
wenn ich schweigend aus dem Fenster aufwärts blicke.
Ob ich das wohl richtig in die Tasten klicke,
frag ich mich. Von hinten hör ich Uhrgeticke,
will mir Endzeit in die grauen Zellen rammen.

In die Bläue malen Äste ihre Schatten,
mischen Schwarz ins immer tiefer triste Dunkel.
Langsam wagen schon die Sterne ihr Gefunkel,
leise dringt aus Nachbarfenstern das Gemunkel
zu mir durch, doch Stille käm mir mehr zustatten.

Jeder Laut um mich zerreißt den roten Faden,
den ich grad von seiner Rolle Wolle spule.
Du wirst jetzt so fürchterlich, Du Wortgepuhle.
Nichts hält mich noch ruhig hier auf meinem Stuhle,
läßt mich glücklich schwelgen und in Worten baden.

Wieder naht die Ruhe, die ich so vermisste,
und es folgt ein neuer Blick ins düstre Draußen,
das ein heller Mond ganz voll bescheint von außen.
Mich beschleicht aus Angst vor diesem Reim das Grausen,
und kein roter Faden steht mehr auf der Liste.


hallo hannes

die umarmten Reimhaufen in den Strophen 2+3 sind wirklich grausam. aber in S1 doch vielleicht noch nicht abgelutscht genug. da hätte es auch ruhig noch schmählicher ausfallen können. vielleicht täte eine kleine Unsauberkeit im Reim gut - wie in der letzten Strophe bei der Auflösung (Assonanz des Grausens).

pulen bitte ohne "h" schreiben. also: "Wortgepule". selbst wenn dieser Fehler mit Absicht gesetzt sein sollte, so wirkt er trotzdem plump.

Zitat
Von hinten hör ich Uhrgeticke,

will mir Endzeit in die grauen Zellen rammen.

dieser Satzbau ist arg trochäusgeschuldet im "will".
wenn du so anfängst:
Von hinten will mir Uhrgeticke ...
dann wirst du sehen dass es besser ausläuft im Metrum. zumal es doch offensichtlich ist, dass man Uhrticken hört und nicht anders wahrnimmt (mit dem hören streichst du also eine inhaltliche Wiederholung).

in der letzen Zeile käme eine Inversion des roten Fadens sicher auch besser wegen Wiederholung. Vorschlag:

nein, kein Faden ist mehr rot auf meiner Liste.

ich fand gefallen daran und musste mit "Grausen" schön schmunzeln, wie anzüglich Selbstbezügliches sein kann. die "Rolle Wolle" war ein Gewinn gewesen. setz deine Finissage bitte fort, hannes.

Gruß
Alcedo



Beutegut meiner Tauchkultur

zuletzt bearbeitet 08.05.2010 10:40 | nach oben scrollen

#7

RE: Selbstbezügliches

in Düsteres und Trübsinniges 09.05.2010 13:17
von der.hannes | 661 Beiträge

Zitat von Alcedo

hallo hannes

die umarmten Reimhaufen in den Strophen 2+3 sind wirklich grausam. aber in S1 doch vielleicht noch nicht abgelutscht genug. da hätte es auch ruhig noch schmählicher ausfallen können. vielleicht täte eine kleine Unsauberkeit im Reim gut - wie in der letzten Strophe bei der Auflösung (Assonanz des Grausens).

pulen bitte ohne "h" schreiben. also: "Wortgepule". selbst wenn dieser Fehler mit Absicht gesetzt sein sollte, so wirkt er trotzdem plump.

Zitat
Von hinten hör ich Uhrgeticke,

will mir Endzeit in die grauen Zellen rammen.

dieser Satzbau ist arg trochäusgeschuldet im "will".
wenn du so anfängst:
Von hinten will mir Uhrgeticke ...
dann wirst du sehen dass es besser ausläuft im Metrum. zumal es doch offensichtlich ist, dass man Uhrticken hört und nicht anders wahrnimmt (mit dem hören streichst du also eine inhaltliche Wiederholung).

in der letzen Zeile käme eine Inversion des roten Fadens sicher auch besser wegen Wiederholung. Vorschlag:

nein, kein Faden ist mehr rot auf meiner Liste.

ich fand gefallen daran und musste mit "Grausen" schön schmunzeln, wie anzüglich Selbstbezügliches sein kann. die "Rolle Wolle" war ein Gewinn gewesen. setz deine Finissage bitte fort, hannes.

Gruß
Alcedo




Hallo Alcedo,

"pule" ist jetzt Dudenkonform ... Die Idee mit der Inversion habe ich gerne eingebaut, und auch die Doppelung desi gehörten Tickens habe ich jetzt vermieden.

Deine Idee, in S1 die Reime schmählicher zu machen, hat mich zu dem "frickle" verleitet, das das Grausen sicherlich verstärkt.

Aus meiner Sicht haben die Änderungen dem Gedicht gut getan.

Danke für den Ansporn, da noch mal ranzugehen.

der.hannes

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#8

RE: Selbstbezügliches

in Düsteres und Trübsinniges 09.05.2010 17:41
von Alcedo • Mitglied | 1.945 Beiträge

Zitat von der.hannes
Selbstbezügliches

Wolkig drängt der Abendhimmel sich zusammen,
wenn ich schweigend aus dem Fenster aufwärts blicke.
Ob ich das wohl richtig in die Tasten frickle,
frag ich mich. Von hinten will mir Uhrgeticke
ewig Endzeit in die grauen Zellen rammen.

In die Bläue malen Äste ihre Schatten,
mischen Schwarz ins immer tiefer triste Dunkel.
Langsam wagen schon die Sterne ihr Gefunkel,
leise dringt aus Nachbarfenstern das Gemunkel
zu mir durch, doch Stille käm mir mehr zustatten.

Jeder Laut um mich zerreißt den roten Faden,
den ich grad von seiner Rolle Wolle spule.
Du wirst jetzt so fürchterlich, Du Wortgepule.
Nichts hält mich noch ruhig hier auf meinem Stuhle,
läßt mich glücklich schwelgen und in Worten baden.

Wieder naht die Ruhe, die ich so vermisste,
und es folgt ein neuer Blick ins düstre Draußen,
das ein heller Mond ganz voll bescheint von außen.
Mich beschleicht aus Angst vor diesem Reim das Grausen -
nein, kein Faden ist mehr rot auf meiner Liste.




haha, "frickle" ist gut! klasse, hannes, bravo! darauf wär ich nie gekommen.

bloß "ewig" stört mich noch, weil es sich mit der Endzeit beißt. nimm doch "schiere" zum Beispiel:
schiere Endzeit in die grauen Zellen rammen.

Gruß
Alcedo



Beutegut meiner Tauchkultur

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#9

RE: Selbstbezügliches

in Düsteres und Trübsinniges 10.05.2010 12:42
von der.hannes | 661 Beiträge

Zitat von Alcedo


haha, "frickle" ist gut! klasse, hannes, bravo! darauf wär ich nie gekommen.

bloß "ewig" stört mich noch, weil es sich mit der Endzeit beißt. nimm doch "schiere" zum Beispiel:
schiere Endzeit in die grauen Zellen rammen.

Gruß
Alcedo




Hallo Alcedo,

freut mich, dass "frickle" Dir so gut gefällt.

Mit dem "ewig" war ich schon beim Ändern nicht 100%ig zufrieden, daher habe ich den Super-Vorschlag "schiere" gerne übernommen.

Danke nochmals

der.hannes

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