Mit anderen? Oder mit anderen Augen? Die Augen, so sagt man, sollen ja die das Fenster zur Seele sein. Und ich denke da sehe ich gerne in Deine Augen.
Grüßle,
otto.
P.: Ach und ja: Ich werde vermutlich noch heute ein Gedicht einstellen, das Du besser nicht lesen sollest.
Aber um Dir ein wenig den Zugang zu diesem, mindestens frivolen, Text vorab zu glätten, falls doch die Neugierde mit Dir durchgehen sollte, ein wenig Streusand, damit Du nicht ausrutscht:
Beim Schreiben hatte ich die Offiziere der K.u.K. Zeit im Visier. Also als Arthus Schnitzer seine berühmten " Reigen" schrieb. Und bitte verwechsele mich nicht mit einem Uniformträger dieser vergangenen Zeit, die ihre Verabredungen für den jeweiligen Abend in den Wiener Kaffeehäusern trafen...Und bitte nehme mich als einen der Uniformträger dieser vergangenen Zeit, der seine Verabredungen für den jeweiligen Abend in den Wiener Kaffeehäusern hätte treffen können.
Vielleicht sollte ich das Gedicht d o c h besser nicht schreiben? Oder besser viel besser d o c h schreiben? Sag`jetzt nicht, dass Du es erst lesen müßtest, denn dann h ä t t e ich es ja schon geschrieben. Also soll ich oder nicht? Du m u ß t es ja nicht kommentieren. Oh weh.
Inzwischen ist es 20.00 Uhr, und ich habe ein Buch im Antiquariat erworben, in dem H.M, Ensensberger 1963
Gedichte von internationalen Dichtern der Moderne, also einer vergangenen Lyrikepoche, veröffentliche. Er benannte das Buch " Literaturmuseum". Nach kurzem Blättern muß ich aschfahl geworden sein: eine Unzahl der wunderbarsten Gedichte, wunderbarster Poeten vor meinen Augen. Was mache ich überhaupt, fragte ich mich? Dann dachte ich an Serge, dem ich anderntags eine PM geschrieben hatte, wo ich ihm vorhielt, dass er seine eigenen Werke so kommentiert, dass andere Autoren sich erbärmlich angesichts seiner Bewertungen über seine eigenen Gedichte fühlen müssen. Er, der "primus inter pares". Wie müssen sich seine Leser fühlen, wenn er seine Werke so relativiert? Ich gab ihm also zu bedenken, dass er auch bedenken möge, was seine Selbstbewertung seiner eigenen Gedichte für die anderen übrig läßt. Wenig bis nichts, meine ich.
Mich befallen Zweifel, ob man etwas zu eigenen Gedichten kommentieren
sollte. Inzwischen bin ich der Meinung, eher nicht. Ich will versuchen, Kommentare, die meinen Texten gelten, nicht mehr gegen zu kommentieren. Ich muß nicht alles kommentieren. Die anderen beweisen mir ihr Vertrauen, auch wenn sie meine Texte ablehnen. Gut. Wunderbarer Weise hat mich mein Selbstzweifel nicht verlassen. Das bedeutet, ich kann weiter schreiben. Es gibt keinen Gegenstand, der es wert wäre, dass man über ihn schriebe, wenn man als "Ich" nicht wie durch ein unergründliches Meer hindurchgetaucht wäre. Wir selbst bleiben uns ein Rätsel, voller Wunder, Glück und Verzweiflung. Ein Zustand, in dem die antiken Griechen sich ihre Götter schufen.
Ach so viel gilt mir, wie viel, wenn meine Töchter mir sagen, wir haben dich lieb? Es gibt ja Anlässe für Feste.
otto.