#1

seetang-trilogie

in Ausgezeichnete Lyrik 06.05.2011 12:06
von perry • Mitglied | 1.417 Beiträge | 1417 Punkte

1

es beginnt damit, dass eine jungfrau
aus den fluten steigt. sobald das perlmut
ihrer schuppen in der sonne glänzt,
wandelt sich ihr fischleib in langbeiniges.
zeit eine neue blende aufzuziehen.

2

gegen den wind ein lauf über dünen.
ich atme wolken, nehme träumend
einen schluck meer. dann glimmen
glühwürmchen zwischen grashalmen
und möwen füttern mich mit fisch.

3

wir sind nicht mehr zuhause dort,
wo das korallenschloß tief schlummert.
doch wann immer wir eintreffen,
die staubmäntel an den nagel hängen,
wird es uns mit offenen armen erwarten.

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#2

RE: seetang-trilogie

in Ausgezeichnete Lyrik 06.05.2011 15:46
von mcberry • Administrator | 2.913 Beiträge | 2801 Punkte

Hallo Perry.........................................................................................................................

ein Sehnsuchtsbild entsteigt den Fluten. In Thema und Ablauf halten die Verse einladend auf den Leser zu.

Das Langbeinige fällt in einen Jargon, den ich in diesem Zusammenhang nicht vermisst hätte, doch dann
verdankt das Gedicht dem Blendenwechsel eine fast realistische Runde am Strand im gewohnten Ambiente.

Wo sich die Träume zum Ende der Welt hinab begeben - das wartende Korallenschloß gefällt mir als Bild einer
irdischen Endzeitstimmung -sind wir nicht mehr oder besser noch nicht wieder - zuhause. HG - mcberry

8.5. alternativ für langbeinig? z. B. amphibiengleich

zuletzt bearbeitet 08.05.2011 15:54 | nach oben

#3

RE: seetang-trilogie

in Ausgezeichnete Lyrik 07.05.2011 11:36
von perry • Mitglied | 1.417 Beiträge | 1417 Punkte

Hallo mcberry,
aus dem Meer ist das Leben gekommen und irgendwann kehrt es dorthin wieder zurück, so könnte man diese Zeilen überschreiben. Ich habe versucht mehrere Ebenen in den Text einzuflechten, wie zum Beispiel das LD/Eva als Inkarnation einer Meerjungfrau sowie das LI als Suchenden/Träumenden und zum Schluss das heimkehrende lyrische Wir als Lebensziel.
Wenn du für das "langbeinig" eine Alternative hättest wäre ich durchaus interessiert. Ich hatte vorher
"wandelt sich ihr fischleib in schlankes" dastehen.
Danke für dein Interesse und LG
Perry

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#4

RE: seetang-trilogie

in Ausgezeichnete Lyrik 07.05.2011 12:39
von munk | 774 Beiträge | 886 Punkte

hallo perry,
ein feines.

der seetang entlässt die eine, die aus den fluten aphroditisch und meerjungfräulich steigt, die uns perlmuttfarbend welt, wie sie begann, wie sie von uns erhofft, wie sie uns immer noch umgarnt u. sehnt, träume mit liebreiz zeichnet bis die eine sich sogar uns ganz hingibt, unsretwegen ihr vorheriges aufgibt. die metamorphose mit rück- und vorblenden fordert nun eine andere belichtung ein, denn hier verlebendigt sich was geheimnisvolles.

das zweite (für mich das stärkste) – dem langbeinigen nacheilende -, hebt das lyrich in ein flutbild, das trunken macht. das lyrich steckt im wärtigen erwarteten, doch traum u. wirklichkeit vermischen sich, wandeln das lyrich, ja geben "ihm" eine ungeahnte, mythengleiche kraft, die alles aushaltbar, vor-, nach- und miterlebbar machen. das bild macht hoffnung auf gestaltung u. werdung u. vorallem mut wirklich dieses zuversichtliche und verheißungsvolle zu leben.

so vorbereitet u. angefüttert können lyrich u. lyrdu allem traumbefangenen gemeinsam entsteigen u. sind genügend mythisch u. alltagspraktisch gerüstet, bewehrt immer wieder anzukommen an einem ort wahrhaft möglicher begegnung, denn diese kraft, dieses prognostisch zukunftsträchtige wird beide tragen können u. immer wieder von neuem beginnen zu erzählen. das suggesstive erwarten wird u. wird bleiben. der seetang, der viele wege geht, den man sogar aus dem grundwasser ausbuddeln kann, der mit ebbe und flut, mal kommt, mal verschwindet, uns im offenen meer, aber auch im sand u. zu verschiedenen zeitläufen begegnet, umarmt uns mit seinem zauber. er wird uns suchenden, uns findenden immer schon erwarten u. neue hoffnung, neue rüche in uns u. aus uns ausbreiten.

gern gelesen
lg, mm

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#5

RE: seetang-trilogie

in Ausgezeichnete Lyrik 09.05.2011 00:03
von perry • Mitglied | 1.417 Beiträge | 1417 Punkte

Hallo Michael,
was kann man sich als Schreiber mehr wünschen, als das seine Bilder solche Reflexionen hervorrufen wie du sie beschrieben hast. Das Leben tritt aus dem Meer bezirzt mit seinen Reizen und wir machen uns auf den Weg gegen den Wind, um schließlich festzustellen, dass wir am Ende zurückkehren zu dem aus dem wir gekommen sind. Bleibt die Hoffnung, dass wir etwas gelernt haben, und sei es nur, dass in Seealgen gerollter Fisch gut schmecken kann.
Danke für deine Inspirationen und LG
Perry

zuletzt bearbeitet 09.05.2011 00:09 | nach oben


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