Man sagt immer, Kritik die man bekommt, schärft das Auge für das, was andere genauso falsch gemacht haben wie man selbst - und so erkenne ich bei dir teilweise dieselben Probleme die ich beim Dichten auch oft habe.
Ich zeige einfach an Hand von ein paar Formaten, was ich persönlich ändern würde. Es sind Kleinigkeiten und ich werde versuchen, sie zu begründen.
Zitat
Worte wie Flocken vom Himmel Sie fallen
zum lebendigen Gedichte sich einen.
Beim Lesen sie tanzen, Trompeten schallen
Kummer und Schmerz, Sie herunterweinen.
"Sie" wird nicht nur kleingeschrieben, wenn es nicht als Anrede ist, man braucht es in diesem Gedicht eigentlich nicht - wenn ich diese Strophle laut vorlese, ist das die erste Stelle, an der ich mich störe und im Fluss innehalten muss. Außerdem hast du dann viel gleichmäßigere Zeilen - die ersten zwei sind dann jeweils gleich lang, ebenso die letzten zwei. Darum habe ich "Sie" durchgestrichen.
"Zum lebendigen" klingt m.E. einfach besser als "zu lebendigem" - aber das ist dein Gedicht und du entscheidest, ob du diesen Klang ebenfalls besser findest als den anderen :).
Die letzten zwei Zeilen widersprechen sich meiner Meinung nach - einerseits tanzen die Worte zu Trompeten: Ein fröhliches bis fast schon kriegerisch-kämpferisches Bild, weil Trompeten als Musikinstrumente des Krieges gelten. Dann aber sprichst du von Kummer und Schmerz - hier fehlt mir momentan einfach der textliche Zusammenhang. Greifst du das Bild vom Krieg und von Trompeten wieder auf und meinst damit, dass Kriege Kummer und Schmerz bringen?
Es geht für mich einfach nicht aus dem Text selbst hervor (vielleicht fehlt mir aber Hintergrundwissen zur Entstehung des Gedichts und hätte ich es, wäre mir alles klar und ich wäre kritiklos, wer weiß). Darum wage ich mich noch nicht daran, diese Stelle formal zu kritisieren, da ich die inhaltliche Aussage nicht genau kenne.
Zitat
Sie tanzen wie der Dichter Odem gibt,
Trauerwalzer und fröhlich Ringelreihen
Formen Figuren. Wie es dem Dichter beliebt,
empfangen Worte wie Flocken die Weihen.
Diese Strophe dagegen gefällt mir gut, sie spricht mich irgendwie an - der Dichter, der mit den Worten spielt wie mit Marionetten und ohne den die Worte leblos wären. Auch die Verwendung des altmodischen Wortes "Odem"
scheint mir hier schön und passend.
Der Punkt nach "Figuren" allerdings ist hier m.E. nicht nötig :).
Zitat
Der Gefühle Sturm die Figuren tanzen lässt,
Zu mächtigen Gebilden aus Herzens Flocken.
So manches Bild, manch Sturm, die Augen nässt.
im Tanze vor Dir, Leiden und Frohlocken.
Das Bild vom Sturm der Gefühle, der die Worte nach seinem Willen tanzen lässt gefällt mir, aber nicht so ganz anfreunden kann ich mich mit "Herzens Flocken" sind damit Flocken gemeint, die aus dem Herzen fallen? Warum aber fallen dann die kalten Schneeflocken aus dem Herzen? Auch hier wieder ein Bild, das zwar schön ist, sich mir aber einfach nicht erschließen will [sad]
Das zweite "manch" würde ich durch ein "und" ersetzen: "So manches Bild und Sturm die Augen nässt" - die Kommata brauchst du hier grammatisch gar nicht.
Zitat
Und legt sich dann des Himmels Flockentanz
Unendlich Schönheit, Reinheit, erstrahlend Glanz
Aus all den Flocken ein wundersames Gedicht
Wie Schnee, ein herrlich, schön Naturgesicht
Aus "herrlich, schön" würde ich einfach "herrlichschön" machen - ansonsten wäre das aber ein tolles Ende für das Gedicht.
Wie du siehst, hast du hier völlig verschiedene Rezis bekommen - was du also letzendlich mit deinem Gedicht machst, ist dir überlassen, denn ein Gedicht hat so viele Rezeptionen, wie es Menschen gibt und die Geschmäcker der Leser sind ebenfalls sehr verschieden.
LG, Evanesca