#1

schweigen

in Minimallyrik 11.09.2011 16:59
von chip | 402 Beiträge | 388 Punkte

im gelben licht scheint
dein gesicht verzerrt

schweigen
steigt aus den schatten

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#2

RE: schweigen

in Minimallyrik 11.09.2011 17:22
von pistacia vera (gelöscht)
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Hallo Chip,
ein interessantes Kurzgedicht, das viele Lesarten zulässt.
Die Farbe Gelb steht ja u. a. für Neid, auch für Eifersucht.

Es hieße also, dass ein Gesicht unter der Einwirkung derartiger Emotionen verzerrt erscheint und den Beneideten zum Schweigen verurteilt. Das ist gut beobachtet und schon deshalb richtig, weil sich die Beeiferten meist weniger für derartige Folgen interessieren als der Neidische selbst.

Es könnte sich jedoch auch um eine kurze Aufnahme nach einem Streit handeln ...
Aus einer Auseinandersetzung entsteht das Schweigen - was auch formal umgesetzt worden ist.
Liebe Grüße
pista

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#3

RE: schweigen

in Minimallyrik 12.09.2011 08:07
von mcberry • Administrator | 3.024 Beiträge | 3041 Punkte

Zitat
im gelben licht scheint
dein gesicht verzerrt schweigen
steigt aus den schatten




Mir fällt auf, daß es auch ein Haiku ist, Lieblingschip,

Z 2 und Z3 zusammengefügt machen sieben Silben. Aber dann verzerrt das Gesicht ein Schweigen.

Betonung des Abgrunds halte ich auch für die bessere Schreibweise. Mag ich wohl leiden. HG - mcberry

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#4

RE: schweigen

in Minimallyrik 12.09.2011 22:25
von facebookstyle
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die vieldeutigkeit des gelben lichts - bleibt assoziativ überlassen, macht es schwergängig, doch was ist schon einfach, chip? der sonnenaufgang in einem ehemals bekannten gesicht, einem winterhimmelgelb, einem narziss... oder so...
zerfressene gesichter, von angst zerfurcht - vielleicht, weil schweigen antworten verwehrt, viellecht weil die unsicherheit das zwischenmenschliche szenario beherrscht, diese, die letztlich zuviel distance erschafft um vertraut zu sein, zu bleiben, jene, die verbindungen abreißen lässt...
schweigen ist für fremdes, unnahbares... oder das, was nicht (mehr) berühren kann/soll...

liebe grüße,
gb.

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#5

RE: schweigen

in Minimallyrik 16.09.2011 18:31
von chip | 402 Beiträge | 388 Punkte

danke der kommentare,

mit wie wenig text so viel resonanz erzeugt werden kann, überrascht immer wieder. die verkürzung erlaubt verschiedene projektionsebenen. keine kann falsch sein. die kunst der minimallyrik liegt wohl darin, bilder im betrachter zu erzeugen. grüße chip

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#6

RE: schweigen

in Minimallyrik 17.09.2011 23:41
von Ein Gassenbaum (gelöscht)
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irgendwie finde ich es genial, denn:

Zitat
im gelben licht scheint
dein gesicht verzerrt

schweigen
steigt aus den schatten



hat die prot Ikterus, wäredas gelbe licht fantasie wäre, denn: gelbes licht ist artifical. und ein verzerrtes gesicht ist immer stumm, womit das schweigen aus dem schatten des gelben lichtes steigt. eine in sich logische minimal-lyrik.

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#7

RE: schweigen

in Minimallyrik 18.09.2011 20:05
von munk | 868 Beiträge | 1141 Punkte

hi chip,
schon genialisch dein minimales. hier kann sich auch surreales tummeln und schweigen sich endlich aus seinen versteckten archetypen lösen.

munkelgrüße

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