Liebe pista!
Ja Opfer. Sie sind mir auch bekannt, nicht nur aus der Bibel, der Thora, auch aus vielen Kulturen. Ich meine diese Opfer zu verstehen. Es wurden in einigen Kulturen auch Menschenopfer dargebracht, als Zeugnisse der Angst vor einer Strafe, also den jeweiligen Gott, um die Götter milde zu stimmen, für sich einzunehmen.
Mit Gottes Fleisch und Blut dachte ich zunächst an die katholische Kirche. Das Glaubensbekenntnis ist in vielen Religionen ein Hingabe, ein sich fügen, unterordnen, Suche nach Schutz gegen das Widrige. Suche nach Hoffnung, Vergebung von sozialen Regelbrüchen, denen der Mensch nicht ausweichen kann. Eben die Selbstbehauptung mit der Hilfe einer personifizierten Allmacht.
Mein Gedicht bezeichnet die gelebte Ambivalenz des Menschen in der Revolte. Er fühlt Ungerechtigkeit gegen etwas, an das er nicht glauben will oder es nicht vermag. Und dennoch kann er nur gegen etwas revoltieren, gegen etwas, das er dazu vorausetzen muß. Im Grunde meine ich, dass sich die menschliche Revolte gegen den Menschen selbst richtet, als einen, der sich selbst als Ungerechten erlebt, aber nicht schuldig sein will. Denn er
fragt sich -natürlich- muß ich so sein? Schließlich delegiert er sein Ungenügen. Er will dem nicht geglaubten Gott
zurückgeben. Entweder opfernd oder mit Verachtung. Doch in keinem von Beidem findet er Antwort zu seinen Zweifeln,
absolute Freiheit, sich selbst zu bestimmen.
Was wäre ein Vertrag mit einem Gott gegen den der Mensch revoltiert, ohne an ihn zu glauben?
Möglich, dass er ein Suchender wäre, einer der sich aussöhnen möchte, und der fähig wäre sich gottglaubend
selbst zu gestalten, zu bestimmen. Welchem Gott gefiele das? Sicherlich keinem vom Mensch selbst erdachten. Der andere schweigt auf Fragen, der Mensch bleibt in der Revolte. Doch er bedarf, unfertig geschöpft als einer,
der an sich selbst zweifelt.
Und wir schreiben uns weiter aus.
Danke für Deinen Kommentar und die Beispiele in den Schriften.
Liebe Grüße,
otto.