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#1

Mein bester Freund (Sein bester Freund)

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 16.05.2013 22:26
von Richard (gelöscht)
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Sein bester Freund!

Genau betrachtet, gab es überhaupt keinen, den er als solchen hätte bezeichnen können. Trotz seiner Aufrichtigkeit oder vielleicht gerade deswegen, hatte er keinen Freund.

Alle, die er als Freunde eingeschätzt hatte, erwiesen sich nach etwas näherem Kennenlernen, als nur flüchtige Bekannte. Sie kamen und entschwanden im Laufe der Zeit. Obwohl es sein ehrlicher Wunsch war, Freunde zu haben, wurde aus keiner Beziehung eine andauernde oder etwas längere.

Woran es lag? Er konnte das nicht ergründen.
Dabei hätte es ihm gut getan, sich so manches von der Seele zu reden, denn niemand hörte ihm wirklich mit offenem Ohr zu. Jeder wollte nur seine eigenen Probleme los werden, für seine Sorgen zeigte keiner Verständnis.

Um der Wahrheit die Ehre zu geben, einen treuen Freund hatte er : eine ältere Reiseschreibmaschine. Diesem mechanischen Freund konnte er alles und jedes anvertrauen, was seine Seele bedrückte. Der Vorteil war, daß dieser immer, wenn er ihn brauchte, für ihn da war. Er gab zwar keine Antwort, aber es war schon eine große seelische Erleichterung, wenn die Worte vor seinen Augen zu Papier gebracht wurden.

Dieser mechanische Freund half ihm oft, über die innere Einsamkeit hinwegzukommen. Nicht nur das, er fühlte eine große Entspannung, wenn seine Gedanken auf Papier festgehalten vor ihm lagen.

Manchmal, wenn das Schreibband schon im Begriffe war, die Farbe verblassen zu lassen, färbte er es mit viel Geduld wieder ein. Sein Freund dankte es mit leserlichen Buchstaben.
Die Schreibmaschine und ein paar leere Blatt Papier wurden zu seinem aufbauenden Gefühl gegen die innere Unruhe.

Er war sich bewußt, daß es kein Ersatz für einen echten Freund war, doch es war eine gewisse Freude, wenn viele neue Gedanken seinen Kopf durchdrangen und er diese mit Worten zu Papier gebracht hatte.
Die Phantasie wurde angeregt. So entstanden Wort um Wort und Zeile für Zeile kleine Geschichten und Erzählungen.
Diese waren teils erfunden, teils aus seinem eigenen Leben. Wenn er die Schreibtasten betätigte, strömten die Worte wie aus heiterem Himmel auf ihn ein. Aus dem Nichts entstanden die kleinen Erzählungen und so manches Erlebnis.

Das Leben brachte viele Ereignisse, gute und schlechte. Daraus wollte er schöpfen, wie aus einem Brunnen; dieser Brunnen war sehr tief!

Auch Erinnerungen, die er schon lange vergessen glaubte, tauchten daraus hervor. Oft wehmütige. So ein Lebensbrunnen hält sehr viel verborgen, so vieles, an das man gar nicht mehr dachte. Was da alles so auftauchte! Es war Geschehen und konnte nicht mehr geändert werden. Bei so vielen Ereignissen, die er während des Schreibens noch einmal erlebte, machte die Schreibmaschine mit, ohne zu zögern, ohne sich zu wundern oder Kritik zu üben.

So war sie sein Freund, sein bester Sorgenbrecher, dem er so vieles anvertraute. Auch in Zukunft sollte sie es sein.

Oft glaubte er zu fühlen, was sie meinte: Schreib bei mir nieder, was dich bedrückt, du fühlst dich leichter!

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#2

RE: Mein bester Freund (Sein bester Freund)

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 24.05.2013 10:10
von chip | 402 Beiträge | 388 Punkte

hallo richard,

wohin die so gesuchte interaktion mit der leserschaft auch führen mag, posthum gibt man sich gerne
aufgeschlossen. schilderst du in der dritten person autobiographische erfahrungen? kann man machen.
witziger gewesen wäre eine über sich selbst dahinklappernde reiseschreibmaschine ...

der text ergeht sich in der zustandbeschreibung emotionaler isolation, deren trauriges zeugnis er wird.
jenseits der mechanik seiner innig umklammerten tastatur wird nichts für uns lebendig: keine phantasien,
keine personen, keine erinnerungen. nicht in erfahrung zu bringen, welche sorgen sich der protagonist
denn nun von der vielbeschworenen seele geredet hätte. erst recht nicht, welche man ihm anvertraute.
der text wirkt leer, gibt dem lesenden fan keine chance, angeblich verweigertes interesse nachzuliefern.

war der abschnitt nur als auftrakt einer erzählung gedacht? für sich stehen kann er m. e. nicht. tschüs chip

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