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#1

Mal scharf betrachtet

in Philosophisches und Grübeleien 08.04.2014 16:59
von Elektra | 250 Beiträge | 250 Punkte

Der Mensch ist ohne Brille wie verloren,
denn seine Welt ist Watte bloß und Schaum.
Worauf es ankommt, das bemerkt er kaum,
verlässt sich deshalb häufig auf die Ohren.

Doch was er hört, ist kaum noch zu ertragen,
aus diesem Grunde hört er meistens weg.
Er schert sich nicht um andrer Leute Dreck,
er ist mit seinem eignen Dreck geschlagen.

Zum Kuckuck, seine Brille bleibt verschwunden!
Der Ärmste tastet blind sich durch die Welt.
Wer weiß, was er vielleicht noch angestellt,
hätt er sie nicht am Ende doch gefunden.

Jetzt ist er froh, jetzt kann er wieder kucken.
Und sieht, was er nicht wirklich sehen will.
Denn scharf betrachtet, denkt er für sich still,
hat diese Welt doch viel zu viele Mucken.


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zuletzt bearbeitet 10.04.2014 08:58 | nach oben

#2

RE: Mal scharf betrachtet

in Philosophisches und Grübeleien 09.04.2014 10:13
von yaya | 614 Beiträge | 610 Punkte

Hallo Elektra,

vom Ansatz finde ich das Gedicht originell; an der Form könnte noch gefeilt werden.

Zahlreiche Wortwiederholungen könnten sprachlich aufgelöst werden:
z.B. S2Z1: Was er vernimmt ...und S2Z4 mit Schmutz statt Dreck.

Z. B. S3Z4 hat 2 Silben zuviel und steht auch ohne "hätte" im Konjunktiv.

Dafür kommt in S4Z3 das Verb gucken nicht vom Vogel Kuckuck. Den Reim halte ich auch
nicht für gelungen, weil "Mucken" schwach erscheint in Anbetracht vorangegangener Erfahrungen.

Die Sozialkritik betrachtet die Spezies Mensch mit ihren Leiden: Ein unerschöpfliches Thema! Grüße von Yaya

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#3

RE: Mal scharf betrachtet

in Philosophisches und Grübeleien 09.04.2014 18:08
von Elektra | 250 Beiträge | 250 Punkte

Liebe Yaya,

hab vielen herzlichen Dank für den Kommentar.

Zu deinen Anmerkungen:

- "was er vernimmt" statt "hört" würde die Metrik verletzen, da zwei Silben statt einer
- Den "Dreck" brauche ich nicht nur als Reimwort, sondern es ist wirklich Dreck und nicht Schmutz gemeint.
- Selbstverständlich weiß ich, dass "kucken" nicht von Kuckuck kommt, hier liegt eine gewollte Verballhornung vor. Gucken hat so etwas Niedliches, das nicht hierhin passt.
- Aber klar, man kann schon von Mucken reden, wenn man entsprechend dem Kontext des Gedichtes nicht zu scharf werden will, und ich denke, von Sozialkritik ist dieser Text doch weit entfernt.
- Strophe 3, Vers 3 hast du recht, eine Hebung zuviel. Ich habs schon geändert. Danke vielmals, jetzt ist alles korrekt.

Ansonsten aber: Deine Änderungen würden das Gedicht zwar salonfähiger machen, aber das will das Gedicht gar nicht sein, ja, deine Vorschläge würden das Gedicht geradezu beschädigen. Ich hoffe, du kannst mit meinen Erklärungen etwas anfangen.

Liebe Grüße, Elektra


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zuletzt bearbeitet 10.04.2014 08:59 | nach oben


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