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#1

Ballade von der herzschwachen Lehrerin

in Humor und Fröhliches 17.09.2017 07:17
von Alcedo • Mitglied | 2.443 Beiträge | 2351 Punkte

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Ballade von der herzschwachen Lehrerin


Zu Bodenstedt in Peine
war eine Lehrerin,
mit dem Gehör so feine
wie Luchs und Fuchs nur hyn.

Sie schonte sich ihr schwaches,
von leid geplagtes Herz
mit Ohropax. Des Baches
Geplätscher hört’ sie nicht,
der Amsel Flöt-Geträller
sie nicht ins Hirn mehr sticht,
das Uhr-Tick-Tick-Geticke
nimmermehr sie ficht:
ihr allergrößter Schmähherz
ein Schüler und ein Scheeherz.

Sie fragte, „Was erzeugt das Licht
der stinknormalen Kerze?“
Er hob die Hand und grinste nicht
wie sonst zum flachen Scherze,

er sprach so klar und deutlich
mit Augen groß und rein
doch hörte sie kein Wort nicht
durch ihr Verstöpseltsein,
so dass sie schnell entfernte
vom linken Ohr den Pax -

da schrien auch schon im Bunde
die dreißig Blagen: "Wachs!"

Ein Beutel voller Hundekot
gab schließlich ihr den Rest 💣,
der war mit Cola aufgebläht
und sieben Mentos zugenäht
und platzte wie die Pest.

.

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e-Gut
zuletzt bearbeitet 17.09.2017 07:18 | nach oben

#2

RE: Ballade von der herzschwachen Lehrerin

in Humor und Fröhliches 18.09.2017 18:26
von alba | 429 Beiträge | 404 Punkte

kein wunder daß eure lehrer immer so schnell verschlissen sind. ab fünfzig kriegen die meisten frühpension.

menschen mit guten ohren sind im nachteil weil diese zivilisation von vielen beinahe tauben zeitgenossen bestimmt wird. kein hund erträgt eine durchschnittliche fußballübertragung weil stundenlang alles stadienweise brüllt wie blöd. und du verspottest sie ja noch. die arme sau.

vllt ist sie im nächsten leben klüger und kommt als katze wieder dann braucht sie auch nicht lehrer studieren.

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#3

RE: Ballade von der herzschwachen Lehrerin

in Humor und Fröhliches 19.09.2017 09:10
von Artbeck Feierabend | 92 Beiträge | 52 Punkte

"G-u-u-u-ten-M-o-o-o-r-gen-Frau-von-W-o-o-o-no-rowski-Schnellwe-e-e-e-ger..."

Hallo, Alcedo!

Also wirklich! Diese Konfliktvermeidungs-Strategie der selbst auferlegten Beinahe-Taubheit einer schrullig-tüdeligen Pädagogin gegen renitente Schülerinnen und Schüler, besonders gegen ihren spöttelnden Mädchenschwarm-Antagonisten, konnte ja nicht gut gehen und es beschleicht den Leser schon früh ein mulmiges Gefühl, bis am Ende die Falle böse zuschnappt, die Bombe (schön kreativ das Gemisch!) im wahrsten Sinne anschaulich platzt. Ein tolles Beispiel auch dafür, wie wichtig es ist, in einer Klasse das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken…

Alba, dein Mitleid in allen Ehren, aber Gerhard Schröder hat es doch schon früh erkannt: Das ist die Strafe für einen überprivilegierten Berufsstand, der vormittags recht und nachmittags frei hat! Die Colamentoshundekotbeutel-Problematik, wie sie hier mit nord- und süddeutschen Begriffen („Schmähherz“, „Scheeherz“, „Blagen“) treffend und überregional skizziert wird, zieht sich durch die ganze Republik und muss endlich in der Kultusministerkonferenz angemessen thematisiert und durch neue Lehrpläne ausgeglichen werden!

Bleibt nur eins zu hoffen, Alcedo: dass möglichst wenig SuS dein Gedicht lesen!

Du sorgst wieder einmal für neuen Lesestoff in einem Genre, das ich persönlich am anspruchsvollsten finde: Humor und Satire!

Mit Vergnügen gelesen!

Grüße,
Artbeck

zuletzt bearbeitet 19.09.2017 09:12 | nach oben

#4

RE: Ballade von der herzschwachen Lehrerin

in Humor und Fröhliches 20.09.2017 12:35
von salz | 120 Beiträge | 107 Punkte

Hallo Alcedo,

die Zeilen mag ich auch leiden. Aber beim ersten Lesen habe ich es nicht gleich verstanden.
Das heißt, die Charakterisierung von der Lehrerin ist mir wegen dem Dialekt auch entgangen:
Schmähherz und Scheeherz usw. Aber zum Glück hat es Artbeck dann verständlich erklärt.
Erst dann konnte ich drüber lachen. Auf Spießertum Stinkbomben zu werfen halte ich allemal
für legitim. Obwohl der Schulbubenstreich keine politische Wendung bewirkt. Salzige Grüße XXX

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#5

RE: Ballade von der herzschwachen Lehrerin

in Humor und Fröhliches 21.10.2017 10:04
von Alcedo • Mitglied | 2.443 Beiträge | 2351 Punkte

@alba:
drei Millisekunden lang hatte ich wirklich geglaubt, du seist echauffiert. dann nicht mehr. jetzt glaube ich, du hast selbst so eine „arme Sau“ auf dem Gewissen.
versuch mich noch einmal so ins Bockshorn zu jagen und meine nächste Persiflage handelt von der PETA-Aktivistin, die sich, mangels Bäume, am Stuttgarter Kopfbahnhof an einen ICE kettet um den Juchtenkäfer zu retten.

@Artbeck Feierabend:
dass du den „Mädchenschwarm-Antagonisten“ rausgelesen hast - Klasse! danke für das bescheinigte kreative Gemisch. freut mich sehr. sehr schön für mich auch diese, deine Conclusio:

Zitat
Ein tolles Beispiel auch dafür, wie wichtig es ist, in einer Klasse das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken…

das mit den „nord- und süddeutschen Begriffen („Schmähherz“, „Scheeherz“, „Blagen“)“ war eher unbewusst geschehen, weil das Indielängegezogene eine Vermeidungsstrategie meinerseits war: vermutlich brächte ich es sonst nicht hin, Herz auf Schmerz zu reimen. außerdem ist auch der Gernhardt-Robert bei der Rezitation seiner Texte oftmals so verfahren - das habe ich bei ihm abgekupfert: etwa in seinem Hauptstadtgedicht.

SuS musste ich guhgeln. Schülerinnen und Schüler heißt das also. wenn das mal kein Lehrersprech ist …
nein, Scherz beiseite: wenn Du mir, als Pädagoge, so ein Feedback hier schreibst, dann wünschte ich, du wärst früher mein Lehrer gewesen.

mir erscheinen Oden am anspruchsvollsten. aber Satiren und Persiflagen sind nicht weit dahinter platziert.

@salz:
jeder Schulbubenstreich ist Revolution von unten. ob er politisch was bewirkt, hängt wohl eher von der politischen Funktion des Opfers ab. bei mir/uns waren die meisten Lehrer früher Kommunisten gewesen. sie betrieben Gehirnwäsche für den Conducator (Führer) Ceaușescu. ich werde mein Leben nimmer die Hymne vergessen die wir jeden Morgen singen mussten: „Trei culori cunosc pe lume“ (drei Farben kenne ich auf dieser Welt). zumindest hatten wir sie nicht auf Deutsch singen müssen. dafür waren die deutschen Lobpreisungsgedichte auf den „Führer“ und das kommunistische Vaterland, von Autoren wie Alfred Margul Sperber, die wir zum Teil auswendig lernen mussten, schlimm genug.

diese Lehrerin hier, mit Ohropax, bekommt viel von der damals empfundenen Ohnmacht ab. real waren es damals leider meist nur Kastanien im Feuer gewesen (die Klassenzimmer waren mit Holz-Öfen beheizt, Holz welches wir zum Teil selber hinschleppen mussten - da haben ein paar mitgeschmuggelte Kastanien das Ganze aufgepeppt). zu mehr hatte es damals nicht gereicht.

einer der Lehrer, ein gewisser Herr Schemel, war aber damals bei einem „Streich“ krankenhausreif geprügelt worden (nicht von mir). danach war sein Geschichtsunterricht weit weniger Kommunisten-konform gewesen. die Genugtuung die ich und wir alle damals empfanden werde ich auch nie vergessen. trotzdem tat er uns leid.
damals müsste ich im sechsten oder siebten Schuljahr gewesen sein, wenn ich mich nicht täusche.

Grüße
Alcedo


e-Gut
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#6

RE: Ballade von der herzschwachen Lehrerin

in Humor und Fröhliches 26.10.2017 17:51
von Artbeck Feierabend | 92 Beiträge | 52 Punkte

Guten Abend, Alcedo!

"Lehrersprech" - den Begriff finde ich herrlich, oder sollte ich besser sagen: doppelplusgut?


Deine Ballade regt dazu an, sich mal wieder mit der eigenen Schulzeit auseinanderzusetzen. Zwei Mathelehrer, ein cholerischer und ein eiskalter, sind mir in lebhafter Erinnerung geblieben (5.-7-Klasse) - sie dienen mir beide heute noch als Alibi für meine rudimentären Algebrakenntnisse (ja, ich weiß, wenn der Bauer nicht schwimmen kann, liegt's an der Badehose...). Vielleicht fällt mir dazu auch eines Tages ein Text ein...

Ich fände es generell spannend zu lesen, wie weitere Mitglieder des Forums bestimmte Erlebnisse aus ihrer Schulzeit literarisch umsetzen würden oder wie sie es vielleicht bereits getan haben! Stoff gäbe es bestimmt reichlich.

Grüße,
Artbeck

zuletzt bearbeitet 26.10.2017 18:03 | nach oben

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