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#1

Der Heba Klage

in Gesellschaft 28.11.2018 13:04
von otto | 637 Beiträge | 645 Punkte

Ich klage jetzt und hier,
Euch, denen vor der Tür
In euren Gärten und Häusern:
Ich hatte Freunde in Aleppo.

Abends saßen wir vor der Tür.
Opa spielte Schach,
Und er lehrte mich
Schachmatt zu sein.
Denn immer setzte ich die Steine falsch.

Dann kam die Zeit, die uns verbrannte.

Hört mich an, ihr vor der Tür:
Wir bleiben hier in eurem Land.
Bis ich gelernt habe die Steine
Richtig zu setzen
So wie mein Opa,
Der wußte was wohin gehört.

Bei euch singt keiner.

Ich sah der Heba Kind,
Das als Fackel nachts die Straße erleuchtete.
Hell war es, ein Komet der strahlte und erlosch.
Ich sah Abertausend meiner Schwestern und Brüder
Mit aufgesperrten Mündern sah ich sie glühende Aschen trinken.

Und schön war unser Feigenbaum im Garten,
Dort garrten seine Früchte versaftet.
Auch sah ich eine Frau,
Sah ihr Gesicht unter der Burka lächeln,
Als sie ihrem schwangeren Leib die Kugel gab.

Hört mich, ihr draußen vor der Tür
In eurem Garten:
Ich will mich verschleiern in eurer Haut.
Denn über Nacht kommt der Surm,
Der Wüstensturm.

Und dies sagt eurem Goethe:
Besuche meine Stadt,
Bevor ich deine Verse lese.

Gott ist groß.
Austreiben soll er dem Geheimrat seine Verse.

Ich habe meinen zweiten Deutschkurs abgeschlossen.

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#2

RE: Der Heba Klage

in Gesellschaft 29.11.2018 10:16
von yaya | 616 Beiträge | 616 Punkte

Hallo Otto,

deine Zeilen fasse ich als Klage einer Syrerin auf, die von Deutschland aus gen Süden blickt.
Oder wen meinst du mit Heba? Mac hat mich gefragt, aber ich weiß es auch nicht. Link: Heba

Tippfehler in Z24: "Dort gar r ten seine Früchte versaftet." Es sei denn du meinst einen Garten,
dann wäre die Grammatik fraglich. Link zum frühneuhochdeutschen Wörterbuch: garren

und in Z31:"Denn über Nacht kommt der Sturm, /Der Wüstensturm."

Ich kann dir nicht sagen, ob mir die Zeilen gefallen.
Ich glaube zu verstehen, daß der Opa für Vergangenheit steht und das ungeborene Kind für die Zukunft, die eine lächelnde Gegenwart ihm ersparen will. Ob das so funktioniert, scheint mir auf mehreren Bedeutungsebenen unsicher.
Solche Gedichte zu verfassen, ohne selbst dem Kulturkreis zu entstammen, ist immer problematisch.
Meine Empfehlung lautet, autentische Verse über die Scham zu schreiben, aus sicherem Unterschlupf Zeuge der Greuel zu sein. Grüße von Yaya

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