http://www.E-LIEratum.de
#1

W.B.Yeats An Indian upon God

in Übersetzungen/Übertragungen/Lyrics 11.04.2019 13:25
von Sneaker | 40 Beiträge | 55 Punkte

I passed along the water's edge below the humid trees,
My spirit rocked in evening light, the rushes round my knees,
My spirit rocked in sleep and sighs; and saw the moor-fowl pace
All dripping on a grassy slope, and saw them cease to chase
Each other round in circles, and heard the eldest speak:
Who holds the world between His bill and made us strong or weak
Is an undying moorfowl, and He lives beyond the sky.
The rains are from His dripping wing, the moonbeams from His eye.
I passed a little further on and heard a lotus talk:
Who made the world and ruleth it, He hangeth on a stalk,
For I am in His image made, and all this tinkling tide
Is but a sliding drop of rain between His petals wide.
A little way within the gloom a roebuck raised his eyes
Brimful of starlight, and he said: The Stamper of the Skies,
He is a gentle roebuck; for how else, I pray, could He
Conceive a thing so sad and soft, a gentle thing like me?
I passed a little further on and heard a peacock say:
Who made the grass and made the worms and made my feathers gay,
He is a monstrous peacock, and He waveth all the night
His languid tail above us, lit with myriad spots of light.


Betaute Bäume sahen mich den Schritt zum Ufer lenken,
das Schilf umwogte mir die Knie, die Dämmerung mein Denken.
Da fiel mein Blick auf Entenvolk auf einem Hügelkranz,
ihr Federkleid beträufte Gras, dann endete ihr Tanz
der um und um in Kreisen ging, ein alter Erpel prach:
Er, der die Welt im Schnabel hält, der stark uns formt und schwach,
Unsterblicher des Entenvolks, lebt abseits aller Welt,
aus der Blick, von Schwingen Tau, als Mondlicht und als Regen fällt.
Ein Stückchen Weges weiter nur sprach eine Lotosblume:
"Er, der die Welt erzeugt und hält, verwurzelt in der Krume,
schuf mich nach seinem Ebenbild und alle Regenzeiten
sind Tropfen ihm, die perlengleich von Blütenblättern gleiten".
Ein Rehbock, Sternenglanz im Aug’, hob seinen Blick hinauf
und seine Worte gingen so: Im Himmel klingt sein Lauf,
er ist ein Rehbock sanfter Art, sonst wärs ihm nicht gegeben
ein Wesen traurig, zart wie mich, in diese Welt zu weben.
Dann hört’ ich eines Pfauen Wort, der sich also bedacht:
Der Gräser schuf und Würmer und meine Farbenpracht,
schlägt riesengroß sein Pfauenrad. Das Meer der Nacht durchbricht,
das leise Fächeln seines Schweifs mit ungezähltem Licht.

nach oben

#2

RE: W.B.Yeats An Indian upon God

in Übersetzungen/Übertragungen/Lyrics 17.04.2019 09:07
von Sneaker | 40 Beiträge | 55 Punkte

The Second Coming

Turning and turning in the widening gyre
The falcon cannot hear the falconer;
Things fall apart; the centre cannot hold;
Mere anarchy is loosed upon the world,
The blood-dimmed tide is loosed, and everywhere
The ceremony of innocence is drowned;
The best lack all conviction, while the worst
Are full of passionate intensity.

Surely some revelation is at hand;
Surely the Second Coming is at hand.
The Second Coming! Hardly are those words out
When a vast image out of Spiritus Mundi
Troubles my sight: somewhere in sands of the desert
A shape with lion body and the head of a man,
A gaze blank and pitiless as the sun,
Is moving its slow thighs, while all about it
Reel shadows of the indignant desert birds.
The darkness drops again; but now I know
That twenty centuries of stony sleep
Were vexed to nightmare by a rocking cradle,
And what rough beast, its hour come round at last,
Slouches towards Bethlehem to be born?

Im Spiralflug, wendend, kreisend, weitend
hört der Greif den Ruf des Falkners nicht,
Zerfall ringsum, das Zentrum hält nicht stand;
Die blanke Anarchie ist in der Welt;
blutrot schwappt frei die Flut und ringsumher
ersäuft man nun das Ritual der Unschuld;
Die Besten kraftlos matt, die Miesesten
voll leidenschaftlicher Besessenheit.

Bestimmt ist eine Art der Offenbarung nah,
die Wiederkehr des Herrn ist sicher nah.
Die Wiederkehr des Herrn! Kaum ausgesprochen,
erdrückt ein Alptraum aus dem Herz der Welt
den Blick mir: irgendwo im Wüstensand,
die Form: ein Löwe doch mit Menschenhaupt
der Blick sonnengleich blank, erbarmungslos
bewegt die trägen Schenkel und ringsum
tanzt Schatten aufgebrachter Wüstenvögel.
Erneut fällt Dunkel; doch jetzt ist mir klar,
dass zweimaltausend Jahre Schlaf von Stein
durchs Knarzen einer Krippe Alptraum wurden,
und welches Vieh, dem seine Stunde tagt,
schlurft jetzt gen Bethlehem, zum Sein bestimmt?.

zuletzt bearbeitet 17.04.2019 09:11 | nach oben

#3

RE: W.B.Yeats An Indian upon God

in Übersetzungen/Übertragungen/Lyrics 20.04.2019 09:16
von Sneaker | 40 Beiträge | 55 Punkte

An Irish Airman foreseeing his Death

I know that I shall meet my fate
Somewhere among the clouds above;
Those that I fight I do not hate
Those that I guard I do not love
My Country is Kiltartan Cross
My countryman Kiltartan´s poor
No likely end could bring them loss
Or leave them happier than before.
Nor law, nor duty bade me fight
Nor public men, nor cheering crowds
A lonely impulse of delight
Drove to this tumult in the clouds
I balanced all, brought to my mind
The years to come seemed waste of breath
A waste of breath the years behind
In balance with this life, this death.

Ein irischer Kampfflieger mit Vorahnungen

Ich weiß, mein Schicksal streckt die Hand nach mir
hier irgendwann aus einer Wolkenschicht.
Ich hasse keinen Gegner, doch dafür
lieb ich auch die, die ich beschütze nicht.
Kiltartan Cross, das ist mein Heimatgau,
und Landsmann jeder Habenichts vor Ort,
egal wie das hier geht, ich weiß genau,
lebendig, tot, kein Hahn kräht nach mir dort.
Es war nicht Pflicht, Gesetz, kein Rednergeist
noch Volksgejauchze, das mich kämpfen hieß.
Ein Funken Freude, der tief in mir gleißt,
wars , der die Welt fürs Bodenlose ließ.
Was war - sein könnte, ist nur Zeit verschwendet,
mess ichs daran, wie man hier lebt und endet.

zuletzt bearbeitet 20.04.2019 09:17 | nach oben

#4

RE: W.B.Yeats An Indian upon God

in Übersetzungen/Übertragungen/Lyrics 20.04.2019 09:19
von Sneaker | 40 Beiträge | 55 Punkte

The Madness of King Goll

Ich ruhte auf Kissen aus Otterfell,
mein Wort war Gesetz von Ith bis Emain
und trieb selbst in Inver Amergin stahlhell,
Furcht den Herzen der Seeräuber ein.
Es schirmte vor Krieg und Gefahr,
Jungen wie Mädchen, Männer wie Vieh,
die Ernte war reicher von Jahr zu Jahr
die Vögel des Himmels zahlreich wie nie.
Die alten Knechte, sie beugten
grausilberne Häupter, bezeugten:
Er schirmt uns vor nördlicher Kälte.
Es schweigt nicht, das tanzende Laub um mich,
das welkende Birkenlaub.

Sinnend trank ich von süßem Wein,
als ein Hirt aus dem Kernland beklagt,
es hätten in Drachenkopfschiffe hinein
Seewölfe seine Herden gejagt.
Ich berief die Huskarls, Männer der Schlacht,
auf grollenden Bronzestreitwagen
aus Tälern und Bergen und fiel in der Nacht,
als sie schlafend im Sternenlicht lagen,
am Strand über die Seewölfe her,
und keiner entkam dem rächenden Speer.
Viel goldene Spangen errang meine Hand.
Es schweigt nicht, das wispernde Laub um mich,
das welkende Birkenlaub.

Doch mählich, während ich brüllend kämpfte
auf blutigem Boden stand,
erfasste ein Etwas mein innerstes Ich,
ein tanzender, lodernder Brand.
Am Himmel flammten grelle Sterne,
die Augen der Männer glommen fahl,
da lachte ich auf und lief in die Ferne
quer über Kliffe, Heide und Tal.
Ich jauchzte auf zum Vogelflug,
im Sternenlicht, zum Wolkenzug,
dem Rascheln im Schilf, dem Wellengesang.
Es schweigt nicht, das wispernde Laub um mich,
das welkende Birkenlaub.

Nun bin ich im Wald zu jeder Zeit,
ob Sommer die Bienen trunken macht,
ob Herbst in stiller Einsamkeit,
im Laub leopardene Lohe entfacht,
ob im Winter an eisigen Stränden
der Kormoran auf den Klippen friert.
Ich wandere weiter, rede mit Händen,
schüttle mein Lockenhaar ungerührt.
Der Grauwolf kennt mich. Ich höre ihn gut,
der Herzschlag des Hirsches durchpulst mein Blut.
Die Hasen kommen mir furchtlos nah.
Es schweigt nicht, das wispernde Laub um mich,
das welkende Birkenlaub.

Ich fand eine Siedlung, schlafend, stumm.
Erntemond. Und wie Wind durch Ried
ging ich lautlos hinein und sah mich um,
murmelnd zu einem seltsamen Lied,
„ ich folgte ihm durch Nacht und Tag
dem Schall von gewaltigen Schritten“,
und sah eine alte Harfe, sie lag
auf der Bank, dem Sänger entglitten.
Die nahm ich mit in die Einsamkeit
des Waldes, und von seltsamem Leid
sangen wir mit vermählten Stimmen.
Es schweigt nicht, das wispernde Laub um mich,
das welkende Birkenlaub..

Ich sang wie nach dem langen Tag
Orchil ihr dunkles Haar enthüllt,
wie es den Sonnentod verdeckt
den Wind mit leisem Duft erfüllt.
Wenn meine Hand die Harfe rief,
stillten die Töne frisch wie Tau
den Durst in mir, der sonst nie schlief.
Doch nun stimmt in die Klage ein,
der Klang verging, die Saite sprang,
mich ziehts durch Wald und Hügel
bei Winterkälte, Sommersglut.
Es schweigt nicht, das wispernde Laub um mich,
das welkende Birkenlaub.

zuletzt bearbeitet 20.04.2019 09:22 | nach oben


Besucher
0 Mitglieder und 35 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: zoe
Forum Statistiken
Das Forum hat 8616 Themen und 64142 Beiträge.

Heute waren 0 Mitglieder Online:


Besucherrekord: 420 Benutzer (07.01.2011 19:53).