#1

Türblick (Expressionistisch)

in Diverse 24.10.2020 12:57
von Al le Gordien | 83 Beiträge | 197 Punkte

Türblick
(Expressionistisch)

Am Morgen guck ich aus der Türe amüsiert,
der Tag noch um die Ecke sehr berühmt,
ein Hund leckt meinen Fuß ganz ungeniert.
am Blumenstock summt eine Wespe unverblümt.

Das Leben ist hundsmäßig klug und weise,
das Sterben weiß niemals woher, wohin.
Mit meiner Arbeitslose plane ich die Reise,
packe die Koffer, auch Gedanken sind darin.

Am Morgen guck ich nochmals durch die Lücke,
sehe die Wahrheit nunmehr bildreich überall,
die Wespe sticht den Hund, als ich mich bücke,
er jault im Schmerz, kein habhaft schwerer Fall.

Mein Hund – der trägt jetzt einen Stachel,
verlogen wackelt er mit seinem Schwanz.
Ich stehe an der Reling, winke – nein ich wachel,
den Lügen zu, beim letzten Freudentanz.


Alles, was überhaupt gedacht werden kann, kann klar gedacht werden. Alles, was sich aussprechen lässt, lässt sich klar aussprechen. (Wittgenstein)
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#2

RE: Türblick (Expressionistisch)

in Diverse 24.10.2020 21:58
von mcberry • Administrator | 3.094 Beiträge | 3191 Punkte

Hi Alain!
Dieser expressionistischen Ausdrucksweise zu begegnen löst mehr Verwirrung bei mir aus als Verständnis. Neologismen als Stilmittel? Ganz überzeugt bin ich da noch nicht.
Immerhin transportiert die thematische Geschlossenheit der Zeilen eine Botschaft. Das dem Schicksal mehr oder weniger ergebene LI lässt sich nicht unterkriegen. Jeder Tag wird einer Nacht weichen. Leben endet. Und der Stachel des Todes peinigt den armen Hund, bevor er seinem Opfer den Rest gibt.
Übrigens: Die häufigsten Mann über Bord Verluste passieren beim Pinkeln über die Reling. Hoffentlich hast du deinem LI einen Aquamarin mitgegeben. Nur zur Sicherheit!
Mit Interesse gelesen - mcberry

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#3

RE: Türblick (Expressionistisch)

in Diverse 24.10.2020 23:31
von Al le Gordien | 83 Beiträge | 197 Punkte

Guten Abend und Servus –

Das expressionistische ist im Grunde genommen eine Verballhornung gängiger Gedankenmodelle. Gehen wir einen Schritt weiter dann landen wir beim Surrealismus, seinen ersten Gehversuchen später den Folgeerscheinungen wie dem Fluxus etc. Der angewandte Künstler wird in seinen Verformungen in die Absorption der Abstraktionen nur dann anerkannt wenn er auch ein absolut perfekter gegenständlich darstellender Künstler ist/war. Da ich ab und zu in der Lage bin verständliche Textarbeiten zu präsentieren könnte man versuche in diesem Genre ohne hinterfragung akzeptieren.

Liebe Grüße und Sonntags Wünsche
H


Alles, was überhaupt gedacht werden kann, kann klar gedacht werden. Alles, was sich aussprechen lässt, lässt sich klar aussprechen. (Wittgenstein)
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