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#1

Splitter, Sentenzen, Sprüche & Aphorismen I

in Aphorismen 06.02.2009 16:39
von Epiklord | 70 Beiträge | 70 Punkte
Dem Arzt vertrauen, genau wie deinem Frisör,
bis ein Ohr ab ist.

*

Auch Vegetarier haben zuweilen
Frösche im Hals.

*

Die Befriedigung einer Sucht hat das Wesen einer Hydra, schlägt man ihr einen Kopf ab, wachsen schnell zwei nach.

*

Hat sich aber der Blick, die Gewohnheit, mit der man alles automatisch erledigt, plötzlich verändert und das Bewusstsein hat es noch nicht adaptiert, sind auf einmal Geister im Spiel.

*

Als schillernder Hahn wird dir eines sicher sein –
sehr viele Hennen.

*

Wie Fliegenklatsche überkommt einem oft die Liebe,
sie trifft – und zerdrückt.

*

Ich führe eigentlich ein sehr unscheinbares Leben, ein Maulwurfsdasein; werfe jedoch hin und wieder gehörige Haufen. Vom Maulwurf unterscheidet mich: Er weiß nicht, dass man sich darüber ärgert – ich schon.


*

Meine Sommerseele findet Einkehr bei sich selbst,
in Glühweinwärme.

*

Kandisberge versetzen auf dem Gedankenstrahl, jauchzend
über kiesgrauer Flora.

*

Ich war entsetzt
Sein charmantes Colgate-Lächeln mit den wundervollen Zähnen lag in einem Schälchen auf der Spiegelablage.

*

In lieblicher Nacht,
am Wegrand glimmendes Licht,
Glühwürmchenhoffnung.

*

Betrogene Männer, die Gefängnisse um ihre Frauen errichten, werden zu deren meistverachteten Gefängniswärtern, und alle Gefühle erlöschen.

*

Das ist mehr ein Baum wie ein Mann, als ein Mann wie ein Baum.

*

Geborgenheit ist wie Käseglocken über
brennenden Kerzen.

*

Ich suchte den Sinn des Lebens, und das Leben ging an mir vorbei.

*

Der naive Realist sieht das Brett vor seinem Kopf nicht
Der Visionär reißt es sich herunter und zimmert sich eine komplette Hütte draus.

*

Gespeicherte Worte, dem Flüchtigem abgetrotzt,
bereite Schuhe.

*

Ihre Seele hat keine geheimen Nischen
Sie ist platt und plump wie die
Pfannkuchen, die sie alle drei Tage bäckt.

*

Man kann nichts machen, die Erde saust durch das All,
ich habe Flugangst.

*

Ich tröste mich am Busen der Natur – der ist am größten.

*

Solange der Begriff „Leben“ nicht definiert ist, soll man durch den Tod keine endgültige Befreiung vom Leben erwarten.

*

Unsere Ideale sind wie Rockzipfel, die uns stets ein Stück vorauseilen.

*

Man muss aufpassen, dass einem nicht irgendwann ein Völlegefühl beschleicht vom überdrüssigem Lebensmut.

*

Bäume, die ständig allen Wettern ausgesetzt sind, werden halt stärker, prägnanter, als solche, welche im Schutz des Waldes vor sich hin vegetieren.

*

Meine Freude hob an wie ein gasgefüllter Luftballon
Leider haben aber Ballons die Neigung zu zerplatzen.

*

Ein Betrachter kann nicht allein vom Zuschauen den Genuss des Fliegens spüren.

*
Die Sehnsuchtsschläge
Der Nachtigall verstummen,
das Froschkonzert quakt.
*


Gib dich keinen Geschäften und Geschäftsleuten hin, von denen du nicht
Sicher weißt, ob du ihnen auch gewachsen bist.

*

Blutige Denkblasen meist nur aufgeblasene Gedanken.

*

In der Dekadenz einer Seelen entfremdeten Welt ist Humor ein bleierner Rettungsring.

*

Einen Roman zu lesen ist wie eine Kreuzfahrt, und jede abgestandene Floskel löst sofort eine Flaute aus.

*

Treue sei das Treibhaus eurer Liebe.

*

Ein Baum spendet auch denen kühlen Schatten, die schimpfen, dass er kein Licht in ihre Fenster ließe.

*

Lust kann man nicht haben, die Lust hat einen; man kann sie höchstens mit seinem Willen kanalisieren. Ich bin aber leider kein Kanalarbeiter und sehr willensschwach.

*

Wenn die Wahrheit über unsere Welt nicht mit Vernunft zu ergründen ist, warum probieren wir es nicht mal mit Nonsens.

*

Eine Frau muss in der heutigen leichtlebigen Zeit schon froh sein, wenn ihr Mann mit einem schweren Kater aufwacht, anstatt mit einer Geliebten.

*

Bereits bei der Geburt hatte ich der Welt den Steiß gezeigt, und zeig ihn noch immer
Und was macht die Welt - sie zeigt mir ihren.

*

Ohne Würde ist der Mensch wie ein Akku ohne Spannung.

*


Die Erlebnisse der Vergangenheit reduzieren sich in der Gegenwart zu einer Erinnerungsstatistik, mit der man zufrieden sein kann, die aber nicht in der Lage ist, einen zu befriedigen.


*

Für immer mehr Menschen entarten ihre Vergnügungen in einen Antagonismus zur Lebensfreude, bedeuten Spießrutenlaufen vorbei am schmerzhaften Bewusstwerden grau erlebter Alltagsrealität, sind Rettungsversuche auf scheinbare Glücksinseln.

*

In Gesichtsfalten und Gehirnfalten liegt nicht immer Weisheit.

*

Die Eheleute hatten eine Verbindung, wie Wasser mit verquirltem Sand, also nur scheinbar.

*

Eine Pflanze, die man übermäßig dünkt, wirft bald ihre Blätter wie ein angeschlagener Boxer das Handtuch.

*

Eine Frau versucht stets ihre Ehre, gerade wenn sie besudelt ist und das Gewissen sie drückt, besonders demonstrativ wie ein weißes Friedenstuch heraus zu hängen, beschwörend kund zu tun; aber gleichzeitig behält sie den Finger am Abzug des Gewehres, und man weiß nie in welcher Richtung es los gehen wird.

*

Ich wünschte mir, dass das neue Jahr als Goldesel daher käme; aber nicht als einer, der langlebig permanent an Darmträgheit leidet, sondern als einer, der sich schon im Frühjahr rasant zu Tode scheißt. Würde ich diesen Esel bereits jetzt in seinem Versteck aufspüren, jagte ich ihn rückwärts in die Zeit durch das nächste Wurmloch und kassierte ihn vorgestern noch ab.

*

Thomas Mann seine Kurzgeschichten sind wie guter Sex für Frauen ist, sehr, sehr langatmig – also nichts für mich.

*

Die Freiheit liegt darin, dass man sie denken kann.

*

Über einen blöden Witz könnte niemand lachen,
wäre er nicht zu blöd.

*

Wunderschönes Eisblumengespray haftet an den Butzenscheiben,
aber leider auch der Blick hinaus.

*

Frühlingserwachen bleibt reglos eingeschlossen
im Packeisgemüt.

*

„Wir haben im Zweiten Weltkrieg im russischen Winter gefrorene Erbsensuppe gelutscht.“ Vater aufbrausend: „Sei froh, dass du es nicht miterlebt hast!“ – „Und wir haben Juden vergast.“ – Vater schweigt.

*

Hoffnung erscheint als reinste Illusion,
dann eher Illusion zu Hoffnung.

*

Die Fenster verstellt mit Blumen,
der Geist mit Drogen


*

Du bist im Uhrwerk die Unruhe
und nicht die Feder, die treibt,
machst nicht die Kinder,
sie werden gemacht
und du wirst gelebt


*


Tags ähnelt mir die Stadt zu sehr einem Gänsestall, in den der Fuchs eingedrungen ist, alles rennt wie aufgescheucht umher.

*

Die mächtige Kirche war seine Domina.

*

Die Lust-Triebe untergraben die Souveränität

*

Glück bedeutet ganz einfach das Dasein.

*

Liebe ist, den Panzerring der Einsamkeit um sich sprengen.

*

Monika F.: „Blasenentzündung?! – Ich habe vom Blasen noch keine
Entzündung bekommen.“


*

Das Gesicht der alten Dame schien leblos. Jede Falte, die das Leben geschrieben hatte, war zugespachtelt worden.

*

Lieg im Sarg Probe,
die Glühwürmchen längst verglimmt,
herbstkalt die Glieder.

*

Die übermütigen Freudensprünge der Füchse beim Jagen, könnte man sie nicht auch als Nonsens deuten aus pragmatischer Sicht eines Evolutionsbiologen? Aber wer sie wie ich schon mal in freier Wildbahn beobachtet hat, kann es nicht mehr vergessen
Mein Herz hüpft vor Freude beim Erinnern daran – tief empfundene Freude,
nicht aus geistiger Retorte.

*

Dieser Kochlöffel, so ein primitives Ding,
brauchen könnt man ihn.

*

Gestrandeter Fisch, nichts hatte ihn getrieben,
und so trieb er an.

*

Ein hässlicher Nackter, er kann nicht aus seiner Haut,
Sommer ist am See.

*

Traumgewandelt bin ich – die erhaschten Sternschnuppen, Blüten
in unserem Liebesgarten.

*

Hätte sie meine Liebe erwidert, die Buchenbäume hätten
Äpfel getragen.

*

Eine Blindschleiche, so blind, dass sie überall aneckte. Durch aufgeblasene
Literatur suchte sie zu glänzen. Im Strohfeuer ihrer Texte erlag sie der Hitze.


* * *

Sing, O Magenader,
gegen Angst domauf,
vom Puls deiner Zeit
den Abgesang.
Betör dein Herz,
wenn’s einsam stirbt
den Fugentod.

*
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#2

RE: Splitter, Sentenzen, Sprüche & Aphorismen I

in Aphorismen 07.05.2009 09:22
von gheggrun | 377 Beiträge | 377 Punkte
Hallihallo , Epiklord!
Gern lese ich frühere Beiträge. Hier verführt die Vielzahl zum Herunterlesen
und so bleibt Würdiges unkommentiert.

Viele gute Sachen hast du geschrieben.

Hastanirwana
GHEG
zuletzt bearbeitet 28.05.2009 14:53 | nach oben

#3

RE: Splitter, Sentenzen, Sprüche & Aphorismen I

in Aphorismen 22.07.2009 16:13
von Simone • Mitglied | 1.674 Beiträge | 1674 Punkte


Faden in die richtige Abteilung verschoben.

Gruß
Simone


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