| Zitat: |
perry schrieb am 17.01.2009 19:35 Uhr:
in der morgendämmerung
landeten wir in minsk,
mieteten uns ein allradauto,
schnitten spuren in den schee.
die gewehre geschultert,
hunde an der langen leine,
pirschten wir durchs öde,
luden schnappend schrot.
wir ließen die meute los,
legten die läufe an,
warteten auf das flügelburren
der aufsteigenden kette.
streuender kugelhagel
riss sie aus dem gleitflug.
von hechelnden mäulern apportiert
lag die strecke aufgereiht.
früh sank die novembersonne.
letzte blitze huschten übers land.
im gegenlicht sah ich sie aufsteigen,
geisterhaft in eine bessere welt.
|
hallo perry
ja, ja, in deutschen Landen lässt sich das Flügelburren kaum mehr vernehmen. und wenn, dann sind es nur kurze Ketten, die da vereinzelt abheben.
schön beschrieben: ein Jagdtag im ukrainischen Schneefeld. überwiegend im Trochäus und Daktylus gehalten.
"wir ließen die Meute los," tanzt da ein wenig zu jambisch aus der Reihe. solte man nicht das "wir" weglassen? aber vielleicht ist es wirklich zu monoton, wenn da nur pirschten, luden, ließen, legten usw. im Auftakt kommen.
sehr schön fand ich hingegen die Diskonkordanz der letzten beiden Zeilen:
im gegenlicht sah ich sie aufsteigen,
geisterhaft in eine bessere welt.
xXxxXxxXxx
XxxXxxXxxX
nach den überwiegenden Fallern zuvor, folgt nun ein jambischer Versfuss, welcher einen inhaltlich untermalten zweifachen Anapäst aufsteigen lässt, mit einem unvollständigen Versfuss, also ohne Hebung zum Schluss.
und nach dem Zeilenumbruch driftet ein vierhebiger Daktylus, vollends düster und gegenläufig abfallend in eine andere Welt. wunderbar.
ich interpretiere es so, dass das lyr.Ich, also der Jäger, hofft es würden noch ein paar Hühner übrig bleiben in der weiten Steppe. und zwar nicht nur allein um das künftige Jagdglück zu sichern, sondern als Überlebende in einer Welt, welche vielleicht auch ohne Jagdsport auskommt. aber letztlich, da die verbliebenen Vögel nach Westen flüchten, der untergehenden Sonne entgegen, bleibt die Prognose düster.
beim schnappenden Schrot laden hatte ich ein wenig schmunzeln müssen. da sah ich die fülligen Bäuche grüner Jagdröcke vor mir, wie sie sich durch Gräben und Unkraut mühen und ich hoffte, das Schnappen wäre nicht ausschließlich den Büchsen vorbehalten.
was ich noch gerne wissen würde: bleiben dort hin und wieder auch Trappen auf der Strecke?
Gruß
Alcedo