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#1

festtage

in Gesellschaft 19.09.2008 18:08
von Karl Feldkamp • Mitglied | 194 Beiträge | 194 Punkte
das fest wird steigen
die pornoqueen tanzt
im hochgeschlossenen 3/4
takt wiener walzer
schrittmacher hallen wider
kommen selbstmörder
mit dem leben davon

zoos entlassen ihre menschen
selbst heimliche nationalisten
sehnen sich nach ferne
nur eine hand voll einheimischer
exoten bleibt und
der letzte papst spricht
martin luther selig
und die freiheit heilig
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#2

festtage

in Gesellschaft 19.09.2008 18:48
von Joame Plebis | 3.371 Beiträge | 3363 Punkte
Guten Tag, Herr Feldkamp!

Ich vermute, diesen Generator zu kennen, habe ihn sogar probeweise bemüht. Das Ergebnis habe ich allerdings nicht gepostet. Es ist praktisch, gleich einem Gedanken-generator, schreiben zu können; im weitesten Sinne kann man auch von einem Gedicht sprechen.

Gruß
Joame
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#3

festtage

in Gesellschaft 20.09.2008 18:12
von Karl Feldkamp • Mitglied | 194 Beiträge | 194 Punkte
Hallo Joame,
es tut mir Leid. Aber ich verstehe die Kritik nicht. Was meinen Sie in diesem Fall mit "Generator"?
Über eine Antwort würde ich mich freuen.
Herzliche Grüße
Karl Feldkamp
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#4

festtage

in Gesellschaft 20.09.2008 18:42
von Joame Plebis | 3.371 Beiträge | 3363 Punkte
Guten Tag, Herr Feldkamp!

Es täte mir leid, hätte Sie meine Ansicht verstimmt, Ihr Beitrag sähe aus, als wäre er durch einem Generator entstanden. Alleine schon aus Ihrer Antwort entnehme ich, daß Sie selbst gekonnt auf ganz unübliche Art Ihre Gedanken darlegen.
Es sind Sätze, jeder mit einer ungewöhnlichen Aussage. Die Form der Niederschrift ist für mich etwas verwirrend.

Danke mit herzlichem Gruß
Joame
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#5

festtage

in Gesellschaft 20.09.2008 19:34
von axolotl
Hallo zusammen,

vorausgeschickt: Joame, ich bitte Dich, nicht alles, was wie vers libre oder nach freier Dichtung aussieht, ist vermutbarer Weise mit dem poetron via Generator abgefasst. Ich finde es, gelöst davon, dass der Text seine Macken hat, ferner nicht förderlich für eine Diskussion über ein Gedicht, mag es auch noch so frei oder konkret sein, ihm eben den lyrischen Charakter immanent und verschmitzt hinterfotzig abzusprechen, indem man es "im weitesten Sinne" als naja-annährend 'gedichtwürdig' klassifiziert, lediglich aus dem Fakt heraus, dass man seine eigenen Kriterien in Sachen Dichtung nicht anzulegen weiß. Der Text hat Zeilenumbrüche. Punkt. Der Text ist ein Gedicht. Punkt. Ob es überzeugen kann, ist eine andere Frage und eine Frage, die man eben nicht beantwortet, indem man Unterstellungen zur Machart oder zur Glütigkeit von hinten durch die Brust ins Auge anführt. Ein wenig mehr Umsicht erwarte ich von Kommentatoren schon und vermeintliche per se-Ignoranzen in Sachen Gegenwartslyrik, konkreter Poesie oder vers libre gehen mir unheimlich auf die Zwiebel, Joame.


Hallo Karl,

so, und ohne Umschweife zum Text: Es ist legitim, einen Text in gänzlich Kleinschrift abzufassen, es ist sogar nahezu Stilmittel, da man keinem Wort durch seine Großschrift ein Mehr an Bedeutung zukommen läßt und sich überdies Mehrdeutigkeiten offenhält. Diese Punkte sehe ich Gedicht anteilig gestützt, sie könnten aber durchaus stringenter ausgearbeitet werden. Das führt mich direkt zum nächsten Punkt: der Zeilenschaltung.

Gerade der Aspekt der Mehrdeutigkeit, der sich ob der Kleinschrift ergeben kann, ist über die Zeilenschaltung stellenweise und leider zunichte gemacht. Es mag daran liegen, dass ich generell meine Probleme mit "ein-Wort-pro-Zeile"-Beudeutungsschwangerschaften habe, aber nicht nur, dass hier einiges an Doppelbödigkeit über die Aufteilung verloren geht, ist es die Knackigkeit, die dem Text mit seiner meines Erachtens unvorteilhaften Aufteilung abhanden kommt.
Du gibst dem Leser mit Verlaub eine Endloswurst an die Hand, zu deren Ende er sich nun zuzeln soll. Die grundlegende Frage ist dabei, ob das der Leser möchte und ob ihn nicht schon die Aufmachung davon abhält, hier einiges durchzukauen.

In meinen Augen aber tut sie eben das: sie hält davon ab. Die erste Zeile läßt sich leider mit "so weit - so langweilig" betiteln, Zeile zwei bietet da auch nicht mehr. Ein Eye-Catcher sieht anders aus. Letztlich ist es erst die dritte Zeile, in der sich ein "hoppla" formiert, aber nur kurzweilig, weil die Zeilenschaltung auch hier wieder ungünstig eingezogen ist.

Welche solitäre, zeileneigene Berechtigung im Text hat beispielsweise hier "tanzt im"? Was bedingt, dass dieses Fragment eine einzelne Zeile einnimmt? Weder Mehrdeutigkeit, noch Herausstellen einer Szene, einer für sich genommen wichtigen, einzelnen Bedeutung unterstützt das, wie ich meine. Solche Umbrüche e.g. sind bedauerlicherweise das entscheidende Manko Deines Textes. So wie bei "tanzt im" baumeln verschiedenste Formulierungen zeileneigen, ohne das sie Funktion im Text, in der jeweiligen Szene erfüllen. Das ist schade und wirkt auf gewisse Weise flapsig bis undurchdacht.

In diesem Zuge würde ich eine andere Aufteilung des Gedichts vorschlagen, die ihm nicht nur optisches Plus andient, sondern darüber hinaus genau die Knackigkeit zurückgibt, die solche Gedichte eigentlich brauchen, um ihre Zündschnur anzufackeln.

Zudem wünsche ich mir mehr Gewicht auf Mehrdeutigkeiten. Ein Mehr an sprachlichem Spiel, Neologismen hingegen müssen nicht sein, da die Bilder im Gedicht stark genug sein könnten, um für sich bestehen zu können. Derzeit sind sie dazu aber schon ob der Zeilenschaltung nicht in der Lage.

Vorschlag wäre (zugegeben schon sehr abstrakt und mit einigen Ideen vermischt, aber Du kannst hier gerne noch lockern und ausdünnen. Die ersten Zeilen würde ich dabei aussparen oder hinten anstellen, da Du über die Überschrift schon Festtagsstimmung aufgreifst. Ideen sind Ideen und nur als Anreiz zu verstehen; Zäsuren kein Muss):


die pornoqueen tanzt im hochgeschlossenen 3/4
takte eines wiener walzers / schrittmacher halten
wieder / lassen die selbstmörder mit sich leben

zoos entlassen ihre menschen / selbst heimliche
nationalisten sehnen sich nach ferne / eine hand voll
einheimischer exoten bleibt / und der letzte papst
spricht martin luther selig / die freiheit heilig


oder

die pornoqueen tanzt im hochgeschlossenen 3/4
takte eines wiener walzers / schrittmacher halten
wieder / kommen selbstmörder mit dem leben davon

und zoos entlassen ihre menschen / selbst heimliche
nationalisten sehnen sich nach ferne / eine hand voll
einheimischer exoten bleibt / und der letzte papst
spricht martin luther selig / und die freiheit heilig


Grüße
axo
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#6

festtage

in Gesellschaft 21.09.2008 17:35
von Karl Feldkamp • Mitglied | 194 Beiträge | 194 Punkte
Hallo Joame,
nein, ich war wegen deiner Kritik nicht eingeschnappt. Ich habe wirklich nicht verstanden (mag an meiner Einfalt liegen), was du mit dem Generator gemeint hast. Danke daher für deine Erläuterung.

Lieber axo,
danke für die ausführliche Kritik. Damit kann ich eine Menge anfangen. Dein Textvorschlag gefällt mir. Ich hoffe, ich durfte ihn übernehmen.
Gruß
Karl
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#7

festtage

in Gesellschaft 22.09.2008 16:13
von axolotl
Hallo Karl,

freut mich, dass Du damit etwas anfangen konntest. In der jetzigen Form gefällt es mir durchaus besser, obwohl ich es trotz meines vorherigen Geschwafels besser fände, würdest Du mittels Zäsuren manche Spiele in einer Zeile halten. Aber ich will da jetzt auch nicht zu viel herumbiegen - ich freu mich nur, dass die Ideen für Dich funktionieren.

Btw.: Stell am besten mal die Urspungsversion mit ein, damit es für andere hier übersichtlich / einsichtig bleibt

de groeten
axo
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#8

festtage

in Gesellschaft 23.09.2008 11:51
von Karl Feldkamp • Mitglied | 194 Beiträge | 194 Punkte
Hallo axolotl,
gern stelle ich die Ursprungsversion hier noch einmal ein:


das fest
wird steigen
die pornoqueen
tanzt im
hochgeschlossenen
wiener walzer
selbstmörder
lassen mit sich leben
der zoo entlässt
seine menschen
selbst heimliche
nationalisten
sehnen sich
nach ferne
nur ein paar
einheimische
bleiben exoten
und der letzte
der päpste
spricht
martin luther selig
und die freiheit
heilig


Gruß
Karl
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#9

festtage

in Gesellschaft 24.09.2008 11:03
von Erebus | 748 Beiträge | 748 Punkte
Hallo Karl Feldkamp

Erinnert mich an Hieronymus Bosch.

Wenn ich mir eines seiner Bilder anschaue, z.B. den Garten der Lüste, dann habe ich ein ganz ähnliches Panoptikum, jedoch ohne den bramabasierenden Unterton. Und der gefällt mir auch nicht.

Es ist eine Art "Erspüren", das ich bei deinem Text habe: ich finde, dass sich hier eine prophetisch verheißende, erhobene Hand zu wichtig nimmt, die innehält und bedeutungsvoll das Schweigen von etwas Unausgesprochenem unterstreichen will.

Die Bilder erscheinen mir recht beliebig und bleiben in bekannten Refugien. Moral, Religion, Politik in Basisdimensionen, wobei ich nicht hinter die Bedeutung eines hochgeschlossenen 3/4 Taktes oder hinter das "wieder"halten von Schrittmachern komme, dafür bin ich zu dösig.

Unterm Strich spricht der Papst heilig und unheilig ist das für niemanden, das ist katholischer Firlefanz so bedeutungsfrei wie eine tanzende Pornoqueen - wobei: wer ist das? Das würde mich schon interessieren ...

LG
Uli

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#10

festtage

in Gesellschaft 24.09.2008 11:43
von axolotl
Dolly Buster beliebte, auf dem Wiener Opernball zu tanzen
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#11

festtage

in Gesellschaft 24.09.2008 11:47
von Erebus | 748 Beiträge | 748 Punkte
der dolly buster? Sakrileg! Damit ist Österreich erledigt. Ein für alle mal.
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#12

festtage

in Gesellschaft 24.09.2008 12:51
von Karl Feldkamp • Mitglied | 194 Beiträge | 194 Punkte
Hallo Uli,
danke für deine Kritik und auch dafür, dass du mich auf einen Flüchtigkeitsfehler aufmerksam gemacht hast. Es muss natürlich "widerhallen" heißen.
Ich glaube nun einmal, dass die Annäherung von Gegensätzlichkeiten zur Befriedung führt. Ich bin mir keines moralisierenden Untertons bewusst.
Der Papst (als katholisch-moralische Instanz) sollte sich m. E. auch daran beteiligen und vom Schwarz-weiß-Denken (Teufel - Gott) lösen.
Natürlich ist das einje Utopie.
Wer am vergangenen Wochenende in Köln bei der Demonstration gegen den so genannten "Anti-Islamisierungskongress" der Rechten war, hat ein wenig von dem gespürt, was ich mit meinem Gedicht auszudrücken versuche.
Es ist schon erstaunlilch, welche äußerst unterschiedlichen Reaktionen mein Gedicht auslöst. (Ich habe es in mehreren Foren veröffentlicht.) Das geht von absolut großartig und umfassend bis eben hin zu deiner Kritik an beliebigen Bildern.
Herzliche Grüße
Karl
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#13

festtage

in Gesellschaft 24.09.2008 14:37
von Erebus | 748 Beiträge | 748 Punkte
Hallo Karl,

ja, vielleicht kannst du dem Papst (als katholisch-moralische Instanz) helfen, etwas mehr zu erkennen. Ich habe selbst leider keine Ahnung davon, wie viele Farben er wahrnehmen kann. Ich wünsche ein gutes Gelingen!
Wenn der Text anderen Ortes als großartig empfunden wird ist doch alle in Butter. Meine Sache ist er nicht. Da sieht man, wie bunt die Leserschaft ist.

LG
Uli
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#14

festtage

in Gesellschaft 25.09.2008 14:55
von Karl Feldkamp • Mitglied | 194 Beiträge | 194 Punkte
Lieber Erebus,
damit kein Missverständnis aufkomme: Ich bin froh über jede subjektive Äußerung zu meinen Gedichten. Nichts finde ich schlimmer, als schleimiges Lob.
Und dass ich den Papst nicht dazu bringen werde, vom Teufel zu lassen (zumal Schwarz ja im eigentlichen Sinn noch nicht einmal eine Farbe ist), das weiß ich auch. Ansonsten müsste mich der Papst wegen meiner Wundertätigkeit noch heilig sprechen. Aber das würde er so oder so nicht tun, da ich seiner Kirche schon vor Jahrzehnten den Rücken zugekehrt habe.
Herzliche Grüße
Karl
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