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#1

Ablenkung sei uns zu Gnaden

in Zwischenwelten 17.09.2008 02:34
von Pseudonym • Ghostwriter | 41 Beiträge | 41 Punkte

Ablenkung sei uns zu Gnaden


Vollumfänglich umfängt und hält die Welt mich in Armen
Häusern tanzen die Penner und flennen nach dem Glück
Los war gestern und heute ist Selbsttäuschung in
Dessen kosten Gewinner den süßen Schweiss der Bienen
Fleiß ölt die Wirtschaftswachstumswahnsinnsfahrt
Zeuge sind ungemein wichtig für unser Land
Liebe gehört importiert doch die Länder gehen unter
Nehmen gehen auf und ab und auf und noch mehr auf
Stände wären eventuell vielleicht von Nöten
Banken an fußt der Zins ins Reich der Mittel
Stand ist Quark im Schaufenster wirbt der Konsum
Terror hat sich zur Geißel der Lüge geBildet
E-Bürger und I-Menschen sind wir und unser Herz ist ohne Wege
Danken sind Pannen dank kurzer Aufmerksamkeitsspannen
Der ist hier die Frage wer schmeißt hier den Laden
Hüter der FreiheitGleichheitsGerechtenscheisse
Wars das nun oder wird das noch oder gehen wir ab
Lenkung auf dem Weg ins Verderben sei uns zu Gnaden.


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#2

Ablenkung sei uns zu Gnaden

in Zwischenwelten 17.09.2008 09:59
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Tach Pseudo

Zeilenübergreifende Begriffe sind Stilmittel, die zuweilen recht witzig sein können, aber sie so inflationär zu gebrauchen, wirkt leicht ermüdend.

Zwar rechnest Du mit unserer Gesellschaft ab, aber so richtig sind die angeprangerten Menschen, Institutionen und Lebenssituationen und Verhaltensweisen nicht miteinander verknüpft. Will heissen, der Inhalt ist mir zu sprunghaft und deckt zu viel ab, ohne irgendwo wirklich in die Tiefe zu gehen. Ich lese das und denke: jaja, schon so, und jetzt? Es fehlt übrigens noch der Welthunger, Buschs Kriegsmaschinerie und der obligate Fremdenhasser.

Der Titel gefällt mir noch am besten, ansonsten ist es nicht mein Fall.

Gruss
Margot

Die Frau in Rot

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#3

Ablenkung sei uns zu Gnaden

in Zwischenwelten 21.09.2008 05:30
von axolotl
Hallöchen,

das ist in groben Ansätzen der Versuch, in einer (nahezu) durchgängigen Apokoinu zu schreiben - in meinen Augen aber nicht wirklich geglückt.

Da hakt es leider noch gehörig und die Übergänge sind nicht fließend genug, sondern wirken in ihren Überträgen viel zu forciert. Alles scheint sehr gebogen, zu hart gebrochen. Beste Beispiele dafür sind Glück/los und in/dessen.

Derartiges ist, wie soll ich es richitg ausdrücken, viel zu eindeutig auf Mehrdeutig getrimmt. Fast so wie dieser Krampf, den ich selbst zu lange hatte, Doppelbödigkeiten in Klammern anzupreisen oder herauszustellen, bis mir Marge einmal sagte, dass eben das zu gewollt und allzu fahnenschwenkend ist. Damals habe ich das noch abgetan, aber je mehr Konstrukte dieser Machart ich gelesen habe, desto mehr kam mir in den Sinn, dass sie Recht hatte.

So verhält es sich im Grunde auch hier: die Übergänge schlagen einem leider solange ins Auge, bis man ein Veilchen davonträgt. Sie wirken marktschreierisch ("Hallo, hier kommt der Clou! Hier! Gemerkt? Okay, ich mach's nochmal.)

Der eigentliche Trick bei diesem Stilmittel ist aber, dass es kaum auffällt, sich die Bezüge bestenfalls nach zweimaligem Lesen aufschlüsseln und die Sätze für sich bestehen können. Eben dies ist hier recht missglücklich.
Nimm das Genörgel als Tipp für zukünftige Texte. Ich kann genau den Punkt, den ich Dir hier zum Vorwurf stricke, ja auch selbst nicht immer halten; es fallen mir einige Maschen von der Nadel. Eine Apokoinu ist nicht einfach, wenn sie einfach wirken soll.

Interessant finde ich aber, dass Du mittig im Sinne der Ab- und Umlenkung ein mögliches Enjambement umkehrst und aus den Banknoten, Banknöten und letztlich Nöten/Banken machst. Aber auch das ist mir allzu aufdringlich, weshalb Marges Argument, dass der Text an der Überstättigung krankt, sehr gut greift und Anzeige dafür ist, dass das hier sehr, sehr konstruiert erscheint.

Überdies überreizt sind solche Aufdringlichkeiten: "geBildet". Bitte auch hier nicht so hausierend. Du darfst einem Leser ruhig zutrauen, dass er - wenn er willens ist - solche Schubladen von alleine öffnen kann. Solchen Lesern sprichst Du die Mündigkeit ab, indem Du Bedeutungen so herauskehrst. Und wenn er den besagten Willen dazu nicht hat, wirst Du ihn auch mit buchstäblichen Offensichtlichkeiten nicht dazu animieren können, sondern er wird Dir schlimmstenfalls vorwerfen, bis zum Anschlag im Geburtskanal des Bedeutungsschwangeren zu stecken.

Nichts für ungut, [...] (und ich glaube fast, zu wissen, welche "Erdkartoffel" unter dem Text steckt Aber mitunter täusche ich mich da)

Liebe Grüße
axo
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#4

Ablenkung sei uns zu Gnaden

in Zwischenwelten 23.09.2008 04:15
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.955 Beiträge | 1940 Punkte
Vielen Dank für die Rückmeldung! Ich habs verbrochen und muss dazu anführen, dass, sieht man seinen Text als Baby, es sich als normaler, wohlgeratener oder auch AK-Sprössling herausstellen kann - doch es muss ja nicht gleich in die Babyklappe, hauptsache es hält eben diese und bleibt wenigstens still (wenn auch so manches AK mancher Dichter uns als permanentes Schrei-Riesen-Baby in den Ohren liegt).

Aber nun hinfort von dieser Arschloch-Metaphorik. Ich habe eure Kommentare aufmerksam gelesen und kann eure Argumente gut verstehen und doch nichts dran ändern, dass mir mein hässliches Baby am Herzen liegt

Wichtig war mir vor allem, die kurzen Aufmerksamkeitsspannen durch schnelle Themensprünge darzustellen und dem Leser alles eben marktschreierisch und ohne Doppeldeutigkeiten oder Interpretationsspielraum, dafür aber mit pseudo-doppeldeutigen Eindeutigkeiten in die Fresse zu knallen wie es unseren durchlauchten Medien auch mal gerne beliebt.

In diesem Sinne seht das Ganze einfach als Panne dank kurzer Aufmerksamkeitsspanne

@axolotl:
Ich wusste nicht was ein Apokoinu ist und dass es subtil und unauffällig sein sollte. Aber es würde mich reizen mal eines zu lesen, dessen Verse sowohl für sich stehen als auch durch ein-silbige Koinons am Versende (danke Wikipedia) kombiniert einen neuen Sinn ergeben. Das muss in der Tat ausserordentlich schwierig sein, wobei es sicherlich noch schwieriger ist, statt eines ganzen Satzteils als Koinon nur Silben zu verwenden.

PS: Welche Erdkartoffel hast du den darunter vermutet?

PPS: Merke: Der Geburtskanal des Bedeutungsschwangeren gebiert hauptsächlich AKs



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#5

Ablenkung sei uns zu Gnaden

in Zwischenwelten 23.09.2008 08:43
von axolotl
Hallo Willi!

Du bist die völlig falsche Kartoffel. Ich hatte fest an Alcedo gedacht, daher auch der Topinamburverweis über die Erdkartoffel. Mit Dir hab ich nicht gerechnet. Da siehst Du mal, wie man sich täuschen kann.

Dass ich Dir gleich Apokoinu andichte, hat mit den üblichen Schablonen zu tun. Ich mache die selbst im vers libre und so fallen mir Ansätze dazu sofort ins Auge bzw. sehe ich ihn stets angeschnitten. Es ist fast wie mit Entführungen von Außerirdischen: Wenn die Fiction-Filme kleinwüchsige und kleinäugige Außerirdische zeigen, decken sich die Beschreibungen angeblicher Entführungsopfer mit eben diesem Bild, ändern sich die Darstellungen in den Filmen zu großgewachsenen, maki-äugigen Wesen, schlägt sich das auch in den späteren Beschreibungen vermeintlich Entführter nieder. Die Schablonen halt.

Ich schick Dir mal via PN den Link zu einer freien, durchgängigen Apokoinu.

Was die Themensprünge betrifft, wird das am Text gut klar, ist mir aber auch fernab von Apokoinu und dennoch zu stockend und grob. Gib mir mal ein, zwei Tage und ich schaue, was mir zu dem Text noch an Ideen kommt.

Was ist eine Arschlochmetaphorik, Du Metapherkel?

de groeten
axo
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