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#1

Ein Verlust

in Diverse 09.06.2008 21:17
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Ein Verlust

Ein Verlust an Würde, ein verlorenes Gesicht,
ein Maskenbild der Pflicht zur Außensicht
verfällt in lahme Trance. Der Rest
ergreift die Chance und angelt
in der Anrauhlauge rundherum
nach seiner Nase, Mund und Auge.
Nur das Ohr vermisst er nicht,
solange nur die eigne Stimme spricht
und sogar ignoriert,
wenn vom Geschrei der anderen
dabei sein ganzer Körperbau vibriert.

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#2

Ein Verlust

in Diverse 13.06.2008 18:18
von Maya (gelöscht)
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Hallo GW,

immer wieder interessant an deinen Gedichten ist, dass du dich nicht auf eine bestimmte Gedicht-/Reimform festlegst, sondern experimentierst. Auch hier tischst du eine Vielzahl von Binnen- und Endreimen auf, die mich aber nicht immer überzeugen, so z.B. die ersten beiden Endreime auf –sicht.

Dein Gedicht zu verstehen, ist für mich nicht ganz einfach. So über das Knie gebrochen würde ich denken, dass es um Verstellung geht. Weil lyrI befürchtet, seine Würde zu verlieren, wenn es sein wahres Gesicht (Verlorenheit) zeigt, setzt es sich in der Früh, bevor die Pflicht ruft, eine Maske, vielleicht ein Grinsen auf. Oder verliert das Gesicht erst an Würde, indem es sich maskiert?

Die „lahme Trance“ wirkt seltsam, weil ich bei Trance an eine Art Versteinerung, Stillstand, denke, während „lahme“ eine Bewegung beschreibt. Für mich beißt sich das irgendwie. Man könnte höchstens lahm in Trance verfallen, also langsam. Aber auch das hielte ich für eine etwas ungelenke Formulierung.

Ich frage mich, wer „der Rest“ ist? Der Rest an Würde? Wie dem auch sei, dieser Mensch verhält sich nicht gemäß seiner inneren Stimme, er ignoriert sie, bricht nicht aus diesem steifen Gebaren aus, um den Arbeitskollegen Paroli zu bieten oder seine Meinung kundzutun, auch wenn er innerlich vibriert. Hier unten angekommen, würde ich dazu tendieren, dass in der Eingangszeile ausgesagt werden soll, dass Verstellung zum Verlust der Würde führt, denn man muss schon um ihren Erhalt kämpfen und seine Ansichten äußern, wenn man anerkannt werden oder vor sich selbst bestehen will.

Gruß, Maya
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#3

Ein Verlust

in Diverse 15.06.2008 15:42
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hi Maya,

danke Dir wiedermal für Deinen guten Kommentar zu dem Text, in dem Du ganz ugt Ordnung und einen roten Faden durch das Dargestellte legst.
Interessant finde übrigens auch den Bezug zu den Arbeitskollegen, weil mir sowas durchaus dabei auch durch den Kopf ging, ich aber nicht gedacht hätte, das man so etwas darin wieder findet.
Wichtig war mir, ein lyrisches Ich zu zeichnen, das in einer an sich unsicheren Konstruktion aus äußeren Masken, Grundsätzen halt sucht, die wahrhafte Stabilität aus sich heraus, den längeren und Geduld erfordernden Weg jedoch ignoriert. Der Kontext, Kollegen etc., ist dabei relativ beliebig, denke ich.
Die Würde ist in dem Ganzen natürlich ein vom lyrI durchaus gefühltes, aber im Grunde auch nicht unbedingt aus ihm entsprungenes und anerlerntes Konstrukt, wobei nch Meinung des Dichters, also mir, eine gewisse Würdelosigkeit schon in dem selbstauferlegten und durchsichtigen Gesamtkonstrukt um das lyrI liegt.

Viele Grüße,
GW


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