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#1

Kollateralschäden

in Gesellschaft 15.04.2008 21:19
von Feo | 134 Beiträge | 134 Punkte
Kollateralschaden



Sein Lächeln haust in Kerben nah am Mund,
scheint vor den Augen auszuschleichen
und seinen Blick kaum jemals zu erweichen.

Die Dinge laufen, wie sie sollen und
trotzdem sind seine Lider rot und wund.
Mit Worten kann er fast zu viel erreichen.

Erreichen, oder nennt sich das Verkaufen?
Statt dem, was früher echt gewesen ist,
verkauft er sich, Effeff und List.

Gibt es noch einen bessren Grund zum Saufen?
Er fühlt sich nicht und bleibt Illusionist,
verscheuert den zu Kunst erklärten Mist,

um sich im Suff die Haare auszuraufen.
Das leichte Spiel hat sich ins Ziel verlaufen.

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#2

Kollateralschäden

in Gesellschaft 23.04.2008 21:57
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hi Feo,

ja, die Probleme hätte ich gerne.
Ich lese hier die Schattenseiten des erfolgreichen Künstlerdaseins beleuchtet. Ein Schriftsteller, der das Lächeln verlernt hat. Er hat den Punkt erreicht, wo er Erfolg hat, er sein Handwerk beherrscht und seine Werke sich wie geschnitten Brot verkaufen. Doch fehlt mittlerweile das Herzblut. Selbst in der Kunst ist hier der Trott eingekehrt. Ihm gefällt nicht mehr, was er schafft. Er ist vielleicht zu etwas geworden, was er nie werden wollte. Erfolgreich, aber nicht gut.

Was mich sehr verwirrt ist die erste Strophe mit den Augen und dem Blick des Lächelns. Eigentlich blicken ja Augen, aber der Blick bezieht sich aufs Lächeln, denn das Lächeln hat wahrscheinlich auch welche, zumindest besitzt es Lider.
Bzw. nein, hier ist von den Lidern des Schriftstellers die Rede. Eigentlich geht's hier dreimal um Augen. Einmal werden die Augen quasi personifiziert, da das Lächeln vor den Augen davon schleicht. Dann hat das Lächeln einen Blick. Ah, nein, jetzt kapier ich's. Das "seinen Blick" bezieht sich ebenfalls auf den Schriftsteller.
Da muss ich aber sagen, dass ich den Irrtum, dass sich das "seinen" auf das Lächeln zu Beginn bezieht fast angelegt, rein grammatikalisch. Bei der Variante

Das Lächeln haust in Kerben nah an seinem Mund,
scheint vor den Augen auszuschleichen
und seinen Blick kaum jemals zu erweichen.

würde das nicht passieren. Und ide tät auch trotz der zusätlichen Hebung, die übrigens im zweiten Vers fehlt, nicht weh.

Der Titel vetrüge einen Singular. Ansonsten schön beschrieben. Gefällt mir.

Grüße,
GerateWohl

_____________________________________
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#3

Kollateralschäden

in Gesellschaft 24.04.2008 07:31
von bipontina | 609 Beiträge | 609 Punkte
Guten Morgen, Feo!

Ich sehe einen bestimmten Künstler vor mir, der sich inzwischen zu seinen Vätern versammelt hat und den Du wahrscheinlich nicht gemeint hast - aber Deine Strophen treffen auf so viele zu.
Ich schließe mich Geratewohl an, möchte aber noch eine dritte Variante der zitierten Zeile präsentieren:

Das Lächeln haust in Kerben nah an seinem Mund,
scheint vor den Augen wegzuschleichen
und seinen Blick kaum jemals zu erreihen.

Das "Ausschleichen" kenn ich nur von der Pharmakologie. Und es ist eine beliebte Redewendung, ein Lächeln nicht in die Augen steigen oder die Augen nicht erreichen zu lassen.

Unter Kollateralschäden stelle ich mir zwar etwas andres vor, aber das tut der Qualität Deines Gedichtes keinen Abbruch.

In diesem Sinne
lieben Gruß
von
bipontina
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#4

Kollateralschäden

in Gesellschaft 24.04.2008 18:22
von Feo | 134 Beiträge | 134 Punkte
Hallo GerateWohl, hallo Bipontina!

Vielen Dank für eure freundlichen Kommentare, Lob und Kritik.

Deine Anregungen, GerateWohl, konnte ich sehr gut nachvollziehen und habe daher den Titel und V1 geändert, den ersten Vers zwar nicht so ganz nach deinem Vorschlag, da mir die beiden zusätzlichen Silben durch das "seinen" nicht wirklich behagten, aber ich glaube, die Lösung, die ich gefunden habe behebt da Problem ebenfalls.

V2 hatte ich zur Unterstreichung des "Ausschleichens" der 5. Hebung beraubt, um das irritierende Erlöschen des Lächelns vor dem Erreichen der Augen noch einmal zu verbildlichen, ich glaube, das passt schon so, wie es jetzt ist. Dir noch einmal herzlichen Dank für deine konstruktiven Vorschläge.

Auch dir, Bipontina, möchte ich herzlich für deine Auseinandersetzung mit meinem Text und deine wohlwollende Meinung danken.
Deinem Vorschlag kann ich allerdings nicht folgen, denn den von dir präferierten Reim habe ich bereits in V6 verwendet und das Ausschleichen des Lächelns ohne das dieses den (impliziert) harten (mit sich selbst ungnädigen) Blick erweichen könnte halte ich eigentlich für ein in sich stimmiges Bild.

LG, Feo
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