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#1

Du bist

in Gesellschaft 24.02.2008 04:11
von Hgn (gelöscht)
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Dir ist es doch egal
ob man dich wählt
oder nicht.
Dass du aufgestellt bist,
auch wenn es nur gestellt ist,
das ist was zählt.

Hier oder dort,
schwarz oder weiß.
"Mir ist es egal."
Hauptsache du bist
irgendwo.

Nur nicht Nichts
für andere sein.
Was du bist
ist dir doch egal.
Hauptsache du bist.
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#2

Du bist

in Gesellschaft 06.04.2008 10:26
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Lieber Hgn,

Du sprichst hier ein zutiefst menschliches Bedürfnis an: Nicht nur jemand zu sein, sondern tatsächlich einfach nur zu sein. Nicht nur das, sondern auch beinahe etwas konstruktivistisch mutet es an. Der Mensch ist nur, wenn er auch als Seiendes wahrgenommen wird. Ich kann nur Mensch sein, wenn man mich sieht, wenn man hört, was ich sage, wenn ich in Kommunikation trete. Ich allein bin nicht existent. Radikaler Konstruktivismus sagt doch etwas ähnliches, wenn ich mich recht erinnere: Ich kann mich nicht verorten, wenn ich niemanden habe, zu dem ich Brücken bauen kann. Nichts existiert, wenn ich nicht ein Gegenüber habe, der mir die Existenz einer Sache bestätigt. So auch meine eigene Existenz.
Das zum einen. Gleichzeitig wird aber auch Kritik in deinen Zeilen laut: Auf den Einzelnen gemünzt, ist hier ein Mensch gezeichnet, der sich so sehr verloren hat, dass er dem Opportunismus huldigt; Wo auch immer er steht ist ihm schon gleich, er giert so verzweifelt nach dem Wahrgenommen werden, dass er alles nimmt, um zu zeigen: Hier bin ich, ich existiere, merkt das doch endlich!
Eine großartige Problematik und eine Wichtige: Wer wir auch immer sind, was wir auch immer tun, was wir doch alle wollen ist, nicht allein zu sein, den Beweiß erhalten, existent zu sein.
Allein kann der Mensch nicht. Traurig, wenn die Gesellschaft uns dazu bringt, schon so verzeifelt danach zu gieren, dass wir uns nicht mehr entscheiden können, wo wir uns aufstellen möchten.
Ein gutes Gedicht und sprachlich angenehm und so gewandt simpel auf den Punkt gebracht, dass es einen schaudern lässt!

Gruß
R.

And therefore, since I cannot prove a lover,
To entertain these fair well-spoken days,
I am determined to prove a villain
And hate the idle pleasures of these days.
(William Shakespeare, King Richard III)


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