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#1

Prinzen

in Liebe und Leidenschaft 06.04.2008 12:55
von Michael Lüttke | 190 Beiträge | 190 Punkte
Prinzen


Gabi gehörte zu der Art von Frauen,
die sich selber ernst nahmen.
Sie erfand die Zeit neu
und fickte wie eine gebrauchte Standuhr.
Man musste sie ständig aufziehen
und manchmal funktionierte sie
trotzdem nicht.

Irgendwann stand sie mit
irgendeinem Typen in unserem Wohnzimmer.

"Mike, das ist Jim aus Nigeria.
Jim, that's Mike."


Vor mir stand ein zwei Meter großer,
muskelbepackter Mann,
gab mir seine riesige schwarze Hand
und sah mich mit seinen gelblich schimmerden Augen an.

"Hey Mike,
i've heard a lot from you.
Nice to meet you."


Ich antwortete ihm nicht,
drehte mich um und schaltete
den Fernseher an.
Ich wusste wie solche Sachen liefen.
Und ich hatte meistens Recht.

Danach wohnte Jim bei uns,
Seine Funktion konnte ich nicht zuordnen.
Er stieg nicht mit ihr ins Bett,
er beteiligte sich an nichts.

Er sah kein Fernsehen,
er aß nichts,
er atmete nicht.
Oder nur so, dass ich es nicht erkennen konnte.
Jedenfalls war er da.

Gabi zog nach drei Monaten aus.
Sie meinte, irgendwie hätten wir uns
auseinander gelebt und sie hätte da
so einen netten jungen Mann
kennen gelernt.
Er wäre wirklich der Richtige für sie,
hätte einen tollen Job
und nächstes Jahr würde er sie mitnehmen
auf eine Rundreise durch die USA.

Jim ließ sie mir als Andenken zurück.
Ich stellte ihn auf den Balkon,
neben die leeren Cola Flaschen
und die verwelkten Geranien
vom letzten Sommer.

"Hi Mike, that's great."

Ich schloß die Balkontüre
und setzte mich auf Sofa.
Die Dinge werden sich entwickeln,
wie sie es müssen.
Ich habe keinen Einfluss darauf.
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#2

Prinzen

in Liebe und Leidenschaft 07.04.2008 16:35
von Feo | 134 Beiträge | 134 Punkte
Das soll wohl ein Prosagedicht sein.
Mir erscheint es, als hätte da jemand zu viel Bukowski gelesen und wäre von dem Trip noch nicht wieder ganz runter - aber das ist natürlich nur mein persönliches Geschmacksurteil. Sollte sich ein tieferer Sinn oder eine zweite Ebene zwischen den Zeilen verstecken, so machen beide ihre Sache gut, ich kann sie nicht finden, genau so wenig, wie den Grund, warum dieser Text in Verse und Strophen aufgeteilt ist, wo er doch in der Prosaecke offensichtlich besser aufgehoben wäre. Wer weiß, vielleicht findet sich dort ja noch ein Bukowski-Fan, mit dem der Protagonist reviveln oder Jims tauschen könnte.

LG, Feo
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#3

Prinzen

in Liebe und Leidenschaft 12.04.2008 20:52
von Brustmine (gelöscht)
avatar
ich find das gedicht voll gut... vor allem wenn du schreibst "und fickte wie eine gebrauchte Standuhr.
Man musste sie ständig aufziehen "
das gefällt mir...
greeetz
das minchen
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