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#1

Abstieg

in Philosophisches und Grübeleien 18.09.2007 10:45
von Primel | 107 Beiträge | 107 Punkte
Wenn sich das Schöne verliert in der Macht der Erregung,
kehrt aus Vergessenheit bald Gewalt und Gemeines zurück.
Doch deren Nacktheit enthüllt nicht Beglückung noch Zauber,
endet in Ekel und Trauer, was einstmals jubelnd begrüßt.

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#2

Abstieg

in Philosophisches und Grübeleien 19.09.2007 16:00
von Maya (gelöscht)
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Hi Primel,

ich weiß mit diesen beiden Sätzen nicht viel anzufangen, erheben sie denn den Anspruch darauf, ein Gedicht sein zu wollen? Wenn ich mal nach den Schlagworten gehe, die im Text auftauchen (u.a. Macht der Erregung, Gewalt, Nacktheit, Beglückung, Ekel), muss ich an eine Vergewaltigung denken. Oder geht es nur um die Erregung, die manche Leute bei der Ausübung von Macht empfinden? Um eine gescheiterte Beziehung, die romantisch begann und letztlich in Hass umschlug? Mir ist das alles zu unkonkret.

Wenn sich das Schöne verliert in der Macht der Erregung,
kehrt aus Vergessenheit bald Gewalt und Gemeines zurück.


"Verliert" würde ich ans Ende der Zeile setzen und "kehrt" müsste m.E. im Plural stehen, denn Gewalt und Gemeines kehren ja aus der Vergessenheit zurück, oder nicht?

Gruß, Maya
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#3

Abstieg

in Philosophisches und Grübeleien 01.10.2007 13:21
von Primel | 107 Beiträge | 107 Punkte
Maya,

Warst du in schlechter Laune, bist du es noch? Ich müsste mich also dafür entschuldigen, dass ich dir mit einem stilistisch archaisierenden Text (ich verwende für meine Texte kaum je das Wort Gedicht) vor die Augen trat? Da ich aber nicht schreiben will

A trifft B -
B findet A interessant –
A findet B verlockend –
A schmachtet B an -
B steigt eine Wallung in den Schädel –
A schnuppert und missdeutet Erregung –
gegenseitige Unterwäscheentfernung –
Gehopse und Leiberreibung -
post coitum omne animal triste -


versuchte ich etwas zurückhaltender zu sein. So können diese Zeilen auch auf den politischen Phantasten, den Volksverführer angewendet werden, wo sie genauso richtig oder falsch sind.
Das „verliert“ kann übrigens durchaus vor einer Zäsur gesehen werden.

Mit dem „kehrt“ hast du grammatikalisch Recht, und ich werde vielleicht eine derartige Änderung vornehmen.

Mit bedauernden Grüßen. Primel

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#4

Abstieg

in Philosophisches und Grübeleien 01.10.2007 17:18
von Maya (gelöscht)
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Nein, ich hatte keine schlechte Laune - bis eben. Nun war ich schon so gütig, dir ein Feedback mitzuteilen und auf den Grammatikfehler hinzuweisen und du hältst es nicht mal für angebracht, mich angemessen zu begrüßen oder zu verabschieden, sondern unterstellst mir aufgrund meiner Textkritik gleich schlechte Laune! Den Fehler belässt du im Text, anstatt ihn zu beseitigen, obwohl du ihn als solchen erkannt hast. Wie klein kann ein Hirn sein, frage ich mich da?!
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#5

Abstieg

in Philosophisches und Grübeleien 02.10.2007 00:01
von Primel | 107 Beiträge | 107 Punkte

Maya,

Du kommst mit einem Heuwagen voll Herabsetzungen und Spott und bezeichnest dich dann noch als gütig? Ich habe also mit Sätzen, mit denen du nichts anfangen kannst, den Anspruch erhoben, ein Gedicht geschaffen zu haben? Ich verwende Schlagworte, was ja wohl in einem Schmierenblatt üblich sein dürfte! Dafür bin ich unkonkret und habe wohl ein so kleines Hirn, dass ich das, was du als deine Widmung cyrillisch geschrieben hast, nicht lesen können darf.

So bitte ich dich nochmals um Verzeihung für meine Frechheit, an einen so erhabenen Geist mit unwürdigen, unkonkreten Sätzen gerührt zu haben.

Wünsche dir eine aufregende Nacht mit konkreten Begegnungen.

Primel

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#6

Abstieg

in Philosophisches und Grübeleien 02.10.2007 11:55
von roux (gelöscht)
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Hallo Primel,


Wenn sich das Schöne verliert in der Macht der Erregung,
X x x Xx xX xx X x xXx

Hier klingt es auch für mich eindeutig nach Gewalt, nach dem Punkt, an dem etwas Schönes oder ein Spiel in Ernst umschlägt, um es einmal verharmlost auszudrücken, der Augenblick, an dem Kitzeln nicht mehr witzig ist, sondern anfängt schmerzhaft zu werden, zu quälen.
Die Satzstellung wirkt etwas verdreht und somit gestelzt, der Metrik geopfert.

kehrt aus Vergessenheit bald Gewalt und Gemeines zurück.
X x xXxxX x xX x xXx xX

Der schöne Augenblick ist vorbei, vergessen, Hinterhalt, Gewalt, Notwehr, Angst und vielleicht Rache schlagen durch. Bis hierhin zumindest metrisch eine schöne klare Linie.

Doch deren Nacktheit enthüllt nicht Beglückung noch Zauber,
-x Xx Xx xX x xXx x Xx

Natürlich enthüllen (Plural!) nackte Gewalt und Gemeines nicht unbedingt zauberhafte Beglückung (kann man in dem Kontext durchaus sexuell thematisiert betrachten, ruft durchaus Vergewaltigungsassoziationen hervor)

endet in Ekel und Trauer, was einstmals jubelnd begrüßt.
Xx x Xx x Xx x Xx Xx xX

Hier fehlt der Satzzusammenhang. Der letzte Vers bezieht sich, so, wie er da steht, inhaltlich eigentlich auf die wenig beglückende, unzauberhafte Nacktheit. Endet jene in Ekel und Trauer oder wer oder was wurde da im letzten Halbsatz einstmals jubelnd begrüßt?

LG, roux
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#7

Abstieg

in Philosophisches und Grübeleien 02.10.2007 16:37
von Primel | 107 Beiträge | 107 Punkte
Danke, Roux


für deine Beschäftigung mit meinem Text, dem man, wie es scheint, allerhand unterschieben kann, und, von der geistigen Kapazität und der Phantasie des schöpferisch Lesenden abhängig, ihm einen Gehalt verleihen kann, der vielleicht über die Intentionen des primären Generators hinausgeht, denn

Alles Hohe, alles Tiefe,
in vier Zeilen einzufangen
die Geheimnisse der Welt!
wer kann dies von wem verlangen?
Wichtig nur, dass es gefällt.


Und ob es das tut, bleibt dem Urteil des Lesers überlassen. Ich meine, dass wir eine rhythmische Aussage auch heute noch, in einer eher destruktiv eingestellten Welt, leichter und angenehmer in uns aufnehmen, als so manche zotige Sprachholzerei!

Ich finde den ersten Satz weder verdreht noch gestelzt, also dürftest du dies auf den zweiten gemünzt haben, den ich nach deinen Wünschen z.B. so umschreiben könnte

kehren Gewalt und Gemeines aus dem Vergessen zurück.

Dies wäre eine genaue metrische Entsprechung, also XxxXxxXxXxxXxxX (und nicht X x xXxxX x xX x xXx xX, wie du irrtümlich skandiertest).

Den dritten Satz sehe ich rhythmisch als XxxXxxXxxXxxXx (oder auch XxxXxxXXxXxxXx). Zur Verbildlichung könntest du die heute so häufige Filmszene heranziehen, in der ein verführerischer Schmachtender nach dem zarten Kuss sich das Hemd vom muskelverzierten Torso reißst und die Bewegungen einer Akzeleration unterliegen. Während noch vor einigen Jahren hier abgeblendet wurde, fügt man jetzt meist noch ein Kunterbunt von Schenkel-,Hüft-, Brust– und anderen Bildern ein, das nach der romantischen Begegnungszene nun durch stöhnende, keuchende Tonsequenzen das Tierisch-Brutale des Vorgangs dem abgestumpften Betrachter nahe bringt.

In der letzten Zeile wollte ich auf den Anfang zurückweisen, das sich Öffnen für das Schöne, das sich verlor, vielleicht sogar oder gerade in der Erfüllung – aber das wäre ein Anderes!

Noch ein kleines Plätzchen-Weisheitspralinchen

Wenn die weisen Philosophen
manchmal im Gedicht sich suchen,
Misserfolge meist nur buchen
die gereimten Katastrophen.


Liebe Grüße. Primel

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#8

Abstieg

in Philosophisches und Grübeleien 02.10.2007 19:33
von Maya (gelöscht)
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Zitat:

Du kommst mit einem Heuwagen voll Herabsetzungen und Spott und bezeichnest dich dann noch als gütig?



Weißt du, was Sarkasmus ist? Gut.


Zitat:

Ich habe also mit Sätzen, mit denen du nichts anfangen kannst, den Anspruch erhoben, ein Gedicht geschaffen zu haben?



Das war lediglich eine von mir in den Raum geworfene Frage, mehr nicht.


Zitat:

Ich verwende Schlagworte, was ja wohl in einem Schmierenblatt üblich sein dürfte!



Den Begriff "Schlagwort" habe ich nicht so negativ ausgelegt, wie du es hier tust. Ich bezog mich darauf, dass du auf sehr prägnante Worte zurückgegriffen hast, ohne sie in einen konkreten Sachverhalt einzubetten. Dadurch wirkte der Text sehr plakativ auf mich, ja.


Zitat:

Dafür bin ich unkonkret und habe wohl ein so kleines Hirn, dass ich das, was du als deine Widmung cyrillisch geschrieben hast, nicht lesen können darf.



In meiner Signatur steht eigentlich nur, dass du dumm bist. Warte, ich übersetze sie dir Wort für Wort:

Wenn du das
lesen kannst,
bist du kein
dummer Wessi!


Grüßli, Maya
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#9

Abstieg

in Philosophisches und Grübeleien 02.10.2007 19:38
von roux (gelöscht)
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Du hast Recht, Primel, in der zweiten Zeile habe ich mich verixt, was allerdings nur zeigt, dass die Verse einander metrisch noch weniger entsprechen, als ich beim ersten, flüchtigen Ixen angenommen hatte. Es entsprechen sich somit nur zweiter und vierter Vers, der dritte weist gar einen Jambus auf, denn "deren" wird auf der ersten Silbe betont, ebenso, wie "Nacktheit", schlag einfach mal nach.

Beste Grüße,
roux
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#10

Abstieg

in Philosophisches und Grübeleien 02.10.2007 23:45
von Primel | 107 Beiträge | 107 Punkte
An Roux,

um dir die Mühe des Icksens abzunehmen, hier eine andere Betonungsanzeige. Übrigens habe ich nicht auf die Daktylen hingewiesen oder von Penta-, Hexa- und anderen Metern geredet, doch wundert es mich, wenn du sagst, ein Vers weise gar einen Jambus auf, als ob das etwas Schlimmes wäre!


Wenn sich das Schöne verliert in der Macht der Erregung,
kehrt aus Vergessenheit bald Gewalt und Gemeines zurück.
Doch deren Nacktheit enthüllt nicht Beglückung noch Zauber,
endet in Ekel und Trauer, was einstmals jubelnd begrüßt.


An Maya,

an dem Wessi knobelte ich herum, da ich nachdachte, wo dieser Druckfehler herkommen könnte. Warum aber sagst du mit deiner "Übersetzung" das Gegenteil dessen aus, was du geschrieben hast?


Da ich derzeit an einer schlimmen Bronchitis leide, muss ich abbrechen, um im Bett weiterzuhusten! Mögen Eure Nächte leichter sein!


Primel

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