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#1

Märchen und Sagen

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 13.07.2007 00:40
von bipontina (gelöscht)
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Philemon und Baucis in der Schweiz


Alt waren sie, die beiden vom Gröner-Hof.
Beide hatten gehofft, es möge eine Erbe nachkommen. Vergeblich.
Sie halfen sich beim Tagwerk, eins wie das andre. Hilfe gab nur ein Ochse im halbgefüllten Joch.
Sie saßen oft des abends im gemeinsamen Schweigen beisammen. Eins den Kopf an die Schulter des Andern gelehnt. Draußen auf der Bank, wenn das Wetter es gut meinte, drinnen, wenn es draußen zu arg war.
Sie hatten nicht viel, brauchten nicht viel. Gaben gern

Drei Burschen auf Suche nach Arbeit kamen. Auch für sie gab es ein
Nachtmahl, ein Nachtlager und einenTrunk - aber keine Arbeit, der Lohn
war zu karg.
Schritten am nächsten Morgen weiter, die Drei, fröhlich die Hüte schwenkend und ein "vergelts Gott!" auf den singenden Lippen.

Der Alte ging aus Feld, mit dem Ochsen eine Spanne zu pflügen.
Er stürzte, kam nicht mehr hoch. Der Ochse, des Zügels ledig, schaute
dumpf.

Lang hat sie gewartet. Hörte nicht des Alten Schritt. Wartete vergebens auf des Ochsen Trott.

Ging zeufzend zum Herd und zog den Topf beiseite.Sprach in bangem Ahnen in die Glut ein "In Aeternam", wie sie es vom Kirchgang kannte.

Stieg hoch. Langsam: den Schritt zu setzen und den Rock zu raffen, das kostete Kraft.

Sie hat ihn gefunden und ihre letzten Tränen in ihn hineingeweint.

So hat man sie entdeckt: die Arme des einen um den Andern gefaltet,
gleich Fittichen, ineinandergeschmiegt.

Wo sie starben, stehen zwei Krüppelkiefern.

Der Hof ist verfallen.



aem 1999
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#2

Märchen und Sagen

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 13.07.2007 00:57
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
- verschoben -

BG,
AB.

http://arnoboldt.wordpress.com/
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#3

Märchen und Sagen

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 17.07.2007 17:36
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte
Finde ich gut Deine Miniatur und stimmig geschrieben bis auf ein paar Hacks. So gefällt mir z.B. das Eins den Kopf an die Schulter des Andern gelehnt. nicht. Da hat es mich aus dem Lesefluss gespült. Das kurz zuvor schon gebrauchte Eins gefällt mir in seiner Dinglichkeit nicht und schon gar nicht in Wiederholung. Ob die Inversionen, mit dem du m.E. Deinem Text Patina und Fremdheit zu verleihen versuchst sich allgemeiner Beliebtheit erfreut, wage ich zu bezweifeln. ( z.B. hier: „Schritten am nächsten Morgen weiter, die Drei...“),

Du machst nicht den Fehler dieses Stück aufzubauschen und begnügst Dich mit ein paar Strichen. Das alte Paar, der Hof, die Stimmung, der Gegensatz zu den virilen Knaben und schließlich das traurige Ende mit dem Bild der im Tod eng umschlungenen Alten deren Schattenriss sich in einer Krüppelkiefer wiederfindet, die waren mir gleich eingängig.

Obwohl selbst unmusikalisch, würde ich es begrüßen, wenn Du diesen kleinen Text so überarbeitest, dass er sich durchweg rhythmischer lesen ließe beziehungsweise eine Ballade daraus zu basteln. Kleinigkeit, oder .

PS: Wenn es an Rhythmus nicht mangelt, kannst Du mal sehen, wie unmusikalisch ich bin.
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