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#1

Standpunkt

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 12.05.2007 15:22
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte
STANDPUNKT

I.

Ich war damit beschäftigt, meinen Weg nach Hause zu finden, als es passierte. Für die meisten Menschen ist es leicht, den Weg nach Hause zu finden. Das machen die fast jeden Tag. Mehrmals. Ohne nachzudenken. Ich kann das auch. Aber nur wenn ich nüchtern bin. In dieser Nacht hatte ich furchtbar einen im Strumpf.

Die Zweite Herren hatte es endlich geschafft, in die Landesliga aufzusteigen. Sensationell. Nächstes Jahr würde es zwar nur auf die Fresse geben, aber egal. Wir hatten nach sechs Jahren den Aufstieg gepackt . Und nach dem achten Bier, hatte ich aufgehört zu zählen und der Wirtin vom Sportlerheim nur noch Lieder gesungen. Nicht um mit ihr in die Falle zu gehen. Bewahre. Nein, sie sollte uns eine Runde spendieren. Eine Runde nach der anderen.
Hat sie aber nicht gemacht. Mini meinte zwar später sie hätte, aber mein Portemonnaie war blitze blank ausgeräubert. Das war auch der Grund warum ich nach Hause gehen musste. Keine Asche mehr für eine Droschke gehabt. Dafür gluckerte ein goldener Schatz in meinem Magen und ein ums andere mal fürchtete ich um meine Fracht. Ich weiß auch nicht warum ich nicht gekotzt habe. Wahr-scheinlich wäre es dann nicht passiert.
So torkelte ich um eine Ecke, wähnte mich vor dem Fachhochschulkomplex, wollte mit einem scheelen Blick nach oben mir Gewissheit verschaffen und prallte aber voll mit meinem Kopf an den härtesten Schädel den ich bis dahin getroffen hatte. Fuck, entfuhr es mir wieder und wieder, hüpfte auf einem Bein, hielt mir die Omme und war schlagartig nüchtern.

-Kannst Du nicht aufpassen, du Ochse?, fuhr ich den Kerl schließlich an.
Der Ochse stand einfach da. Die Hände hatte er hinter seinem Rücken verschränkt. Er stand ordentlich angezogen vor dem Haupteingang der Schule und blickte in die Richtung aus der ich gekommen war. Er lächelte sogar.

-Hey, ich rede mit Dir. Geht’s noch? Hallo? Erde an Kopfnuss?
Ich hätte ihn natürlich voller Verachtung stehen lassen können, aber mein Stolz und ein klein wenig auch mein Alkoholpegel verboten mir weiterzugehen. Stattdessen empfahlen sie mir meine Würde wiederherzustellen und eine Entschuldigung einzufordern. Also pflanzte ich mich direkt vor ihm auf.
Wir waren ungefähr gleich groß. Gut mir fehlten vielleicht fünf Zentimeter. Maximal Zehn. Ich ging wieder einen Schritt zurück um seine Augen besser fixieren zu können. Der Spacken hatte ein scheißzufriedenes Vollmondgesicht und grinste die ganze Zeit und schaute irgendwie durch mich hindurch.

-OK Hackfresse, du entschuldigst dich jetzt bei mir, oder wir kriegen Ärger.
Wie der Ärger aussehen sollte, war mir nicht klar, aber ich ging davon aus, dass ich diesen Schnösel beeindrucken könnte. So beeindrucken, dass er sich vor mir in den Staub werfen und sein Grinsen wie einen Schwanz einkneifen und sich verpissen würde.
-Na, was ist, jetzt!?
Mutig packte ich ihn am Revers seines Mantels.

-Lass den Mann los, Freundchen! Aber schnell. Aber ganz schnell
Scheiße...
-Was ist hier los? Hat der Mann da sie grad angefasst? War das so?
...zwei Bullen. Toto und Harry auf Streife. Na super. Es ist nun mal so, dass ich keine anderen Polizisten außer die Zwei mit Namen kennen. Darum sind zwei Polizisten bei mir nun mal Toto und Harry wie die aus dem Fernsehen.

-Wieso ich ihm? Er mir! Herr Wachtmeister sehen
Weiter kam ich nicht. Der eine Polizist, Harry, befahl mir den Mund zu halten. Ich sei noch nicht dran und dann bemerkte er noch dass ich ja mächtig einen gebechert hätte. Toto bekam aber langsam Probleme mit der Grinsbacke.

-Können – sie – mich verstehen ? Nein ? Sie – sprechen - Deutsch ? Du Harry, der versteht mich nicht, der ist irgendwie komisch.
-Ja, ich merk das schon. Seltsam.
-Der hat nicht mehr alle Latten am Zaun, das hat der., brubbelte ich mir in meinen nicht vorhandenen Bart.
-Sie sind still. Sag mal Harry, kann das sein, dass unser Freund hier irgendwie einen Angstschock bei dem Herrn ausgelöst hat?
-Das ist eine gute Idee. Hör mal her.
Und schwups steckten sie ihre Köpfe zusammen und tuschelten und blickten immer mal wieder zu mir.
-Hört mal Jungs: ich habe echt nichts gemacht. Gar nichts. Ich habe die Beule! Den Steifen da könnt ihr mir nicht in die Schuhe schieben.
-Vorsichtig. Erst mal sind wir nicht ihre Jungs. Dann wird hier auch keinem was in die Schuhe geschoben. Und zuletzt entscheiden wir, wer hier was gemacht hat. Klar?
Harry war mächtig sauer und haute dann noch raus:
-Haben sie einen Führerschein?,
-Bitte?
-Ob sie einen haben, will ich wissen. Also?
-Ja.
-Dann seien sie mal ganz vorsichtig, wenn wir herausfinden, dass der Mann wegen ihnen diesen Schock erlitten hat, dann verlieren sie ganz sicher ihre Fahrerlaubnis. Dafür sorg ich dann persönlich.
-Sehen sie mich hier irgendwie fahren? Ich bin zu Fu- uß. Ich habe überhaupt kein Auto.
-Darum können sie trotzdem ihren Führerschein verlieren.
-Lass mal, Toto mischte sich jetzt wieder ein, -ich hab mir mal erlaubt, in den Mantel zu fassen. Der Mann ist Professor, hier von der Fachhochschule.
-Der hat einen Schock. Der Typ da, hat den Proff fertiggemacht.
-Vielleicht hast Du recht. Aber ruf mal lieber einen Notarzt. So kann er schlecht stehen bleiben.
-Wird gemacht.
-Ich gehe derweil mit Freund Beule in den Wagen und nehm ihn ins Gebet.
-Das habe ich gehört., protestierte ich ob der abfälligen Bezeichnung.
-Fein, dann muss ich ja nichts mehr erklären., bemerkte der rundliche Toto und schob mich fordernd in die grüne Minna ab.

Toto hatte Phantasie. Das muss ich ihm lassen. Dolle Szenarien entwarf er beim Verhör im Wagen wie ich den Professor versteinert haben könnte: ich hätte gebrüllt wie ein Tier und ihn durchgeschüttelt und dieser hochintelligente und sensible Mann sei so in eine Wachstarre gefallen.
Aber ich war besoffen und hatte schon Mühe zu behalten was wirklich passiert war und so wiederholte ich bis der Arzt kam, wie es sich zugetragen hatte: ich um die Ecke und dann voll an seinen Kopf, beziehungsweise Kinn. Während ich zum wievielten Male dieses wiederholte, schob Harry die Seitentür der Minna auf. Harry war bleich.
-Komm mal schnell.
-Sie bleiben hier.

Toto sprang aus dem Wagen und folgte seinem Kollegen. Die Tür ließ er offen. Die Sache begann seltsam zu werden. Ich sah, wie das Sani Team diskutierte und wie die Bullen diskutierten und wie alle miteinander stritten und mittenmang der Professor. Unverändert starr. Dann sah ich wie Toto zornig versuchte, das linke Bein des Patienten hochzustemmen. Der Notarzt winkte abfällig und wandte sich ab. Dann holte Toto noch mal Harry mit ran. Nun versuchten beide zusammen den Proff in die Waagerechte zu bringen, um ihn auf die Trage zu bekommen. Es war anscheinend nicht möglich. Als Toto Anlauf nahm, um sich frontal gegen den Mann zu schmeißen, und Harry sich hinter den steifen Mann stellte, griff der Arzt wieder ein und hielt Toto zurück.
Es folgten Untersuchungen: Pulsschlag, Herzschlag und Pupillen. Der Ärmel des Mannes wurde hochgeschoben, der Arm abgebunden und Blut entnommen. Als Diagnose gab es aber Achselzucken.
Der Kerl stand immer noch wie eine Eins und ich begann mich zu fragen, ob ich in der geöffneten Wanne eine rauchen dürfte oder nicht und ich fragte mich, ob es strafbar ist, einfach irgendwo stehen zu bleiben und zu lächeln. Von so einem Verbot hatte ich noch nie gehört.

Jedenfalls und allenfalls, bekamen sie den Kerl nicht weg. Stattdessen verzogen sich die Johanniter. Neuer Einsatz. Toto und Harry war das gar nicht recht. Die wurden richtig sauer, dass die abzogen, ohne den steifen Mann im Gepäck zu haben. Als Toto, klein, stämmig und zornig, wieder auf mich zukam, bemühte ich mich nicht zu lachen, sondern verängstigt zu sein.
-Sie fahren mit meinem Kollegen auf die Wache.
Rrrrummms fiel die Tür ins Schloss. Harry stieg vorne ein und Toto blieb am Tatort.


Auf einer Wache aufzuwachen, ist kein Spaß. Zumal wenn man das Gefühl hat der eigene Rachen sei mit Kaninchenfell ausgeschlagen und im Magen sei eine Pumpe, die gegen die Schwerkraft arbeitet. Vor allem fror ich. Ohne Gürtel und mit Schuhen ohne Senkel kam ich mir wie ein kalter Arsch mit Gänsehaut vor.
Ich hatte die Gründe vergessen gehabt, die mich in die Ausnüchterung gebracht hatten und trotzdem hatte ich Glück. Bevor ich mir mein Hirn darüber zermatern konnte, wie, was passiert war, entließ man mich. Ich unterschrieb irgendeinen Wisch, bekam Gürtel und Schnürsenkel wieder und durfte die Wache verlassen.


II.

-Häh? Du hat diesen Kerl versteinert?
-Man, Minni! Nobbse ist gegen Hickersberger gelaufen, als der da schon stand. Er hat ihn sozusagen entdeckt. Verstehste?
-Nee.
Grobi war verzweifelt.
-Lass mal, sagte ich, -Gib mal lecker Bier her. Ist doch wurstegal, wer hier was entdeckt hat. Schaut lieber rüber, die kriegen Proff Hicky einfach nicht weg.
-Wie einen Schluckauf, sinnierte Grobi.
Ich grinste, nahm ihm die Beugelbuddelflasche aus der Hand, öffnete sie mit einem satten Plopp und stieß mit den beiden anderen fröhlich an. Wir lagen bei Sonnenschein unter blauen Himmel auf dem Dach eines Supermarktes. Nicht irgendeines Supermarktes sondern dem der gegenüber der Fachhochschule liegt und von dem wir einen prima Ausblick auf den Auflauf aus Offiziellen, Presse und Passanten hatten, der sich um meine nächtliche Bekanntschaft gebildet hatte und der stetig wuchs.



Grobi und Minni hatten mich mit Alarmklingeln aus meinem Bett geworfen. Ich solle unbedingt herunterkommen. Einfach sensationell sei, was sich zutrüge. Mit Katzenwäsche und Deodorant schaffte ich es in kürzester Zeit zu den Beiden.

-Was nun, Freunde?
-Was ganz unglaubliches, Nobbse!, grinste mich Grobi an.
-Das musst du gesehen haben.
-Was muss ich sehen?, fragte ich Minni.
-Da steht so ein Typ direkt vor dem Markt, wo wir grad bauen, also direkt vor der Schule und der steht da, und dann schnitt ihm das Wort ab:
-und bewegt sich nicht. Ich weiß. Ich kenn den ganz gut.
Beide Freunde klappten ihren Mund auf und zu und dann bestürmten sie mich.

Während wir zu dritt auf Grobis Drahtesel, ich hinten, Grobi auf dem Sattel und Minni auf der Stange, zum Supermarkt radelten, musste ich immer wieder die Geschehnisse der letzen Nacht erzählen.
Leider beugte sich nicht nur Minni auf der Stange hin und her, um noch mal einen Blick auf meine Beule zu werfen, nein, auch Grobi meinte, sich ständig nach mir umdrehen zu müssen. Was zur Folge hatte, dass wir drei auf dem Rad den gesamten Gehweg beanspruchten.

Wie unser Lenker es trotzdem fertig gebracht hatte, keinen Passanten umzunieten, ist mir bis heute schleierhaft. Instinktiv hatte er es immer wieder geschafft, den Lenker herumzureißen. Auf dem Gepäckträger sitzend wurde ich von links nach rechts und wieder zurück geschlenkert, sah viele Gesichter schräg an mir vorüberziehen und mir wurde heftigst schlecht.
Der unvermittelte Aufbruch nach harter Nacht, die frische Luft und der Fahrstil, gaben mir den Rest. Ich weiß noch dass Mini mich irgendetwas gefragt hatte und seinen Oberkörper dauernd vor- und zurückgeschoben hatte, um mich anzusehen. Dann trafen sich unsere Blicke und ich muss wirklich nicht gut ausgesehen haben. Minni verzog so entsetzt das Gesicht, das auch Grobi sich wieder umdrehen musste.

Schlagartig kippte das Rad nach links weg und ich gab es endgültig auf, Reisende aufzuhalten. Es war, als würde mein Magen mit starker Faust zugequetscht werden. An wieder runterschlucken war da sowieso nicht mehr zu denken. Der Rest vom gestrigen Abend schoss durch meine Speiseröhre nach oben, spritzte aus meinem Rachen und klatschte mehreren Passanten vor die Füße.
Grobi schaute nicht mehr zurück sondern trat nur noch in die Pedale. Mir gings nach der Kotzerei aber schon viel besser. Die frische Luft tat endlich gut und ich registrierte wie schön das Wetter war.

Unter blauen Himmel auf dem Dach zu liegen, Bier zu zischen und ungestört den Trouble um Hickersberger zu beobachten und gleichzeitig über Minnis Taschenradio mitzuhören, das gefiel mir richtig gut.


III.

Im Radio gab es auch kein anderes Thema: Hickersberger. Wie die Heuschrecken flogen die Abgesandten der Zeitungen und Sender ein. Grobi hatte erzählt, dass am Morgen ein paar Schaulustige angefangen hätten sich Teile vom Mantel des Proffs abzuschneiden. Dann erst hätte die Polizei ein Absperrgitter aufgestellt.

Die Offiziellen schienen sich mir da unten immer noch zu streiten wie in der Nacht zuvor. Im Radio hieß es, dass der Dekan der Fachhochschule auf die sofortige Entfernung des Professors dränge. Das könne nicht angehen und es sei ein Schlag ins Gesicht. Eine Verhöhnung der Wissenschaft. Hickersberger Verhalten sei unentschuldbar. Auf die Frage wie es Hickersberger möglich sei, einfach so dazustehen und auf keinen Reiz zu reagieren, hatte der Dekan geantwortet, das es ihm vollkommen egal sei, welche Mätzchen sich der Herr Kollege nun wieder ausgedacht habe. Er bestehe auf sofortige Entfernung der Person. Es schien als ob der Herr Dekan schon vorher persönliche Probleme mit dem sogenannten Kollegen hatte.

Natürlich gab es auch andere Stimmen. Unten auf der Straße gab es viele mit Plakaten: Hickersberger muss bleiben, Stehenbleiben!, Es ist kein Verbrechen, Hicky ich will ein Kind von Dir, ecetera. Nicht zuletzt äußerten sich auch die Pfaffen: Es sei zu früh von einem Wunder zu sprechen. Zudem sei der Mann ja konfessionslos. Welches Zeichen manifestiere sich denn hier? Nein, ein Zeichen Gottes wollte diese Fraktion nicht entdecken. Man könne nicht sicher sein ob sich hier nicht jemand einen üblen Scherz erlaube.

Mir war allerdings klar, dass es sich bei dem Knaben da unten um ein gottverdammtes Wunder handelte. Er stand schon über zwölf Stunden steif wie ein Baum da. Ohne zu blinzeln. Im Radio sagten sie, dass alle oberflächlichen Tests ergeben hätten, dass die Körperfunktionen vollkommen in Ordnung seien und es dem Patienten körperlich sehr gut gehe. Etliche Experten meldeten sich dann zu Wort und mutmaßten wie das Phänomen erklärt werden könnte. Blabla.

Ich hatte wegen dem Kerl zwar eine fette Beule und eine beschissene Nacht gehabt, aber mehr und mehr faszinierte mich sein Nichtstun, seine Standfestigkeit. Es war nicht zu übersehen, dass die Totos und Harrys immer nervöser wurden. Immer mehr Uniformierte fanden sich ein und der Verkehr war schon Stunden zuvor umgeleitet worden. Wie groß die Sache geworden war, wurde uns bewusst, als am Himmel mehr und mehr Hubschrauber auftauchten. Der Hype um Hicky stellte die Stadt vor ein Problem und schließlich wurde es ernst:

„Wir bitten Sie ihre Demonstration zu beenden und Ihren Standort zu verlassen. Ansonsten müssen wir sie gewaltsam entfernen.“, diese Ansage kam wie aus dem Nichts.

Mit sie waren aber nicht die Gaffer gemeint sondern er. Er ganz allein. Ein Sprecher verkündete im Radio, dass Hickersberger eine unangemeldete Demonstration veranstalten würde. Da diese Demo nicht genehmigt sei, werde die Polizei in Kürze einschreiten und sie beenden.

Wir drei schauten uns an. Der Volksfest Charakter dieses Happenings war vorüber.
-Jetzt ist es wohl vorbei mit der Show., gab Grobi nachdenklich kund.
-Jep. Bier ist auch alle.
-Wollt ihr euch verpissen?, fragte ich.
-Jep.
-Ich fürchte, die haben uns jetzt auch auf dem Kieker. Grobi war wirklich angespannt. Ich zeigte ihm einen Vogel, aber er zeigte mit dem Finger auf einen kürzlich eingetroffenen Einsatzwagen. Er hatte recht: die hatten uns entdeckt so oft wie die zu uns hochblickten.

-Machts gut Freunde, aber die Nummer ist mir zu heiß., kaum gesagt, war Minni auch schon verschwunden.
-Was ist mit Dir?
-Ich bleibe noch., erwiderte ich trotzig zu Grobi.
-Na dann, man sieht sich.
-Sicher.

Von da an war ich alleine auf dem Dach. Ich wunderte mich, dass die Ordnungshüter mich in Ruhe ließen. So konnte ich noch ihren nächsten Schritt beobachten: Verdunkelung. Sie hüllten den Mann, der ihnen offenbar im Wege stand, weiträumig mit einer undurchsichtigen Plane ein. Buhrufe und Pfiffe gellten über die Straße. Minutenlang. Aber nichts geschah. Die Polizei hielt die Absperrungen aufrecht und machte zunächst keinerlei Anstalten. So verging fast eine Stunde. Dann kam wieder eine Ansage:

„Die Familie Hickersberger bittet sie alle weiterzugehen. Wir bitten sie diesem Wunsch aus Respekt vor der Familie und Herrn Professor Hickersberger nachzukommen. Eine Eskalation wird niemandem helfen und kann zu einer dramatischen Verschlechterung des Gesundheitszustands des Patienten führen.“

Wer es glaubt, dachte ich mir nur. Wo kam die Familie plötzlich her, wieso war der Gesundheitszustand auf einmal wichtig. Es ging ihm doch so gut? Das war mir alles fadenscheinig.

-Wen haben wir denn da?
Och nö. Toto und Harry.
-Guten Abend, die Herren., antwortete ich und grinste beide an.
Toto und Harry sahen sich kurz an. So eine Art Geheimcode.
-Wir verstehen es auch nicht. Keine Ahnung wie er das macht., Toto war richtig freundlich. Anscheinend waren sie auch ins Grübeln gekommen.
-Aber Du musst jetzt hier runter. Sonst gibt es einen Riesenärger. Komm einfach mit runter und geh nach Hause. Harry reichte mir dazu die Hand, um mich hochzuziehen. Ich folgte ihrer Aufforderung und ging wie ein blöder Junge nach Hause. Wieder mal.

Damals, lang, lang ist es her und ich war noch in der ersten Herren, da bin ich auch so nach Hause gegangen. Kurz zuvor hatten sie mich aus der Mannschaft ausgeschlossen. Geh nach Hause, Norbert. Mach jetzt keinen Ärger. Das bringt doch nichts. Lass gut sein. Du änderst doch nichts. All der Scheiß den Spulwürmer und Wirbellose von sich geben. All der Scheiß, den ich mit noch soviel Bier nicht mehr werde herunterspülen können, der sich immer wieder hochzwängt und mich auslacht.

IV.


Und doch verdrängte ich den ganzen Mist von damals und den seltsamen Professor soweit, dass er nur noch selten, wie ein Aufstoßen nach zu fettigem Essen wieder hochkam. Es ging ein Gerücht, dass sie ihn ausgemeißelt und per Lastenhubschrauber weggeflogen hatten.

Ihre Taktik, als sie endlich eine hatten, war jedenfalls aufgegangen: Langweile und moralischer Druck. Die Leute verließen den Schauplatz und suchten die nächste Sau, die durchs Dorf rennen würde. Die, die blieben wurden soweit abgedrängt, dass sie noch nicht mal mehr die Plane sehen konnten oder wurden kurzer Hand in vierundzwanzigstündige Verwahrung genommen. Die Allermeisten gingen wie ich brav ins Bett nach Hause.

Es passierte das Übliche: Verschwörungstheoretiker hielten Hickersberger für ET und wähnten ihn in Area 51. Die knallharten Realisten wussten – woher auch immer – dass Hicky einen Anfall mit lateinischem Namen bekommen hatte – Katasonstwas – aber heute irgendwo im Schwarzwald in Frühpension und glücklich sei. Mit etwas Stolz erfüllte mich das Gerücht, der Professor sei Opfer eines betrunkenen Schlägers geworden und dadurch in eine Angststarre gefallen. Immerhin.

Und dann hatte ich diesen Traum. Ich war früher zu Bett gegangen, weil ich wieder diese widerlichen Schmerzen an der Stirn hatte, wo ich damals an das Kinn gerammelt war. Phantomschmerzen wie mir mal ein Kollege wichtig erklärt hatte.
In dieser Nacht träumte ich von ihm. Aber nicht wie ich damals gegen ihn gerannt war, nein. Ich sah ihn. Ich sah ihn auf einem Müllberg liegen. Steif wie damals. Aber er grinste nicht mehr und der Glanz in seinen Augen war stumpf geworden. Sein Gesicht war ganz nah an meinem und ich fühlte Zorn und Mitleid. Dann entfernte ich mich von ihm wie ein Vogel. Ich sah ihn aus der Luft auf dieser Kippe liegen, ich sah die Landschaft und die Wege und ich flog die Wege zurück bis zu den Fenstern meiner Wohnung und schlug die Augen auf. Ich wusste wo er war und was ich zu tun hatte.

Ich schulterte meinen Rucksack und machte mich auf den Weg.


-Epilog

-Normal war er nie.
-Jep.
-Haben wir noch Bier?
-Jep.
-Warum gibt er ihm die Hand, Minni? Was will er uns damit sagen?
-Keine Ahnung Grobi. Keine Ahnung.

-Kennt ihr zwei den Rechten von den Beiden?
Grobi und Minni fuhren verschreckt zusammen und blickten sich um. Hinter ihnen waren zwei Männer aufgetaucht. Der eine klein und rundlich, der andere groß und hager.
-Jep. Und Ihr?
-Ebenfalls., sagte Toto.
-Habt ihr noch ein Bier?, fragte Harry.


Vor der Fachhochschule standen zwei Personen, die sich die Hand gaben und permanent angrinsten. Es ging ihnen gut und sie schienen ihrem Grinsen nach zu urteilen, auch sehr zufrieden zu sein.
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#2

Standpunkt

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 11.06.2007 19:21
von Maya (gelöscht)
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Hallöli Brot!

Tja, da staunste, wa? Aber es gibt ja keine neuen Gedichte, die ich verreißen könnte, so dass ich gezwungenermaßen hier gelandet bin. Da ich KG’s normalerweise nicht kommentiere und mich auf diesem Gebiet auch nicht eben für kompetent halte, bitte ich dich, den Kommentar mit äußerster Vorsicht zu genießen.

In weiten Teilen greifst du auf Umgangssprache zurück, was mir sehr sympathisch ist, wobei diese zuweilen in gerade noch zu vertretende Fäkalsprache abdriftet. Jedoch fiel mir eingangs gleich die wörtliche Wiederholung von "Weg nach Hause zu finden" auf. Das würde ich umschreiben. Zweite Herren würde ich in Anführungsstriche setzen oder kursiv hervorheben, damit auch ein Leser, der von Fußball keine Ahnung hat, sofort mitbekommt, dass hier kein Vertipper vorliegt, sondern von einer Fußballmannschaft die Rede ist.

Auffallend sind die oft sehr kurz gehaltenen Sätze, die zum Teil wirklich nur aus 1-5 Worten bestehen. Manchmal würde ich mir schon einen etwas komplizierteren Satzbau wünschen, nicht zu arg verschachtelt, aber doch etwas verbundener, damit das Ganze stilistisch etwas harmonischer, zusammenhängender und weniger ruppig wirkt. Witzig, weil gemein, finde ich folgende Stelle: Nicht um mit ihr in die Falle zu gehen. Bewahre. Nein, sie sollte uns eine Runde spendieren. Eine Runde nach der anderen. Aber auch hier musste ich lachen: Dafür gluckerte ein goldener Schatz in meinem Magen und ein ums andere mal fürchtete ich um meine Fracht. Die Befürchtung, sich übergeben zu müssen, kann man fast nicht schöner umschreiben (jedenfalls ich nicht). Und später kommst du ebenso witzig darauf zurück: Schlagartig kippte das Rad nach links weg und ich gab es endgültig auf, Reisende aufzuhalten.

An einigen Stellen stolpert man über fehlerhafte Kommasetzungen und andere Flüchtigkeitsfehler. Dennoch liest sicher der doch ziemlich lange Text weg wie nüscht. Ich habe mich jedenfalls nicht gelangweilt. Super finde ich die aufgebaute Spannungskurve, denn als Leser ist man natürlich schon scharf darauf, zu erfahren, was es mit dem Prof auf sich hat und warum der zu einer Salzsäule erstarrt ist.

So torkelte ich um eine Ecke, wähnte mich vor dem Fachhochschulkomplex, wollte mit einem scheelen Blick nach oben mir Gewissheit verschaffen und prallte aber voll mit meinem Kopf an den härtesten Schädel den ich bis dahin getroffen hatte. Fuck, entfuhr es mir wieder und wieder, hüpfte auf einem Bein, hielt mir die Omme und war schlagartig nüchtern.

Das würde ich wie folgt schreiben: "...wollte mir mit einem scheelen Blick nach oben Gewissheit verschaffen und prallte in diesem Moment mit dem Kopf volle Kanne an den härtesten Schädel, den ich bis dahin getroffen hatte. Fuck, fuck, fuck, entfuhr es mir immer und immer wieder, ich hüpfte vor Schmerz auf einem Bein, hielt mir dabei die Omme und war fast schlagartig nüchtern."

Nun kommt es zum Dialog zwischen dem lyrI und dem Ochsen, wobei ich die wörtliche Rede dann aber tatsächlich auch in Anführungszeichen setzen würde, wie es sich gehört.

Am Ende des zweiten Kapitels komme ich inhaltlich ins Stocken, denn ich dachte, dass sich die Drei auf dem Dach des Supermarktes befänden, dann losradelten und Nobbse schließlich kotzt. Doch befinden sie sich am Ende (wieder oder immer noch) auf dem Dach. War das eine Rückblende? Da sah ich nicht durch.

Ja und dann trifft man immer wieder auf typisch brotsche Aussagen, die ich vom Ideengehalt fundamental finde: All der Scheiß, den ich mit noch soviel Bier nicht mehr werde herunterspülen können, der sich immer wieder hochzwängt und mich auslacht.

Mir gefällt es, wie du die Sichtweisen der Personen änderst, beispielsweise die der beiden Polizisten auf Nobbse, die am Ende des dritten Teils versuchen, Nobbse zu schützen und ihm eher freundschaftlich gewogen sind, wo sie zuvor noch ihm die Schuld für die Starre des Profs gaben.

Das dritte Kapitel las ich gesellschaftskritisch - wie daneben sich Menschen ob ihrer Schaulust verhalten und wie diese "kleine" Sache" zu einem zentralen Medienereignis für die Presse aufgebauscht und von den Medien ausgeschlachtet wird. Zum anderen fand ich auch interessant, wie auf einmal nicht mehr die Demonstranten als Bedrohung angesehen wurden, sondern der starre Professor, der ja im Grunde keiner Fliege was zuleide tut. Diesen Ansatz fand ich sehr "psychologisch", weil dieses seltsame Verhalten des Profs als Bedrohung eingestuft wird. Es ist ja im Grunde eine ganz normale menschliche Reaktion erst einmal alles argwöhnisch zu beäugen, was einem merkwürdig und fremd erscheint. Das soll vor unliebsamen Überraschungen schützen. Vielleicht hätte ich diesem dritten Teil aber doch nicht ganz so viel Raum gegeben, an manchen Stellen erscheint er mir doch etwas zu langatmig.

Tja, also dem Ende kann ich dann aber nicht allzu viel abgewinnen, was daran liegen kann, dass ich es einfach nicht begreife. Was passiert denn da? Ick seh nich durch, Brot. Warum auf einmal die Müllkippe, wenn dann doch der Prof und Nobbs zusammen auf dem Unigelände stehen? Das ist mir zu durcheinander oder ich stelle mich total blöd an?

Soweit von mir.
Grüße, Maya.
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#3

Standpunkt

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 12.06.2007 11:21
von Erebus (gelöscht)
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Hallo Brot.

ich schließe mich dem Kommentar von Maya an.
Gerne gelesen!

Die Auffälligkeiten - die Sprache betreffend - verspürte ich wohl in großer Ähnlichkeit zu Maya.
Ganz besonders stieß mir die Formulierung "..und prallte aber voll mit meinem Kopf" auf. Tatsächlich "frugte" ich mich, ob das absichtlich als umgangssprachliches Highlight eingebaut ist.

Das die Fachhochschule zur simplen Schule degenerierte störte meine ungezügelte Teilnahme an Deinem Text, der sich auch nach meinem Empfinden sehr gut und flüssig liest.
Bis auf den Epilog. Da verlangst Du von Deinem Leser aus der Konsumhaltung hervorzutreten und die Mehrdimensionalität Deines Erzählraumes zu akzeptieren und womöglich - so er willig ist - nachzukonstruieren.

Auch mir gelingt das nicht ganz.
Jedoch finde ich folgende Ansätze, die mich schon dadurch befriedigen, dass ich was Eigenes leisten durfte:
Zustand A) Hicky stößt bereits da in eine andere Dimension vor, wo LyrI ihm ans Kinn. Er befindet sich physisch anwesend, aber woanders.

Zustand B) Im Traum dann die Umkehrung. Er befindet sich, aber physisch woanders.

Zuletzt der Dauershaker mit unserem Protagonisten, wieder in der gleichen Konstellation wie Zustand A) - der Held hat ja begriffen und seine Koffer - ehm den Rucksack geschultert.
Ja, und das gefällt mit. Warum tun die das? ...disconnect?

Aber es ist, wie gesagt ,nicht so flüssig zu rezipieren wie der vorangehende Text.
Ich ging im Text also hin-und her bevor ich es stimmig eingebaut hatte und mich zufrieden zurücklehnte.

Übrigens fand ich die Rückblende gut eingebaut, ich habe keine Schwierigkeiten gehabt, die Dachszene nach der Fahrradfahrt zu sehen.

Natürlich bin ich auch kein erkorener Kritiker für irgendwas und ich kann - wenn ich will - lediglich davon sprechen, was mir grade mal, ohne System, durch den Kopf geht.

LG
Ulrich
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#4

Standpunkt

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 14.06.2007 20:43
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte
Euer zunehmendes Unverständnis am Ende der Story ist haargenau am Schreibprozess. Will sagen: erst war ich mir meiner Sache verdammt sicher und dann wollte ich das Dingen nur noch beenden, weil ich dachte die Idee trägt doch nicht beziehungsweise ich bewältige sie nicht. Ich wurde unsicher, ob ich mich nicht verhoben habe. Das habt Ihr beim Lesen gemerkt.
Immer wieder beruhigend, wie genau ein aufmerksamer Leser feststellt, wenn der Karpfen (Schreiberling) zu weit ans Land geschwommen ist und seinen Atem verliert.

Kurz und gut: Eigentlich erkennt dieser Nobbse nur am Proff, dass es vielleicht besser ist, seinen Standpunkt zu verteidigen, als aufzugeben bzw. sich anzupassen. Sowie er das andeutungsweise mal getan hat und so wie er schlorkend und schlenkernd und nichts bei sich behaltend durchs Leben torkelt.
Anpassung ist m.E. gesellschaftlich zur Zeit sehr angesagt. Nobbse aber erkennt sein eigenes Scheitern, erkennt, dass er seinen Schwanz eingezogen hat und holt den Standhaften - oder den Unbelehrbaren - von der Müllkippe - und gibt ihm die Hand.

Das Ende hat einen seltsam, surrealen Touch wenn Nobbse den Proff im Traum entdeckt, ihn findet und ihn wieder genau an die Stelle stellt, wo er ihn „getroffen hat“ und dieser Abschnitt passt in einen Film wie The Emerald Forrest von John Boorman aber hier ist er doch wohl etwas abrupt und nicht hineinpassend.

Natürlich freue ich mich, dass ihr es gelesen habt und gut lesen konntet. Meine Rück-, Vor-, Rückblendungen sind zwar zwiespältig aufgenommen worden, aber ich mag diese Techniken, aber es wird wohl noch an Schliff fehlen sie sicherer einzusetzen. So und damit habe ich erst mal genügend Anregungen – die von Maya veränderte Stelle, werde ich übernehmen – für diesen Text und noch andere Altlasten zu bewältigen.
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#5

Standpunkt

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 15.06.2007 09:08
von Erebus (gelöscht)
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Hallo Brot.

jetzt kenne ich die "Message":
Zitat:

dass es vielleicht besser ist, seinen Standpunkt zu verteidigen, als aufzugeben bzw. sich anzupassen.


und ich weiß auch, warum das bei mir nicht ankam.

Zum einen: das Bild der händeschüttelnden Aussenseiter besitzt für mich keinerlei Stringenz. Will sagen, ich kann daraus nicht wirklich ablesen, was Nobbse veranlaßte, sich DEM auszuliefern. Mag sein es liegt daran, dass es etwas völlig Dösiges ist, seine Zeit auf diese Weise zu verbringen, eingefroren wie eine Götze. Die Kuriosität des Bildes ist so stark gezeichnet, da sehe ich das Surreale, keine Notwendigkeiten.

Zum anderen: Mir wird nicht - und das hängt vielleicht mit der fehlenden Orientierung aus dem Surrealen zusammen - deutlich, das Nobbse tatsächlich eine veränderte Verhaltensweise an den Tag legt. Sein Verhalten scheint mir doch noch auf der gleichen Linie zu liegen, nur etwas undurchschaubarer.

Die Salzsäule "Proff", als Bild für die Verteidigung eines Standpunktes müßte vielleicht irgendwie angereichert weren. Denn das Bild ist für mich eines für das dauerhafte Innehaben eines Standpunktes, den ich aber weiter nicht kenne, und der auch nicht verteidigt wird.
Durch den Abtransport, die Müllkippe, das spätere Wiedereinsetzen/Eingesetztwerden erhält er zudem eine steinerne Passivität, wird irgendwie unbedeutend.
Erst Presse und Funk machen daraus eine Medienblähung, aber auch diese bleibt völlig leer. Ja, gerade durch diese Blase um das Ereignis herum st mir, als werde ich auf eine besondere Bedeutungslosigkeit hingewiesen.

Interessanter Aufhänger, der gewiss vielfältige Möglichkeiten bietet. Ich glaube auch, dass der Karpfen eine Menge Luft braucht.
Und, wie gesagt, mit Deiner Technik der Zeitblendungen kam ich gut klar. Null problemo

LG
Ulrich
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#6

Standpunkt

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 18.06.2007 18:14
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte

Zitat:

Die Salzsäule "Proff", als Bild für die Verteidigung eines Standpunktes müßte vielleicht irgendwie angereichert weren.


Stimmt.

Zitat:

Zum einen: das Bild der händeschüttelnden Aussenseiter besitzt für mich keinerlei Stringenz.


Stimmt auch.

Ich werde mal probieren den satirischen Ton zu stärken, weil da ein surrealer Touch m.E. durchgeht - vorausgesetzt ich verkneife mir das Schlussbild und diesen Adlerflug. Du hast recht, die Motivation der beiden Figuren sich so theatralisch die Hand zu reichen, ist nicht vorhanden.

Dank und Gruß
Brot
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#7

Standpunkt

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 10.07.2007 10:38
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hi Brot,

ich habe es jetzt endlich auch geschafft, die Geschichte zu lesen und hatte ebenso großes Vergnügen. Und wie die beiden Anderen hast Du auch mich am Schluss etwas abgehängt. Aber ich glaube, ich hab das noch nicht mal mit der Rückblende geblicht.
Vorallem stört mich ein bisschen an dem sehr knappen Schluss, dass der Prof wie aus heiterem Himmel wieder an Ort und Stelle steht, und bevor ich mir als Leser zusammengereimt habe, wie die Hauptfigur den da wieder hingestellt haben könnte, muss ich mir auch schon einen Reim auf das Ende machen. Der Prof. ist rausgemeißelt worden, muss also noch Betonklötze an den Schuhen haben. Kann der dann überhaupt stehen? Oder wie sollte das aussehen? Das waren so in etwa meine Gedanken dabei. Für mich zu verwirrend.

Verwirrend war für mich auch die Szene auf dem Dach. Wie kamen die dahin? Warum das Dach? Und warum müssen die da runter? Kalr. Das Gelände ist abgesperrt. Aber... Ich bin da vielleicht etwas zu unflexibel für den Text. Ich will aber auch nicht ausschließen, dass ich an dieser Stelle hier zu kritisch bin, denn schließlich hab ich's dann ja kapiert. Ich hab halt bloß keine Rückblende mitgekriegt.

Sehr geschmunzelt habe ich besonders bei Kapitel 3, die Schilderung des Volksfestes und der Reaktionen der Gruppen.
Aber auch der Anfang mit den Polizisten gefiel mir sehr gut. Deine etwas verpaddelten Hauptfiguren, wie auch damals Dein Kurier, haben wirklich großen Charme. Gefällt mir sehr gut.
Aber was ich wirklich am besten finde, ist die Leichtigkeit Deiner Schreibe, die sich unmittelbar auf den Leser überträgt. Man fliegt quasi durch den Text.

Grüße,
GW

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#8

Standpunkt

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 10.07.2007 12:02
von Alcedo • Mitglied | 2.571 Beiträge | 2467 Punkte
hallo Brot

"Der Ärmel des Mannes wurde hochgeschoben,"
bis zu dieser Stelle hatte ich doch tatsächlich geglaubt, der trunkene Protagonist wäre in eine Statue gelaufen. massive Bronze, oder ähnliches. und die Uniformierten hätten sich abgesprochen ihn mal gehörigst auf den Arm zu nehmen. den Protagonisten.

aber auch wenn jemand einer Bronzestatue eine Jacke anziehen sollte, um ihr hernach den Ärmel hochschieben zu können, dann kamen mir doch Armabbinden und Blutentnahme bald spanisch vor.

ich hab weitergelesen, ja. bis zum Ende. fand es auch kurzweilig. die Flugstunde im Traum gefiel mir sogar, wie auch manch schnoddrige Beschimpfungen und onomatopoetische Wortverlängerungen (Schiebetür-"Rrrrummms" und "zu Fu- uß").

aber an besagter Stelle verließ mich die Story mitsamt meiner Statuenhypothese ins unrealistische Nirwana des Unplausiblen.

das Gefeile daran ist ja wieder dein Bier. was ist schon einfach? die Überschrift vielleicht, die passt: sehr schön.

Gruß
Alcedo

e-Gut
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#9

Standpunkt

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 17.07.2007 17:35
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte
@GW und @Alcedo

Danke für die Blumen und die Kritik. Wie ich schon zu Erebus und Maya sagte , habe ich das Dingen schlicht unterschätzt. Es flog mir gewissermaßen um die Ohren, aber zu einem Ende wollte ich es bringen.

Ich las natürlich gerne, dass es stellenweise funktioniert und unterhalten hat. Aber Alcedo brachte es nett auf den Punkt:

das Gefeile daran ist ja wieder dein Bier. was ist schon einfach? die Überschrift vielleicht, die passt: sehr schön.

Das wird mit Sicherheit nicht einfach. Ich hoffe ich werde nochmal nachlegen können. Aber jetza ist ja KG Wettbewerb und der geht vor .
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