#1

Danke. (Als sie die Fesseln brachen)

in Diverse 14.05.2007 20:46
von Steppenwolf (gelöscht)
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(20. April 2007)

Danke. (als sie die Fesseln brachen)


Und der Wald floss über und
ertränkte die ausgebrannten Häuser
in gnadenlosem Grün. Und
spinnenbeingrau brachen mürbe die Mauern
unter fordernden Brombeerranken.
Meergleich brandete Ast um Ast,
Halm um Halm über splitternde Scherben
der Neonröhren
- und das Leben
drang ein in sterile Kammern.

Manchmal noch
zwischen den Stämmen
ein Schattentanz. Schmale Gestalten,
irrlichternd suchend nach dem „Warum“;
nach der Schuld:
Wer entfesselte unachtsam
das Grün?

Der Wald lächelt
und schweigt.
Im Wind
kichern hölzern
die Zweige.




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#2

Danke. (Als sie die Fesseln brachen)

in Diverse 20.05.2007 09:04
von Albert Lau (gelöscht)
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Hallo Wolf,

Kennst du "Asterix und die Trabantenstadt"? Das war meine erste Assoziation und darum geht es hier ja wohl auch: Natur erobert sich Kulturlandschaft (hier: Stadt) zurück.

Das ist immer ein faszinierendes Bild und ich verstehe die Beschäftigung damit. Was mich hier aber an Asterix denken ließ, war die Geschwindigkeit des mit Zaubertrank gedopten Waldes, wenn die Eichen da blitzeschnell 50 Meter hoch aus den Eicheln ploppten und die Stadt unter sich begruben. "Gnadenloses Grün"! Das wirkt ebenso komisch und haltlos, wie die fordernden Brombeerranken, die brandenden Äste und dem unachtsam entfesselten Grün. Da kichern nicht nur die Zweige.

Will sagen: Viel zuviel des Guten! Wuchtige Worte wummern nur, sie spielen keine Zwischentöne. Meine zweite Assoziation war der Python-Sketch, wenn sich eine Familie über "woody words" ereifert und sich gegenseitig so richtig schöne Dampfhammerworte entgegenbellt. Vielleicht wolltest du ja etwas Humoriges veröffentlichen?

Aber dafür ist es dann nicht komisch genug und auch an anderen Stellen zeigen sich stilistische Unsicherheiten, wenn Mauern spinnenbeingrau brechen, wenn Halme die Äste steigern sollen, wenn Schatten irrlichtern, wenn man nicht weiß, wer Schuld hat, aber Unachtsamkeit unterstellt, wenn der Wald schweigt, aber die Zweige kichern und das auch noch hölzern.

Der Titel ist seltsam, der Untertitel (in Klammern) treffender, aber eben auch zu viel Drama. Das ist mir zu dick angerührt und fällt mit den ganzen Wassermetaphern in Selbiges. Weniger wäre eindeutig mehr gewesen.

DG
Mattes
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#3

Danke. (Als sie die Fesseln brachen)

in Diverse 24.05.2007 18:47
von Steppenwolf (gelöscht)
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hallo mattes,

tut mir leid dass ich so lange nicht reagiert habe... ich muss gewirkt haben wie eine mimose, es war aber nur der stress

danke für deine rückmeldung!
du hast eigentlich recht. es war ein sehr spontanes, übermütiges gedicht, und ebenso vorschnell habe ich es gepostet. schon kurz darauf habe ich das bereut, musste aber feststellen dass man hier seine werke nicht wieder klammheimlich und spurlos entfernen kann ... da habe ich auf die schwerkraft vertraut, die alles nach einer weile im tümpel versacken lässt.

spontan geschrieben, spontan verworfen - das gedicht ist misslungen und ich stehe dazu
danke für deine ehrlichkeit, ich kann mich im grunde nur anschließen.

es grüßt
ein steppenwolf
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