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#1

Ausgeburt

in Düsteres und Trübsinniges 18.01.2007 00:02
von Albert Lau (gelöscht)
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Ausgeburt


Ein Verschlag aus mürben Brettern
hockt geduckt am Hain,
du liegst sterbend in der Pharmazie.
Im Gesicht des Kopiloten
kleinen Lichtes Widerschein,
flimmernd in den fahlen Fenstern
bleicht Melancholie.

Faule Planken fasern modrig,
untergangsgeneigt.
Nächtens weckt dich übermächtig Angst.
Herbst ist, wenn der alte Kämpe
bunter Bäume Blätter zweigt.
Depressionen sind das Erbe,
das du Mutter dankst.

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#2

Ausgeburt

in Düsteres und Trübsinniges 18.01.2007 02:03
von Maya (gelöscht)
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Hallo Albert!

Beim ersten flinken Drüberhuschen hatte ich fast den Eindruck, freie Lyrik vor mir zu haben, weil Silbenzahl und Metrum auf den ersten Blick wirr erschienen, und betrachtet man nur eine der beiden Strophen, findet man sich darin bestätigt. Eine einzige Holperfahrt.
Doch bei genauerem Hinsehen und lautem Lesen beider Strophen wird klar, dass wir hier ein durchkomponiertes Werk mit interessantem Reimschema und strophenübergreifend gleichbleibendem Metrum vor uns haben. Dieses Gedicht muss man laut lesen, damit man in den Rhythmus findet, jedenfalls ging es mir so. Vor allem die jeweils dritte Zeile der beiden Strophen zwingt den Leser mit der 9-silbigkeit zu einer Art Zäsur, einem Innehalten, bevor es an die restlichen 4 Verse geht.

Ein Verschlag aus mürben Brettern
hockt geduckt am Hain,
du liegst sterbend in der Pharmazie.
Im Gesicht des Kopiloten
kleinen Lichtes Widerschein,
flimmernd in den fahlen Fenstern
bleicht Melancholie.


Worum geht es? Zunächst wird ein alter Bretterverschlag erwähnt, der geduckt am Hain hockt, also eindeutig personifiziert ist, woraus man schließen kann, dass er symbolisch für einen gebrochenen Menschen steht, der nicht mehr aufrecht durchs Leben geht, sondern irgendwie zusammengeknickt ist. Noch erfährt man nicht, ob diese Position nur der Beobachtung am Waldesrand dient oder für den Allgemeinzustand dieser Person steht, doch ist der Verweis auf die Mürbheit schon erstes Indiz für letztere Bemerkung.

Zeile 3 wird konkreter, ein sterbendes Du - ich nehme an, dass es mit dem Bretterverschlag identisch ist - kommt zur Sprache, warum es allerdings in der Pharmazie und – ich greife mal voraus – nicht in der Psychiatrie oder einem Krankenhaus liegt, bleibt mir unverständlich, weil der Begriff Pharmazie ja, soweit mir bekannt, eigentlich eine Naturwissenschaft ist, die sich mit Arzneimitteln befasst und kein Ort darstellt, an dem gestorben werden kann.

In der vierten Zeile ist vom Gesicht des Kopiloten die Rede, doch wer ist denn der Pilot? Die am Ende erwähnte Mutter, nehme ich an, die den Weg des sterbenden Ichs durch ihre Krankheit vorbestimmte, indem sie ihm die Depression vererbte, die sich nun in seinem Gesicht widerspiegelt. Mit den fahlen Fenstern könnten die trüben, leblosen Augen gemeint sein, die keine Lebensfreude mehr ausstrahlen, sondern nur noch melancholisch dreinblicken.

Faule Planken fasern modrig,
untergangsgeneigt.
Nächtens weckt dich übermächtig Angst.
Herbst ist, wenn der alte Kämpe
bunter Bäume Blätter zweigt.
Depressionen sind das Erbe,
das du Mutter dankst.


Auch diese Strophe ist sehr düster und trübsinnig gehalten, mehr noch, als die erste, denn alles weist auf Zersetzung, Verfall und Untergang hin.
Der Eingang der zweiten Strophe ähnelt dem der ersten, nur dass die mit Adjektiven negativ besetzten Planken hier nicht personifiziert sind, so dass ich mich gleich frage, ob ich die ersten beiden Zeilen der S1 nicht einfach so nehmen sollte, wie sie dastehen. Nun gut.

Eigentlich erfahren wir nicht sehr viel in diesen Zeilen, lediglich, dass das Du in der Nacht mit Angstzuständen zu kämpfen hat, woher diese Ängste stammen, bleibt im Grunde offen. Oder ist das Du noch gar nicht depressiv, hat aber Angst davor, es zu werden, weil die Mutter daran erkrankt war? Vielleicht wird es gar von der Angst vor Depressionen depressiv. Auch der Titel des Gedichts könnte für diese Sicht der Dinge sprechen, denn er kommt doppeldeutig daher: "Ausgeburt" (...der Hölle, sozusagen) und "Aus Geburt" (i.S.v. vorherbestimmt).

Dieses Gedicht hat mich in erster Linie formal angesprochen, weil es aus dem Einerlei herausragt und Raffinesse beweist. Inhaltlich bleiben für mich einige Fragen offen, was nun aber nicht am Werk selbst, sondern am fehlenden Durchblick meinerseits liegen könnte.

Gruß, Maya

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#3

Ausgeburt

in Düsteres und Trübsinniges 18.01.2007 06:53
von Erebus (gelöscht)
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Lieber Albert,

Ich schließe mich Maya im wesentlichen an.
Das LI liegt sterbend in der Apotheke, fühlt sich zumindest so, und fühlt sich begeleitet von der Mutter, wie einem Copiloten. Also jemandem, der das LI beim Lebensflug in irgendeiner Weise zu begleiten scheint.
Die Beziehung geht so weit, das sich das LI im Titel als Ausgeburt bezeichnet findet, sich also über die Mutter definiert.

Mir scheint hier jedoch weniger Raffinesse als vielmehr zu lang geratene Verse der Ursprung der siebenzeiligen Strophen zu sein.
Die sinnvoll 4-zeiligen Strophen sind dem Anschein nach mit jeweils 3 Umbrüchen in die Vertikale gezwungen.
Das erschwert das Lesen und Verständnis, verbessert für mein Empfinden jedoch nichts.
Im Gegenteil. Da ich davon ausgehen kann, das dies nicht geschah, um einer Kritik in dieser Richtung vorzugreifen, frage ich mich was der Autor damit bezweckt.
So sähe das ganze für mich bekömmlicher aus:

Ein Verschlag aus mürben Brettern hockt geduckt am Hain,
du liegst sterbend in der Pharmazie.
Im Gesicht des Kopiloten kleinen Lichtes Widerschein,
flimmernd in den fahlen Fenstern bleicht Melancholie.

Faule Planken fasern modrig, untergangsgeneigt.
Nächtens weckt dich übermächtig Angst.
Herbst ist, wenn der alte Kämpe bunter Bäume Blätter zweigt.
Depressionen sind das Erbe, das du Mutter dankst.

Auffällig ist, das der Hain, ein klassisch friedvolles, grünes Bild, neben dem Bretterverschlag jede Farbe verliert, gleichsam mit in der Depression verschwindet. Die Fensterbeobachtung (S1Z6/7) und das Plankenvermodern (S2Z1/2) sind reine Ausdrucksbilder, Stimmungsträger, die mir nicht so gefallen können. Nun gut, das gehört wohl dazu.
Auffällig ist weiter die pronomenfreie Mutter, ich dachte zunächst an eine Art Übermutter, jedes Menschen Mutter, dann fühlte ich eine etwas rührselige geschwisterliche Verbundenheit mit dem LI. Aber nein, ich muss passen. Die Mutter weist irgendwie aus dem Text heraus, ich überlege, ob ich, ausgeboren, Mutter ebenfalls meine Depressionen danke.

Ein trauriges Stück und deshalb nicht leicht zu vermitteln.

Liebe Grüße

Ulrich

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#4

Ausgeburt

in Düsteres und Trübsinniges 18.01.2007 07:54
von Albert Lau (gelöscht)
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Vielen Dank für die Kommentare. Die Pharmazie ist hier die Apotheke, das ist korrekt. Das lyrI stammt nicht aus Deutschland, hierorts wird das Wort nicht dafür verwendet, insofern ist Mayas Verwirrung nachvollziehbar.

"Weniger Raffinesse" mag jeder für sich selbst beurteilen, warum ich als Autor allerdings Angst vor langen Zeilen haben sollte, ist mir nicht ganz klar. tatsächlich habe ich auch schon komplett ohne jeglichen Zeilenumbruch geschrieben. Meistens ist das Effekthascherei und ich finde daran nichts Verwerfliches, im Gegenteil. Wenn dann nämlich der Leser feststellen muss, dass lediglich Effekt und kein bisschen Inhalt dahintersteckt, ist man schnell als Scharlatan entlarvt. Dieses Risiko gehe ich ganz bewusst ein.

Im Gegensatz zu Erebus, der keine Frage stellt, sondern bereits die Antwort kennt, möchte ich aber Mayas fragende Blicke beantworten. Raffiniert ist es vielleicht nicht, aber einen Grund hat es und der ist folgender:

Ein Verschlag aus mürben Brettern - Faule Planken fasern modrig,
hockt geduckt am Hain, - untergangsgeneigt.
du liegst sterbend in der Pharmazie. - Nächtens weckt dich übermächtig Angst.
Im Gesicht des Kopiloten - Herbst ist, wenn der alte Kämpe
kleinen Lichtes Widerschein, - bunter Bäume Blätter zweigt.
flimmernd in den fahlen Fenstern - Depressionen sind das Erbe,
bleicht Melancholie. - das du Mutter dankst.

Digitale Grüße!

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#5

Ausgeburt

in Düsteres und Trübsinniges 18.01.2007 09:11
von Erebus (gelöscht)
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Oha ! Herr Lau.

Woher wissen Sie, das ich die Antwort kenne? Nein, ich kenne sie nicht.
Warum benutzen Sie Unterstreichungen?

Aus "mürben Brettern - faulen Planken" bekomme ich ein sauberes korrespondierendes Bilderpärchen zusammen.
Das funktioniert mit Abstrichen auch noch bei "Kopilote(n) - alte(r) Kämpe" Ich kenne in Wahrheit weder einen Kopiloten noch einen alten Kämpen- unwillkürlich denke ich an Hardy Krüger und John Wayne, und das sind/waren beides Schauspieler.

OK. Na, dann übertrage ich meine Erkenntnis mal auf
"hockt geduckt" - "untergang" : Ja, so , irgendwie, vom Bewegungsablauf...
"sterbend" - "nächtens" : gefällt nicht, aber klar funktioniert
"kleinen Lichtes" - "bunter Bäume" : geht nicht
"fahlen Fenstern" - "Depressionen" : da geht es für mich auf.
"Melancholie" - "Mutter" : habe ich Verständnis, empfinde es jedoch als pers. des LI

Jetzt hätte ich gerne noch die Antwort. Wann erfahre ich sie ?

analoge Grüße!

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#6

Ausgeburt

in Düsteres und Trübsinniges 18.01.2007 10:44
von Albert Lau (gelöscht)
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Sie nie, Herr Erebus. Macht doch aber nichts, es gibt so viele schöne Gedichte, lesen Sie sie, erfreuen sich daran und achten nicht auf Albernheiten.

Ernsthaft, bester Erebus, von allen Pärchen zeihen Sie eigentlich nur eines der Nichtfunktionalität und das sind die beiden einzigen Stellen Licht und Farbe im Gedicht.

Noch einmal: Wer sagt, dass es Ihnen gefallen muss, dass Sie es gut und richtig finden müssten, dass es überhaupt etwas taugt. Meinethalben mag es der letzte Scheißdreck sein aber behaupten Sie doch bitte nicht, ich hätte mir nichts dabei gedacht, außer dass ich zu lange Zeilen brechen wollte. Das war Ihre Antwort, keine Frage. Meine Antwort sind die Korrespondenzen, die ich frecherweise auch noch unterstrich, was ich offenbar nicht hätte tun müssen, weil Sie sie ja alle auch ohne erkannten, zwar erst hinterher und eigentlich auch wieder nicht, aber egal.

Welcher Antwort auf welche Frage bedarf es noch? Sie argwöhnten keinen besonderen Grund für die Zeilenschaltung und blamierten die Vorrednerin insofern, als die Raffinesse zu erkennen glaubte, wo Sie nur Scharlatanerie sahen. Also versuchte ich - hoffentlich nachvollziehbar - Mayas Meinung zu unterstützen. Wer möchte nicht lieber raffiniert, als albern sein?

Letzte Bemerkung: Wenn es in einem Gedicht ein lyrI gibt, dann ist das Gedicht wohl immer aus der "persönlichen" Sicht dieses lyrI geschrieben. Dieses erfundene lyrI bedarf nun weniger Ihres Verständnisses, als vielmehr Ihres Verstehens. Die Frage kann doch nur lauten, ob das Gedicht in sich schlüssig und konsequent ist und nicht, ob der Leser die Sicht des lyrI teilt, die Botschaften besonders sympathisch findet. Kurz: Es geht nicht um richtig oder falsch, sondern nur darum, ob es nachvollziehbar ist.

Das zweite Kriterium, das im Zweifel wichtiger ist, ist das Gefallen. Das werden wir beide nicht herbeireden können, das ist doch wohl klar.

Worum kann es noch gehen?

Digitale Grüße

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#7

Ausgeburt

in Düsteres und Trübsinniges 18.01.2007 12:45
von Erebus (gelöscht)
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Ich danke für Ihre Antwort Herr Lau!


Zitat:

(Albert Lau).. von allen Pärchen zeihen Sie eigentlich nur eines der Nichtfunktionalität und das sind die beiden einzigen Stellen Licht und Farbe im Gedicht.



Ich habe nicht geziehen, nicht bezichtigt, nicht beschuldigt, ich habe konstatiert. Und das war ja treffend. Eine weitere Stelle, an der m.E. Farbe auftaucht und sogleich wieder verschwindet ist Ihnen indes entgangen:

Zitat:

(Erebus) Auffällig ist, das der Hain, ein klassisch friedvolles, grünes Bild, neben dem Bretterverschlag jede Farbe verliert, gleichsam mit in der Depression verschwindet.




Zitat:

(Albert Lau)Meine Antwort sind die Korrespondenzen, die ich frecherweise auch noch unterstrich, was ich offenbar nicht hätte tun müssen, *)weil Sie sie ja alle auch ohne erkannten, zwar erst hinterher und eigentlich auch wieder nicht, aber egal.


Ich fühle mich geschmeichelt, das Sie mir zutrauen, den diskreten Hinweis auf Licht und Farbe in Ihrem Gedicht erkannt zu haben. Nein, er blieb mir verborgen. Mir geht auch nicht ein, was Sie mit einer solchen Aufladung bezwecken wollen.


Zitat:

aber behaupten Sie doch bitte nicht, ich hätte mir nichts dabei gedacht,


Habe ich das ?

Zitat:

(Erebus)
Im Gegenteil. Da ich davon ausgehen kann, das dies nicht geschah, um einer Kritik in dieser Richtung vorzugreifen, frage ich mich, was der Autor damit bezweckt.




Zitat:

(Albert Lau) Sie argwöhnten keinen besonderen Grund für die Zeilenschaltung und *) blamierten die Vorrednerin insofern, als die Raffinesse zu erkennen glaubte, wo Sie *)nur Scharlatanerie sahen.


Wenn ich darin keine besondere Intension erkennen konnte, wohl aber ein absichtsvolles Handeln hinterfragte, nach dem Zweck fragte, wieso blamiere ich damit jemanden, der grundsätzlich dieselbe Meinung vertritt? Nebenbei: blamiert sich nach Ihrer Erfahrung bei unterschiedlicher Auffassung immer jemand ?


Zitat:

Wer möchte nicht lieber raffiniert, als albern sein?


Das kann ich gut verstehen.


Zitat:

Letzte Bemerkung: Wenn es in einem Gedicht ein lyrI gibt, dann ist das Gedicht wohl immer aus der "persönlichen" Sicht dieses lyrI geschrieben. Dieses erfundene lyrI bedarf nun weniger Ihres Verständnisses, als vielmehr Ihres Verstehens. Die Frage kann doch nur lauten, ob das Gedicht in sich schlüssig und konsequent ist und nicht, ob der Leser die Sicht des lyrI teilt, die Botschaften besonders sympathisch findet. Kurz: Es geht nicht um richtig oder falsch, sondern nur darum, ob es nachvollziehbar ist.


Das empfinde ich als lehrreich, wiewohl ein Verständnis doch das grundlegende Verstehen voraussetzt ? Wir sprechen ja nicht von Mitgefühl oder Mitleid.



Zitat:

Das zweite Kriterium, das im Zweifel wichtiger ist, ist das Gefallen.


Ja zu meinem Gefallen an Ihrem Gedicht habe ich mich noch nicht geäußert. Es gefällt mir, wenn auch nicht übermäßig.

Nicht gefällt mir dümmliche Demagogie *). Sie tragen den Nimbus eines lyrischen Alphamännchens, daran ist nichts auszusetzen. Aber muss es der Pavian sein?
Wenn Sie sich meinen Kommentar noch einmal durchlesen: wo ist da das Ehrenrührige, dass Sie derart auf die Palme bringt ?


Zitat:

Worum kann es noch gehen?


Darum, dass ich diese Art der Auseinandersetzung für beschädigend halte, für schädlich. So mögen Sie dann ziehen...


Gruß

Ulrich

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#8

Ausgeburt

in Düsteres und Trübsinniges 18.01.2007 13:36
von Albert Lau (gelöscht)
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Auf der Palme? Wie hätte ich denn da heraufkriechen sollen? Lassen wir das! Besser, ich krieche nicht mehr an Ihre Auslassungen heran, ich reiche doch nicht herauf.

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#9

Ausgeburt

in Düsteres und Trübsinniges 18.01.2007 15:10
von Erebus (gelöscht)
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Hallo Albert,

jetzt muss ich doch noch ein Bröckchen beseitigen, dass so unfein aufstieß: Matschkriecher (70-100?)

Alles Gute

Ulrich

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#10

Ausgeburt

in Düsteres und Trübsinniges 18.01.2007 15:12
von Knud_Knudsen • Mitglied | 994 Beiträge | 994 Punkte
Hi Al,
ich frage mich. Ich lese und stutze. Ich versuche zu erfassen.
Gut die Reimform ist nicht neu, kommt immer wieder gut. Klar.
AAB. Die Metrik kann man auch so akzeptieren, obwohl das Schriftbild durch die Überlängen nicht mein Ding ist. So what.
Der Inhalt.
Na da kommmmmme ich ins Zweifeln. Klar Trübe ist es, Depression und die jüngere Schwester die Melancholie. Aber zwischen S1 und St2 finde ich keinen richtigen Zusammenhang. Zwei Einzelfälle des trüben Daseins?
Höchstens in der Untergangsphase des mürben Bretterverschlages und den fauligen Planken. Es geht um Ende nehme ich mal an. Um Sterben.
"Sterben in der Apotheka? Interessanter Ansatz. Vielleicht langsames Sterben durch Drogen, Medikamente. Der Copilot wohl der Chef der Apotheke?Weiss nicht.Nächtliche Angstattaken, klar Depression. Aber dann "Bunte Blätter zweigt"? das hört sich toll an, ist es das auch? Na ja.
Dann der Schluss St2 Depression und die Macht der Gene. Klar.
Also Al, dass ist eines Deiner etwas, für mich kleinen Geist, nicht ganz verständlichen Werke.
Gruss
Knud

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#11

Ausgeburt

in Düsteres und Trübsinniges 18.01.2007 18:10
von Albert Lau (gelöscht)
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So, dann will ich mal aufräumen und dann können wir dieses Scheißgedicht auch hinter uns lassen. Interessant finde ich, dass eigentlich ich immer der Metaphernverweigerer und Forderer klarerer Sprache bin und ein Umstandsdichter mir hier an die Karre geht.

Was passiert hier? Hier wird gestorben, das steht doch da! Na und, gestorben wird doch allüberall, wir sind doch mit unserer Geburt, quasi aus unserer Geburt heraus zum Sterben verdammt. Ach nee! Ja. Ausgeburten des Todes, das sind wir. Wenn es dann ans Sterben geht, sind die meisten von uns - und mit uns meine ich wirklich uns hier in unserer Lebenswirklichkeit – in Krankenhaus oder Pflegeheim. Und da liegen wir alten Säcke dann, das stolze Gebäude unseres Körpers zum mürben Bretterverschlag heruntergekommen, ge- und verkrümmt, halb tot – bildlich gesprochen: geduckt am Hain hockend, denn der Hain ist was? Genau! – sterbend halt, und das nicht wirklich direkt in der Apotheke, weshalb ich das Wort Pharmazie benutzte, sondern vollgepumpt mit lebensverlängernden Medikamenten, die aber nur verzögern können, nicht aufhalten.

Und was für ein beschissener Kopilot glotzt uns da an? Na? Rrrrichtig, der Chefarzt, die Niete, die ja nur ein Halb-Gott (in Weiß) und insofern bestenfalls Ko-Pilot vom Alleszerschmetterer ist. In dem Gesicht dieser meist kleinen Leuchte ist natürlich auch nur wieder bildlich der Widerschein meines nur mehr kleinen Lebenslichtes zu sehen. Neben dem Flimmern im Auge, diesem fahlgewordenen Fenster habe ich wahrscheinlich auch schon Kammerflimmern und da wird nicht nur der Arzt bleich, sondern langsam auch ich und wen das nicht melancholisch stimmt, der ist schon tot.

Dieses Krankenbett wird jetzt also zum Totenbett, die von mir durchgefaulten sinnbildlichen Planken, mein letzter Halt im Leben, zerfasern und untergangsgeneigt bin selbstverständlich ich und nicht mein Bett. Wiederum und immer wieder bildlich gesprochen faule ich durch das Bett hindurch direkt in den Sarg hinein. Und wenn mir dann doch noch eine Nacht vergönnt ist, dann holt mich in dieser der Herzinfarkt und der geht finalerweise auf jeden Fall mit Vernichtungsschmerz einher und der kann schon Angst machen könnte man sich sagen lassen, wenn die noch etwas sagen könnten, die es erlebten.

Sterben, sterben, immer wieder Sterben. Und wann ist die Zeit des Sterbens? Im Herbst, wenn der alte Kämpe und das ist nun wirklich der da oben, die buntgewordenen Blätter nun endgültig von den Baumzweigen fegt. Und das ist dann das Ende, Und dieses popelige, undankbare lyrische Ich redet kein Stück von dem Leben dazwischen, sondern verkürzt eben tatsächlich Sinn und Zweck der Geburt auf das Ende hin. Das ist die vielgelobte Mutter Natur: Die schmeißt uns hier für eine kurze Spanne auf diesen Planeten, nur um uns vergehen zu lassen: Das ganze Leben eine einzige Depression, eine Einsenkung, von der Niederkunft bis zur Beerdigung. Kommt nicht viel bei rum und mitnehmen kann man schon gar nichts. Das könnte mich glatt depressiv machen.

So, fertig, mehr steht nicht drin, schade. Doofes Gedicht, halt. Lesen wir wieder bessere.

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