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#1

Verkehrsberuhigung

in Liebe und Leidenschaft 18.11.2006 17:43
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Verkehrsberuhigung

Unsere Beziehung ist ein Wegstück,
das uns zweien freistellt, es zu gehen,
schleichen oder es entlang zu stürzen,
und ich frage mich, ist es ein Unglück,
dass wir nicht ein Schild am Rand erspähen,
welches mahnt, den Weg nicht zu verkürzen,

und dass keine Zeichen seine Strecken
säumen, die mich stets erinnerten, auch
ruhig jeden Schritt sanft aufzusetzen
oder gar zurück zu führen, Schnecken
überholen lassend, ohne Missbrauch
unsrer Schnelligkeit uns nicht zu hetzen,

weil ich sonst vielleicht im Trott vergäße,
dass es wichtig ist, mal zu verweilen,
ab und an auch Rückenwind zu spüren,
nur berauscht vom Strom der Blutgefäße,
Augenblicke noch entzwei zu teilen,
und uns dabei ziellos zu verführen?


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#2

Verkehrsberuhigung

in Liebe und Leidenschaft 18.11.2006 18:38
von kein Name angegeben • ( Gast )
Hallo Geradewohl,

das ist Dir wohl gerade gut gelungen! :o)

Ich mag solche Gedankengänge, die so ein wenig zwischen inniger Liebe und mahnender Distanz hin und her pendeln. Du verpackst Dein Gedicht für meinen Geschmack eher in eine Fußgängerpassage. Das ist kein Tadel, aber ich lese wenig vom Verkehr! Sie gehen, schleichen, stürzen, setzen Schritte sanft auf oder verharren nach der Schnelligkeit. Hm, wo bleibt das Hupen oder das Rasen, das Quietschen und Abblinken in eine Nebenstraße?

Inhaltlich gefällt mir Dein Gedicht wirklich sehr gut! Nur die Überschrift täuscht den Leser und man ist verwundert nicht im Auto zu sitzen, sondern als Fußgänger den Weg beschreiten zu müssen.

Hm, aber beruhigend ist es allemal, denn es bringt den Leser zum Nachdenken.

Es verneigt sich,

Huhmannfrau

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#3

Verkehrsberuhigung

in Liebe und Leidenschaft 18.11.2006 19:40
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Frau Huhmann,

danke Dir für Deinen Kommentar.
Ja, das mit den passenden Titeln ist bei mir immer so eine Sache. In diesem Fall gefällt er mir aber recht gut, da er im Zusammenhang mit der "Beruhigung" und dem Verweis auf die Verführung am Schluss zudem so schön doppeldeutig ist. Aber das Argument, dass man sich dann wundert, wo hier die Autos sind, kann ich nachvollziehen. Vielleicht entwickelt sich da ja noch was.

Viele Grüße,
GerateWohl


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#4

Verkehrsberuhigung

in Liebe und Leidenschaft 19.11.2006 10:27
von kein Name angegeben • ( Gast )
Hallo GerateWohl,

ich wäre vor lauter Verführung eher auf die Torten gestürzt! Ist wohl so eine Heimtücke von süßen Frauen, die gerne naschen (wobei ich tendenziell immer weniger Süßes zu mir nehme).
Aber freilich, Männer denken ja eh mit dem .......! Lach, so weit hab ich da doch nicht gedacht, aber die Doppeldeutigkeit ist tatsächlich vorhanden.
Was soll sich denn da noch entwickeln? Hm, überleg ...

LG Frau Huhmann (Huhmannfrau)

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#5

Verkehrsberuhigung

in Liebe und Leidenschaft 19.11.2006 13:13
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte

Zitat:

Huhmannfrau schrieb am 19.11.2006 10:27 Uhr:
Was soll sich denn da noch entwickeln? Hm, überleg ...


Ich weiß ja nicht wie Dir das geht. Aber ich habe mir schon manchmal Texte direkt anch einmaligem Überschlafen, auch angeregt durch Kritik, oder sogar ein Jahr später nochmal vorgenommen und Änderungen eingefügt, Titel geändert oder Ähnliches.
Das ist ein bisschen wie mit der Plattentektonik. Im Prinzip ist die Form des Kontinents fest, aber über die Zeit gehen doch noch Änderungen vor sich. Berge werden abgetragen, Vulkane brechen aus, Inseln versinken, Gletscher schmilzen etc.

LG
GerateWohl


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#6

Verkehrsberuhigung

in Liebe und Leidenschaft 19.11.2006 17:27
von Primel | 107 Beiträge | 107 Punkte
@Geratewohl

Ich folgte dir leicht und freudig bejahend durch den größeren Teil des Textes und wollte sagen, dass er dir wohl geraten sein. Einfach ist die metrische Struktur ja nicht, was sich insbesondere in S2Z3 spüren lässt.

Erste Haltestelle das „ab und an“, wo ich eigentlich ein „ab und zu“ erwartet hätte, doch dann aber, als du „berauscht“ warst, las mein nüchterner Sinn den „Strom in den Gesäßen“ und das störte mich. Ich las noch einmal, fand, dass es „Gefäße“ waren, was mir nicht weiter half, da Strom vorerst Elektrizität generierte, dann „großer Fluss“ und keines passte. Adern, freilich, könnten es auch sein, doch so verschraubt schreibst du ja nicht, oder? Dann sollte ich vielleicht auch Satzzeichen versuchen, also z.B. einen Beistrich entweder nach Strom, dann teilst du die Augenblicke in den Gefäßen, oder nach Gefäßen, was allerdings das amüsante Umstandswort „tortengleich“ auch nicht verständlicher macht.

Oder ist es wesentlich, dass man „berauscht“ an den Text herantritt, wie ich es jetzt nach mehreren Gläschen Beaujolais versuchte? War wohl nicht stark genug?


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#7

Verkehrsberuhigung

in Liebe und Leidenschaft 19.11.2006 17:40
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Primel,

so unverständlich finde ich das aus meiner subjektiven, persönlichen Wahrnehmung natürlich nicht, muss aber gestehen, dass ich beim Schreiben auch etwas inne hielt beim Schreiben der "Gefäße". Somit gabst Du nun einen fruchtbaren Anstoß für einen kleinen plastischen Eingriff in mein Werk. Es waren tatsächlich die Blutgefäße gemeint, die ich nun noch einmal explizit erwähne. Ich will den geneigten Leser ja nicht verwirren und in den Vollrausch treiben nur um das Werk erfahren zu können.

Daher vielen Dank für Deine Rückmeldung, die mich natürlich mit dem Fragezeichen zurück läßt, was an "tortengleich" so schwer verständlich ist.

edit: Überzeugt.

Schöne Grüße,
GerateWohl

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#8

Verkehrsberuhigung

in Liebe und Leidenschaft 19.11.2006 18:10
von Krabü2 | 797 Beiträge | 797 Punkte
Hallo GW :-)
Ein Appell an die Sinnlichkeit, nein, sogar eigentlich ein registriertes Einverständnis (mindestens) zweier Menschen ggb. (innerem) Frieden und Entspannung und das Innehalten - ganz bewusst? - in einer (Liebes-)Beziehung? Das 'Weg vom Fastfood-Dasein' oder auch Geduld? So fasse ich Deine Zeilen auf, die mir zusagen, die ich gern gelesen habe. Wobei ich durch die einklingenden Metaphern ein Hadern herauszulesen meine, also doch auch unterschwellige Ungeduld?
Auf jeden Fall ein interessanter Text. Ich störe mich nicht an der 'tortengleichen Aufteilung der Augenblicke'. Das Kernstück scheint mir die mittlere Strophe zu sein. Sie spiegelt Freiheit und das Annehmen dessen, was real ist, also.... so lese ich sie.
Auf Gedeih und Verderb.
Ja, ich empfinde das auch als wohlgeraten.
Grüße
Uschi

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#9

Verkehrsberuhigung

in Liebe und Leidenschaft 23.11.2006 15:04
von kein Name angegeben • ( Gast )

Zitat:

Gletscher schmilzen etc.



Heißt das nicht: schmelzen? (lach, bin ich kleinlich...)

Klar, GerateWohl, ich verstehe was Du meinst, aber bei mir ist es oft anders, denn alles was ich einmal begonnen hab, führe ich meist nicht zu ende oder ich zerreiße das Werk und beginne ein neues Stück, in der Hoffnung, das kann beschreiben, was ich auszudrücken vermag...

Nur manchmal fehlen mir eben die Worte und alles verläuft sich im Sand.

Alles Liebe,

Huhmannfrau (buh)

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