http://www.E-LIEratum.de
#1

Unerhört

in Liebe und Leidenschaft 08.11.2006 11:48
von Olaf Piecho (gelöscht)
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Gebeugt über den Brunnenrand
Sehe ich nichts
Nur sanfte Kühle
Hallt aus tiefer Nacht

Blut an meinen Händen
Dir entgegen
Fällt die Spindel
Und trifft auf deinen Ruf

Mit einer Winde nun
Fahr ich hinab
Versinke ohne Macht
Stiller wird es, fremd

Musik durchdringt mich
Leis und unerhört
Windest du mich tiefer
Noch tiefer in den Schacht

Dem hellen Murmeln
Folge ich zur Quelle
Tränke mich, lass mich kosten
Von dir, mein Leben

Und gib sie mir zurück

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#2

Unerhört

in Liebe und Leidenschaft 08.11.2006 18:13
von Albert Lau (gelöscht)
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guten tag, her piecho,

es tut mir leid, aber dieses kind ist in den brunnen gefallen. jedenfalls kann auch ich so angestrengt über den rand in dieses loch gucken, wie ich nur will, ich sehe auch nichts. nur absolute leere gähnt mir entgegen, das ist die einzige synästhesie, die ich hier empfange. mir hallt keine kühle entgegen, nur folgender sachverhalt:

das lyrische ich spinnt, plötzlich hört es einen ruf, erschrickt und sticht sich in den finger, rennt mit der spindel in der hand zum brunnen und schaut hinein, sieht aber nichts. die hallende kühle ist sanft. warum ich das erwähne, weiß ich nicht, vielleicht relaxiert die sanftheit derart, dass das lyrische ich neben dem blut aus dem finger die spindel fallen lässt, welche mit dem ruf zusammenprallt. Jetzt schnappt sich das ich eine winde und fährt in den schacht ein, wobei es vor stille (das rufen wurde durch die spindel erschlagen) und fremdheit ohnmächtig wird.

auf einmal durchdringende musik. Nicht etwa ohrenbetäubender lärm, nein unverschämt leise und dadurch um so hinterhältiger durchdringend. ah nein, stimmt nicht, das bezieht sich ja auf das winden. also hat das lyrische ich während der ohnmacht auch noch die winde fahren lassen und jetzt übernimmt das lyrische du, das ehemals rufende, die überwindung der tiefe. ganz tief unten ist aus dem rufen und der durchdringenden musik ein murmeln geworden. Das lyrische ich mutiert zum vieh, tränkt sich und ist so besoffen, dass es alle regeln der grammatik fahren lässt

es endet mit dem stoßseufzer: mein leben! ich ende mit: meine güte!

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#3

Unerhört

in Liebe und Leidenschaft 08.11.2006 19:59
von Olaf Piecho (gelöscht)
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Sehr geehrter Herr Lau,

meine Güte, wohl gemerkt, nicht Ihre. Richtig erkannt und nichts verstanden. Dennoch vielen Dank für die freundlichen Anmerkungen. Sehr amüsant, wirklich.
Die Schlußzeile ist tatsächlich beim Übertragen weggerutscht. Aber sie wird ihr Wohl nicht schmälern. Und dafür, dass ich es bemerkte (auch wenn es nicht ihre Absicht war) merci.

Hallo Huhmannfrau,

beschrieben wird ein Prozess der Selbstfindung. Das LI macht sich auf den Weg und findet zu seiner Quelle. Mehr möchte ich gar nicht ausführen. Aber lieben Dank für dein Lesen, für deine Kommentierung.

Grüße von Olaf

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#4

Unerhört

in Liebe und Leidenschaft 08.11.2006 22:23
von Albert Lau (gelöscht)
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ja, herr piecho, das ist immer leicht gesagt, dass der leser nichts verstanden hat. ebenso leicht sage ich ihnen, dass ich sehr wohl ahnte, worauf sie hinaus wollten. wenn sie es mir aber so sehr sprachlich beeinträchtigt präsentieren, dann mag ich das nicht. dann nehme ich sie beim wort, das kann einem dichter schon einmal passieren.


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#5

Unerhört

in Liebe und Leidenschaft 09.11.2006 00:22
von Olaf Piecho (gelöscht)
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Noch leichter ist es, sich auf den Hochstuhl zu setzen und auf Hasen zu schießen. Herr Lau, ihre liebenswerten Anmerkungen beglücken mich, zudem ich ähnliche (bessere kann ich nicht sagen, da ich Hernn Lau nicht weiter kenne) präzise Analysen eines Herrn Griebe mag und diese für mich nichts anderes als Kultstatus besitzen.
Um es klar zu sagen: Kritker wie Sie es sind, gönne ich von Herzen ihre schneidigen Fechtereien. Nur, pardon der Herr, verschonen Sie mich damit. Sie sind möglicherweise sogar herausragend in ihrem Fach, warum auch nicht. Doch würde ich in ihre Schule gehen, ich wäre bald der Kai der Schneekönigin.
Da ich nun aber ganz mein eigener Herr bin - und sei sie noch so beeinträchtigt, meine Sprache - setze ich mich lieber mit anderen an den Ofen, so wird mir schneller warm - und darum geht es (mir).
In diesem Sinn grüße ich hochachtungsvoll. Und nehmen Sie mich beim Wort, dagegen habe ich nichts.

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