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#1

es war einmal

in Philosophisches und Grübeleien 02.10.2006 18:20
von DOCC (gelöscht)
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als der mond noch ging und gut war,
still und alt mit silberschein,
war ein zauber in den tönen,
war ein sein und noch kein sehnen,
konnten wir noch kinder sein.

als der wald noch finster drohte,
hexen, räuber zwischendrein,
war kein zweifel in den sagen,
war ein haben und kein jagen,
konnten wir noch kinder sein.

heute ist der mond bewandert,
wald vor bäumen nicht in sicht.
immer wird ein sinn erkundet,
immer wird streng abgerundet:
kinder, ich beneid’ euch nicht!

© U. Würsig 2006

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#2

es war einmal

in Philosophisches und Grübeleien 02.10.2006 19:40
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Oh ja, früher war doch alles besser!

Hi DOCC

Hier sehe ich nun absolut nicht ein, wieso Du alles klein schreibst. Es ist dadurch auch etwas mühsam zu lesen (sein/Sein.... sagen/Sagen). Natürlich merkt man schon, was Du meinst, aber sehr sinnvoll finde ich es nicht.

Ich dachte zuerst an ein Märchen und freute mich schon, aber dann, aber dann ... Ich kann mit der Aussage nicht sehr viel anfangen und finde, jedes Zeitalter hat seine Vor- und Nachteile. Vor allem, weil in der 2. Strophe ja von Hexen und Räubern die Rede ist. Sind die damals besser gewesen, als unsere heutigen Hexen und Räuber? Die kleideten sich doch bloss anders und hatten nicht so funktionstüchtige Waffen. Ach, ich scherze ein wenig, sorry.

Ich find's schön gedichtet, aber der Aussage kann ich mich nicht anschliessen.

Gruss
Margot

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#3

es war einmal

in Philosophisches und Grübeleien 02.10.2006 19:43
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo DOCC,

das ist ja mal eine interessante Variante. Der kahle, wüste Mond als sinnbild einer erfüllten Kindheit und der dichte Wald als Schreckensbild der Gegenwart. Das ist ungewöhnlich. Mag mir in der Form auch nicht unbedingt schmecken. Die Aussage leuchtet mir schon ein, und in dem Wald vor lauter Bäumen sehe ich einen Blick auf die bunte Reizüberflutung, der die Kleinen heute ausgesetzt sind, doch finde ich die alt/neu-Gegenüberstimmung nicht ganz stimmig.
Mir ist auch nicht ganz klar, ob mit den nicht beneideten Kindern am Schluss nun die Kinder von heute oder die Kinder von gestern gemeint sind, die nach ihrer zwanglosen Kindheit nun älter mit ihren Sehnsüchten und Zukunftsbezogenheit konfrontiert werden.

Formal liegen mir zwei Dinge quer. Zum einen das doppelte Sein in den letzten beiden Versen der ersten Strophe, bin mir aber völlig unklar, wie man das sonst lösen sollte. Und die Elision in der letzten Zeile "kinder, ich beneid’ euch nicht!". Ästhetisch etwas besser fänd ich die Variante "kinder, euch beneid’ ich nicht!" Das läse sich irgendwie besser, denke ich.
Was ich gut finde, wie konsequent Du diese doch recht strenge Struktur hier durchhällst mit dem nicht trivialen Reimschema und den Wiederholungen in dem jeweils 3. und 4. Vers.
Den letzten Satz der ersten und zweiten Strophe sehe ich in der letzten Strophe aber auch nicht so recht kontakariert.
Inhaltlich gefällt es mir gut, finde es aber in der Umsetzung nicht unbedingt gelungen.

Viele Grüße,
GerateWohl

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#4

es war einmal

in Philosophisches und Grübeleien 02.10.2006 20:10
von Joame Plebis | 3.509 Beiträge | 3398 Punkte
Hallo Docc!

Es war einfach der Mond, den Du Dir ausgesucht hast,genausogut hätte es etwas anderes auch sein können.
Damit begannst Du Deine Aussage und führtest sie weiter.
Was Du zum Ausdruck bringen willst, ist verständlich.

Die etwas störende Kleinschreibung wurde bereits angesprochen.
Wie gut man es findet, richtet sich nach dem Maßstab, den man anlegt. - Ich lege im Moment keinerlei Maßstab an,
bin schon sehr zufrieden, wenn jemand so engagiert schreibt. Die Steigerungen kommen meist von selbst, ebenso sind Überarbeitungen jederzeit möglich.

Ob die Aussage gefällt, ist eine Sache der Perspektive.
Mir gefällt sie, wenn ich selbst eher zu einer anderen Art neigte.

Freundlichen Gruß
Joame

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#5

es war einmal

in Philosophisches und Grübeleien 05.10.2006 10:11
von Alcedo • Mitglied | 2.529 Beiträge | 2351 Punkte
eine Strophe Vollmond,
eine Strophe Neumond,
eine Mondfinsternis.

hallo DOCC

mal angenommen der Mond steht für das Dionysische und das grelle Hitzegestirn (von dem hier ja vordergründig keine Rede ist) für das Apollonische.
allein in S3Z3 wird von Sinn gesprochen, von Erkundungen. spontan deute ich das so: wer einen marmornen Apoll mit Interesse bei Tag erkundet der ist für die Unbekümmertheit der juvenilen Nacht verloren.

ein Kind steckt Gänseblümchen zwischen Apollons Zehen, bemalt seine Eier mit Hagebutten, oder benutzt die griechische Nase als Mittelpunkt für Kastanien vor der Zielscheibe des Mondes.
sind wir, Anhänger Dionysos', noch Kinds genug dazu?

ich sag mal ja! und betone gleichzeitig dass mir deine Conclusio ziemlich am Bedarf vorbeigeht. hab ich Bedarf gesagt? ich meinte Realität.
wie auch immer, ich spreche ja nur für mich, allenfalls noch für ein paar Panflöten wie mich.

bängerängeräng
Alcedo

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#6

es war einmal

in Philosophisches und Grübeleien 05.10.2006 11:19
von DOCC (gelöscht)
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Ein Hallo und allen Kritikern meinen Dank,

Ja ja: guter Mond, du gehst so stille... Also ich habs noch vorgesungen bekommen, ich habs noch vorgesungen, mein Sohn singts seinem Kind nicht mehr, weil er singen blöd findet, sich schämt oder was weiß ich. Bestenfalls dudelt eine CD.
Auch die Märchenkenntnis unserer Kids hat sich, so konnte ich jüngst in einer kleinen Studie lesen, dramatisch verringert. Es bleiben ein paar Standards, die zumeist bei Disney zerquält wurden, aber mit Schneeweißchen und Rosenrot z. B. kann kaum noch einer etwas anfangen. Erschreckend war für mich auch, dass diese Studie von unkonformen Märchen sprach: so wird der Hans im Glück bewußt oder unbewußt nicht mehr verbreitet, weil es dem Erfolgsstreben und verschiedenen Mehrwertstrategien zuwiderläuft.
Naja, egal.
Nun kann man sich da natürlich drüberstellen und sagen: ja es gibt zu jeder Zeit Gutes und Schlechtes. Das hab ich auch gar nicht bestritten - ich hab nur einen winzigen Ausschnitt aufgetan, wo ich der Meinung bin, dass a) bestimmte wärmende und kindheitsformende Dinge verloren gehen und b) mit zunehmenden Erkenntisgewinnen (GW nannte es auch Reizüberflutung) oder mit zunehmender eigener Abgeklärtheit Phantasieverlust einhergeht. Und das finde ich nicht so bejubelnswert. Punkt.
Es ist und bleibt aber in Summe ein Diskussionsangebot...ich wüßte nicht, wie gegenzusteuern wäre, wenn man es denn will.
Die angesprochenen formalen Schwächen muss ich mir überlegen, da wird sicher eine Überarbeitung nötig sein. Zur Zeit stört mich wirklich das angesprochene "beneid'" am meisten.
Nochmals Dank und Liebe Grüße von
DOCC

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#7

es war einmal

in Philosophisches und Grübeleien 05.10.2006 11:45
von Joame Plebis | 3.509 Beiträge | 3398 Punkte
Hallo Docc!
Ich beneide Kinder nicht!
Gruß von Joame

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