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#1

Eine Beleidigung...

in Kommentare, Essays, Glossen und Anekdoten 24.09.2006 14:52
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte
Eine Beleidigung...

Eine der schlimmsten Beleidigungen, die ich in letzter Zeit erlebt habe, war die Tatsache, dass C. Theron eine hässliche Frau spielte und – sozusagen als I – Tüpfelchen – alle Welt voller Bewunderung für Sie und Ihre Leistung war.

Das war und ist nichts anderes als eine Beleidigung, aller hässlichen Menschen. Man komme mir jetzt bitte nicht mit solchem Schnuddelkram wie: Es gibt doch keine hässlichen Menschen. Natürlich gibt es die. Gäb’s die nämlich nicht, dann... aha, danke, na also.

In der Bewunderung für Ihre Leistung schwang meistenteils ein: Wie hat Sie sich so etwas nur antun können? Bis hin zu: Mut zur Hässlichkeit.

Nun, Häßliche können gar nicht aus ihrer Haut raus und tun sich das ergo jeden Tag und auch bei Dunkelheit an. Häßliche sind 24 Stunden bärenstark und bärenmutig. Wie beleidigend ist es dann also, wenn sich ein schöner Schwan hässlich macht und der Rest der Welt Beifall klatscht?

Da nehmen sich doch Quasimodo und ich in den Arm und denken: Man was für Arschgeigen!

PS: Den Oscar hat die dumme Sau natürlich nicht in ihrer Maske abgeholt.

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#2

Eine Beleidigung...

in Kommentare, Essays, Glossen und Anekdoten 24.09.2006 21:56
von Haselnuss (gelöscht)
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Meinst du den Film 'Monster', in der Charlize die beste weibliche Hauptrolle spielte? Ihr wurde auch der Golden Globe verliehen, so weit ich weiß.

Sie hat eine Facette des Lebens gespielt. Es ist falsch, uns das Leben immer nur als schön vorgaukeln zu wollen.

Frage: Sind alle Hässlichen dieser Welt Monster? Was ist Hässlichkeit? Ist die Definition nicht immer subjektiv, so, wie bei Schönheit auch? Selbst Quasimodo ist nicht hässlich, meiner Meinung nach - und den langen Hals eines schönen Schwans empfinden manche Menschen als hässlich.

Ich sehe hier keine Beleidigung, wohl aber die Notwendigkeit, den Menschen den Begriff 'Hässlichkeit' zu erläutern, denn es gibt ebenso wenig eine 100%ige Hässlichkeit wie eine 100%ige Schönheit. Es wäre falsch, bei beiden ein Schema anzulegen, an das sich die Menschen halten müssten.

Das von mir.

Lieben Gruß
Haselnuss

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#3

Eine Beleidigung...

in Kommentare, Essays, Glossen und Anekdoten 24.09.2006 23:09
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Nichts verstanden, nussige Hazel, absolut nichts. Die Frage ist doch, warum nicht eine der vielen, hervorragenden Schauspielerinnen das Monster verkörpern durften, die auch so aussehen. Nein, da wird eine landläufig Schöne stundenlang in die Maske geseteckt, um eine Hässliche zu markieren, und am Ende wird sie, natürlich wieder als Schöne, dafür abgefeiert. Selbstverständlich ist das eine Beleidigung. Die Hässlichen sind sogar zu hässlich, die Hässlichen zu spielen, u.a. weil sie zur Preisverleihung eben diese hässliche Maske nicht abnehmen könnten.

Großartiger Kommentar, Brot, ich schließe mich an. Und ich empfehle die Lektüre von "Wir werden alle Fiesen killen" von Boris Vian.

P.S.: Quasimodo ist nicht hässlich? Was soll der Scheiß? Nimmst du zuviele Drogen? Abgesehen davon, dass es eine literarische Figur ist und nur in der Vorstellung existiert, funktioniert sie nur als hässlich. Sie ist per definitionem hässlich. Der Leser hat sich diese Figur als das vorzustellen, was er mit dem Adjektiv "hässlich" verbindet. Und Meralda ist schön. Punkt. Vielleicht weniger Disney gucken.

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#4

Eine Beleidigung...

in Kommentare, Essays, Glossen und Anekdoten 25.09.2006 00:29
von Haselnuss (gelöscht)
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Nix verstanden, Mattes, rein gar nix.

Vielleicht, Gutster, schien Charlize - trotz deiner Bedenken - als Einzige für diese Rolle geeignet zu sein - und hatte nichts dagegen, weil es ja nur eine Rolle ist? Es wäre natürlich ein Gag gewesen, wenn sie zur Preisverleihung in Maske gekommen wäre und in einer ihrer vielen Sprachen die Dankesrede gehalten hätte. Vielleicht hätten die Zuschauer den Saal mit brummendem Gedärm verlassen. Ich bin sicher, Charlize hätte sich ausgeschüttet vor Lachen.

Zu deinem PS: Nein, ich sehe Quasimodo nicht als hässlich an, auch, wenn ich (ganz bestimmt sogar) zu viel rauche - per definitionem.

Hmm.. Trug Meralda nicht eine Perücke, anstatt ihre eigenen Haare zu zeigen? Ich erinnere mich an die Premiere - in Berlin. Stehende Ovationen.

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#5

Eine Beleidigung...

in Kommentare, Essays, Glossen und Anekdoten 25.09.2006 11:12
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Ja, so wird es gewesen sein, du hast bestimmt recht. Die Tatsache, dass wir kaum mittelalte oder auch nur durchschnittlich modellierte Schauspielerinnen in dankbaren Rollen sehen, liegt sicher nur am Talent. Oder an allen beiden Talenten. Und dass die Theron den Film koproduzierte hat sicher auch nichts mit der Besetzung zu tun.

Abgesehen davon, dass es sehr wohl eine ähnliche Beleidigung ist, so wie die früheren Blackface-Nummern, wenn weiße Schauspieler Schwarze mimten oder auch Gwyneth Paltrow im Fettsackkostüm in "Schwer verliebt", ist es noch nicht einmal gut (von wegen beste Besetzung). Ich las gerade eine Kritik, die ich hier zitieren will:

Was das "Monster" aber endgültig zur Parodie macht, ist dessen Besetzung mit Charlize Theron (großes Bild). Wer bloß kam je auf die Idee, dass die Performance attraktiver Darstellerinnen Oscarreife erhält, sobald sie Proletten spielen, die scheinbar keine Zeit und Lust zur Körperpflege haben? Abgesehen davon, dass niemand mehr Wert legt auf äußeres Erscheinen als gerade jene, funktioniert solch absichtvolles Verhässlichen niemals. Halle Berry in "Monsters Ball" (noch ein Ungetüm im Titel) war lediglich unglaubwürdig. Theron aber mit ihrer steifgeschminkten Gesichtmaskerade, den geairbrushten Mitessern, dem grauenhaft abkopierten Haare-trotzig-nach-hinten-Werfen, ihrem ungelenken Posieren mit Bierdose, Kippe und Baseballkappe - Theron offenbart mit jeder einzelnen Geste, dass sie nichts, aber auch gar nichts aus Wuornos Leben an sich heran lassen will. (Urs Richter)

Offenbar gibt es auch andere, die Theron nicht für die beste Wahl erachten. Ich als Proll kann dem Mummenschanz jedenfalls nichts abgewinnen. Wozu musste die Maske überhaupt sein? Hätte sie ohne ein Pfund Schminke in Prollklamotten und mit fettigen Haaren nicht überzeugend spielen können? Das wäre bestenfalls Mut zur Hässlichkeit gewesen, sich selbst in all seiner Hässlichkeit zu zeigen. Dann wäre es ja auch möglich gewesen, die Wournos in einem selbst zu entdecken. So aber spielen wir Maskenball und hinterher feiern wir das beste Kostüm und die Porträtierte ist längst hingerichtet. Tja, Pech gehabt, hätte sie eben beizeiten das Kostüm abgelegt, das konnte die Theron doch auch.

Mattes

P.S.: Premiere in Berlin? Reden wir von zwei unterschiedlichen Dingen? Wenn du Quasimodo (= halb gestaltet) nicht als äußerlich hässlich ansiehst, dann hast du den Roman nicht verstanden, nicht verstehen können, denn Quasimodo ist das Abbild der Hässlichkeit. Aus diesem Grund verbietet sich z.B. auch, diese Rolle etwa ohne Maske spielen zu lassen. Wenn ich das "Monster" Wournos nun auch nur mit Maske meine spielen zu können, zeigt das lediglich, für wie hässlich ich es erachte. Und das ist natürlich nicht beleidigend, ganz klar.

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#6

Eine Beleidigung...

in Kommentare, Essays, Glossen und Anekdoten 25.09.2006 12:48
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte
Überall sind die Weiden von der Kuh besetzt... .
Schön daß dieser Text provozieren konnte. Ich sehe es wie Kuh und deshalb wählte ich auch - zugegeben instinktiv - Quasimodo. Füge noch eines hinzu: Wenn ich bei den BBC Reportagen sonntagsmorgens richtig aufgepasst habe, dann ist der Schlüssel zu dem was wir als schön empfinden: Symetrie. Das dürfte den Lyrikern gefallen, oder? Vielleicht kehrt sich das mal um. Quasimodo nun, der ist in meinen Augen absolut unsymetrisch. Aber das ist alles sekundär. Denn die Unterscheidung bleibt und ich wette sie wird nicht beliebig sein. D.h. es wird ein Mainstream Schönheitsideal geben - spätestens die Werbeindustrie wird dafür sorgen - und das was dem nicht entspricht beginnt häßlich zu werden bzw. ist häßlich.

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#7

Eine Beleidigung...

in Kommentare, Essays, Glossen und Anekdoten 25.09.2006 14:09
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
Nur kurz eine Frage zu Quasimodo, mattes: Natürlich ist er die Hässlichkeit per se. Er wird so beschrieben, aufgebaut - sonst würde der Text nicht funktionieren. Doch wird dieser Glöckner doch (vielleicht letztlich auch aus Mitleid aufgrund seiner Hässlichkeit/Liebe) Sympathieträger beim Leser. Wenn dies nicht so wäre, dann würde der Text in die andere Richtung nicht funktionieren. Insofern bin ich der Meinung, dass ihm im Laufe des Textes viel von seiner Hässlichkeit (aufgrund der Sympathie) genommen wird oder besser: überdeckt wird - was aber für den Leser erst einmal keinen Unterschied macht. Meinst du nicht?

Zu dem Text hier und den Kommentaren kann ich erstmal nur feststellen, dass ihr das Genre Film pauschalisierend verurteilt. Oder geht es euch nur um Hollywood-Filme? Oder ärgert euch der Fakt, dass eine (offensichtlich) nicht hässliche Schauspielerin das Monster-Kostüm aus und das Glanz-Kostüm anzieht und sich feiern lässt, dass sie das ganz ohne Fingernagel-abbrechen geschafft hat? Mein Gott, dann wurde eben eine Hässliche Rolle von einer Unhässlichen gespielt. So what? Man wird in Hollywood sicherlich genug solcher Beispiele finden. Sich diesen einen Film herauszusuchen, greift - so finde ich - zu kurz. Der Text geht nicht an die Wurzeln - er problematisiert nicht, stellt keine Fragen hinsichtlich des "Warums?". Er bleibt beim ankreiden, beim Fingerzeig, ohne dahinter steigen zu wollen, wie es überhaupt sein kann, dass man die Finger zeigen muss. Zuletzt noch: warum nimmt der Erzähler Quasimodo in den Arm? Aus Mitleid, aus Verbundenheit? Damit wird, wie oben beschrieben gerade das gemindert, was man hervorheben wollte - die Hässlichkeit. Und dass die Hässlichkeit der Welt vorhanden ist, und dass man sich wünschen würde, dass Hollywood-Filme dieser eben auch gerecht wird, darin sind wir uns einig. Gar keine Frage.


Grüße,
AB.

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#8

Eine Beleidigung...

in Kommentare, Essays, Glossen und Anekdoten 25.09.2006 18:05
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte

Zitat:

dass ihm im Laufe des Textes viel von seiner Hässlichkeit (aufgrund der Sympathie) genommen wird oder besser: überdeckt wird - was aber für den Leser erst einmal keinen Unterschied macht. Meinst du nicht?



Auch wenn die Frage an Mattes gerichtet war antworte ich mal auch: Natürlich. Ich stelle in meiner Beleidigung ja nicht die Behauptung auf, daß alle Häßlichen Charakterkrüppel sind. Das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun. Nur ist es auch so, und das ist meine bescheidene Meinung, daß Häßlichkeit für die allermeisten ersteinmal abstoßend wirkt.
Natürlich muß sich jetzt keiner direkt angesprochen fühlen. Nur darauf setzt auch ein Hugo. Wenn es nicht so wäre würde der Text auch nicht funktionieren. Denn wo hätte Quasimodo denn dann ein Problem? Ergo: der Häßliche ist per se benachteiligt. Was seine Häßlichkeit ausmacht, das ist Nebensache. Auch ich verweise - Achtung Spoiler -auf den Vian Roman: da dreht es sich am Ende um; die Schönen sind die Fiesen. Wenn der häßliche Mensch benachteiligt ist, so ist es doch frech, wenn die nicht benachteiligte Schönheit das häßliche Entlein spielt, den Ruhm erntet und die Maske wieder ablegt.
Natürlich habe ich auch an die Filme gedacht, wo weiße Schauspieler Schuhcreme aufgelegt bekamen um Schwarze zu mimen. Das ist doch wohl frech, oder?


Zitat:

dass ihr das Genre Film pauschalisierend verurteilt.



Niemals. Ich liebe Filme. Ich bin damit großgeworden. Ich halte die Filmkunst für genaus wertvoll wie die Literatur. Ich habe in Deutschland vielfach den Eindruck, daß Filme immer noch so was wie Bahbah sind und Bücher hier immer als höherwertig eingestuft werden. Das ist in meinen Augen völlig daneben. Meist gipfelt es bei einem auf einem Roman basierenden Film in der Kritik: Das stand aber so oder gar nicht im Buch. Furchtbar.

Abschließend: Quasimodo ist Stellvertreter aller Häßlichen in meiner Beleidigung und diesen nehme ich nicht nur aus Verbundenheit in den Arm sondern weil auch ich mich der Gruppe der Häßlichen zugehörig fühle. Zumindestens bin ich häufiger so bezeichnet worden. Allerdings Lichtjahre vom Schiksal eines Quasimodos entfernt.

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#9

Eine Beleidigung...

in Kommentare, Essays, Glossen und Anekdoten 25.09.2006 18:21
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Ach, was waren das noch für gute Zeiten als in Freaks noch echte Freaks spielten und wie in "Gotes vergessene Kinder" Taubstumme noch von echten Taubstummen gespielt wurden.
Oh, ein jüngeres Beispiel gibt es noch. Christopher Reeve im Rollstuhl beim Remake von Fenster zum Hof.Trotzdem ein überflüssiger Film.
Ach, es gibt solche und solche. Meryl Streep war in Silkwood, für den sie ihren ersten Oskar bekam, so überzeugend prollig, dass es fast schon unerträglich war, ebenso wie Laura Dern und Nicolas Cage in "Wild at Heart"

Was wollte ich eigentlich sagen?
Weiß ich gar nicht mehr so richtig. Fiel mir nur gerade ein.

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#10

Eine Beleidigung...

in Kommentare, Essays, Glossen und Anekdoten 25.09.2006 18:55
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Dieser Film war meines Erachtens nach absolut überflüssig und: Ja, die Wahl der Hauptdarstellerin war ein Schlag ins Gesicht jedes hässlichen Menschen und: Ja, es gibt hässliche Menschen. Innerlich und äußerlich.

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#11

Eine Beleidigung...

in Kommentare, Essays, Glossen und Anekdoten 25.09.2006 20:27
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte

Zitat:

Ach, was waren das noch für gute Zeiten als in Freaks noch echte Freaks spielten und wie in "Gotes vergessene Kinder" Taubstumme noch von echten Taubstummen gespielt wurden.



OK. Mein Purismus mag komisch wirken - gerade wenn es um Film, also ja nicht wenig ums Verkleiden geht (welch diabolische Frage, Herr Boldt!) - und meine Verägerung wie wiederum von Herrn Boldt schon angemerkt: eben nicht allgemein nachvollziehbar ist.

Freut mich, daß ich hier einen kleinen Streit vom Zaun brechen konnte und nach wie vor kommt mir dieser Mummenschanz ums Monster verlogen vor.

PS: Hahahaha Herr Geratewohl - wissen nicht mehr was Sie schreiben? Schlechter Schurz wie?

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#12

Eine Beleidigung...

in Kommentare, Essays, Glossen und Anekdoten 25.09.2006 20:50
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte

Zitat:

Brotnic2um schrieb am 25.09.2006 20:27 Uhr:
PS: Hahahaha Herr Geratewohl - wissen nicht mehr was Sie schreiben? Schlechter Schurz wie?


Ja, ich glaube, ich weiss es wieder.
Ich wollte schreiben, dass ich froh bin, dass sie James Steward damals in "Fenster zum Hof" nicht wirklich das Bein gebrochen haben, damit er authentischer wirkt oder gar an seiner statt einen echten Beinbrüchigen aus der Notaufnahme gezerrt hatten, um die Rolle zu besetzen.

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