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#1

Kneipengast

in Kommentare, Essays, Glossen und Anekdoten 10.09.2006 14:45
von Haselnuss (gelöscht)
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Kneipengast

Es war schon gegen Morgen, als die Kneipentür quietschte und sich eine Gestalt aus dem rauchgeschwängerten Lichtkegel löste. Sie wankte die drei Stufen hinunter, riskierte einen Seitenblick in das Gassendunkel, stolperte und umarmte den Laternenpfahl.
"Schlampe, du, Arschwichser", tropfte mit dem Speichel aus dem Mundwinkel. Dann ein Schütteln und das goldene Holstenpils ergoss sich aufs Trottoir. Sie stierte in die Pfütze und lachte; versuchte, sich auf ein Spiegelbild zu konzentrieren.
"Arme Sau - früh am Morgen und keiner hilft dir", dachte ich und steckte ihr einen Zehner in die Jackentasche - für das Taxi nach Hause.

(copyright)

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#2

Kneipengast

in Kommentare, Essays, Glossen und Anekdoten 10.09.2006 17:23
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Hazel,

das Ding hätte ich eher in den Rubriken Kurzgeschichten oder Zwischenwelten vermutet, da es weder ein Essay, noch eine Glosse oder ein Kommentar ist, meiner Meinung nach.

Ansonsten ist die Situation sprachlich gut beschrieben. Dennoch würde ich den Ich-Erzähler zu Beginn irgendwo positionieren. Ansonsten wundert man sich, dass der am Schluss hier aktiv wird.

Die Situation, die Du hier schilderst ist ja auch recht bizarr. Zuerst denkt man auch "Arme Sau", dann ist man doch fast entsetzt, wie der Ich-Erzähler einem am Boden in seiner Kotze liegenden Menschen einfach nur Geld zusteckt, obwohl das gerade nicht das zu sein scheint, was derjenige eigentlich braucht, nämlich physische Hilfe. Das macht das Bild, das Du hier zeichnest natürlich noch desolater.
Kein schönes Bild. Aber gut beschrieben.
Schreib mal länger. Das hier ist ja kaum mehr als eine Notiz. So 'nen bisschen dadurch nichts Halbes und nichts Ganzes.

Schöne Grüße,
GerateWohl

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#3

Kneipengast

in Kommentare, Essays, Glossen und Anekdoten 10.09.2006 17:54
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Hi Nuss

Ich hänge mich da an GW dran. Geschrieben ist es wohl nicht schlecht, aber es ist etwas wenig. Die Umkehrung überrascht einem etwas, aber ein richtiges "Teufel auch" entkommt mir nicht. Es ist eine kleine Anekdote, die man jemandem erzählen kann, aber mehr nicht.
Aber es sollte wohl nicht s Besonderes werden.

LG Gem

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#4

Kneipengast

in Kommentare, Essays, Glossen und Anekdoten 10.09.2006 20:24
von Haselnuss (gelöscht)
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Hallo GS,
Hallo Gemini,

vielen Dank für Eure Kommentare! Ich freue mich, dass Ihr Euch mit den Zeilen befasst habt, so kurz sie auch sind.

Gemini, was meinst du mit 'Umkehrung'?

Euch reicht mein Geschreibsel nicht.
Richtig, mein Eintrag sollte nichts Besonderes werden. Ich hätte ihn sogar unter dem Titel 'Nichts Besonderes' einstellen können. Das Stück ist nur ein Ausschnitt aus einer größeren Sache, aber eine in sich abgeschlossene 'Kurzgeschichte'. Für eine echte Kurzgeschichte (durchschnittlich 5000 Worte) ist sie viel zu kurz. (Jaha, GS, ich habe schon längere Sachen geschrieben, aber nicht hier im Forum.)

Für mich ist sie deshalb eine Glosse, weil ich in ihr in einem Kurzblick des Außenstehenden ein menschliches Verhalten darstellte. ("Arme Sau" - das war's.) Mit dem 'Ich' ist hier die menschliche Gesellschaft gemeint, die ich nicht mit 'man' umschreiben wollte. Darum habe ich auch direkt in das Geschehen hineingeleuchtet, ohne eine große Einleitung zu schreiben.

Sicher, nicht alles ist positiv, was sich uns bietet. Aber ich denke, wie du auch, GS, man sollte es nicht unter den Teppich kehren, sondern ruhig einmal der Umwelt zeigen, was sich auf unserem Globus in den Nebenstraßen tut. Es bleibt dann dem Leser überlassen, wie er darüber denkt.
Übrigens - die Person liegt nicht in ihrer Kotze. Ich habe nichts vom Stürzen geschrieben. Die Person stiert nur in die Bierpfütze. Das tun viele Betrunkene, denen der heruntergekippte Genuss wieder herauskommt.

In die Rubrik 'Zwischenwelt' in der Bedeutung von 'kleine Welt in der großen' oder 'kleine Welt, an der man vorübergeht' hätten die Zeilen sicherlich auch gepasst.

Bis zum nächsten Mal liebe Grüße an Euch!
Haselnuss

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#5

Kneipengast

in Kommentare, Essays, Glossen und Anekdoten 11.09.2006 19:33
von Joame Plebis | 3.402 Beiträge | 3363 Punkte
Hallo Haselnuss!

Mir hat die Schilderung der Begebenheit gefallen und meine liebe Phantasie spielte sie mir gleich einem Kurzfilm ab.
Am Schluß hätte ich fast voreilig geglaubt (die Pointe erraten wollend), er habe das Geld seinem Spiegelbild zustecken wollen, das er mitleidsaufkeimend erblickt hatte.
Dazu hatte er aber zu wenig Promille.

Mit Gruß Joame

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#6

Kneipengast

in Kommentare, Essays, Glossen und Anekdoten 11.09.2006 22:51
von Haselnuss (gelöscht)
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Zitat:

Joame Plebis schrieb am 11.09.2006 19:33 Uhr:
Am Schluß hätte ich fast voreilig geglaubt (die Pointe erraten wollend), er habe das Geld seinem Spiegelbild zustecken wollen, das er mitleidsaufkeimend erblickt hatte.
Dazu hatte er aber zu wenig Promille.




Scharfzüngiger Witzbold, Du!
Nein, im Ernst - hier hat nur das Eine das Andere überkreuzt. Ich hätt's nicht hineingestellt, wenn mir eine gewisse Ähnlichkeit nicht aufgefallen und ich nicht auf die Reaktion im Forum gespannt gewesen wäre. (Die Fäkalien habe ich angeglichen *grins* - die in meinem Originalstück sind ein bisschen weniger rustikal.) Und siehe da....hehe!

Meine Protagonisten haben aber nichts mit den hiesigen zu tun. Da muss ich deine liebe Fantasie enttäuschen. Mitleid gibt es nicht überall.

Lieben Gruß, ganz ohne Promille,
Haselnuss

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#7

Kneipengast

in Kommentare, Essays, Glossen und Anekdoten 11.09.2006 23:05
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte

Zitat:

Haselnuss schrieb am 10.09.2006 20:24 Uhr:
Sicher, nicht alles ist positiv, was sich uns bietet. Aber ich denke, wie du auch, GS, man sollte es nicht unter den Teppich kehren, sondern ruhig einmal der Umwelt zeigen, was sich auf unserem Globus in den Nebenstraßen tut. Es bleibt dann dem Leser überlassen, wie er darüber denkt.


Ach, weißt Du. Ich finde, es gibt zu wenig brauchbare und interessante Schilderungen von den positiven Dingen des Lebens.
Andererseits gilt das auch für die negativen Seiten des Daseins.
Viele Leute widmen sich beim Schreiben gerne dem Elend, weil das den Anstrich hat, an sich schon interessant zu sein und über dieses zu schreiben darüber hinwegtäuschen kann, dass man eigentlich zu dem Thema nichts zu sagen hat.

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#8

Kneipengast

in Kommentare, Essays, Glossen und Anekdoten 12.09.2006 01:51
von Haselnuss (gelöscht)
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Hallo GS,
was ich als Autorin zu dem Thema zu sagen habe, steht nicht in diesem winzigen Auszug eines ziemlich langen Werkes von mir, das sich im Übrigen nur ganz am Rande diesem Milieu widmet. Es tut mir Leid, dir das sagen zu müssen; aber du verwechselst hier Äpfel mit Birnen.

Du wirst keine/n aktive/n Schreiber/in finden, der/die sich von der Leserschaft in eine von ihr gewünschte Schiene drängen lässt, wenn nicht ein Vertrag mit einem Medium abgeschlossen wurde, der dieses zur Auflage macht.

Ich hoffe, mit dieser Erklärung deine routierenden Zweifel ausgeräumt zu haben.

Liebe Grüße
Haselnuss

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