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#1

Ein Gedicht, das ein Appell sein könnte

in Philosophisches und Grübeleien 15.08.2006 18:15
von Roderich (gelöscht)
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Ein Gedicht, das ein Appell sein könnte,
aber lieber ein Gedicht bleiben möchte,
wie es mir unter vier Zeilen versicherte



Steckt mich nicht in
Schubladen.
Ihr solltet mal in meine eigenen
Schubladen sehen –
alles wirr durcheinander so
wie in meinem Kopf.

Manchmal
beziehen sich Gedichte tatsächlich
auf mich, auf meine Welt,
meine Einstellungen,
meine Gedanken.
Dieses hier ist so ein Beispiel.

Aber häufiger
sind Gedichte nichts Weiteres als
Gedankensplitter, die kurz
aufgegriffen werden, zu Papier
gebracht werden, geschliffen werden,
über alles mögliche.

Nichts,
das sich mit mir in Verbindung
bringen lässt, woraus man Rückschlüsse
ziehen könnte auf die Person, die
die Zeilen geschrieben hat auf
einem nicht mehr ganz so neuen Laptop.

Denn, im Grunde werden Gedichte
von drei Personen geschrieben:
Der Person, die man ist,
der Person, die man gerne sein möchte
und der Person, die man wäre,
hätte man einige Entscheidungen anders getroffen.

Drum glaubt nicht, mich
zu kennen oder zu verstehen.
Lest einfach nur meine Gedichte als
von mir unabhängige Gliedmaßen,
die tun und lassen, was sie wollen
mit euch.

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#2

Ein Gedicht, das ein Appell sein könnte

in Philosophisches und Grübeleien 15.08.2006 19:12
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Hahaha

Als hättest du in meinen Kopf geschaut.
So was aber auch.
Denkst du nun wirklich so, oder hat da dein Lyri, was ja so gar nix mit dem Autor zu tun hat, gesprochen?

LG Gem

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#3

Ein Gedicht, das ein Appell sein könnte

in Philosophisches und Grübeleien 15.08.2006 22:06
von Krabü2 | 797 Beiträge | 797 Punkte
Ja, Rod, genau sooo.
Dann doch wieder ein Seiltanzakt.
Aber letztlich stimmt es.
Zu weit weg liest frau/man aber auch raus.
Selbst zu sehr gefühls-gestricktes liest man raus.
Gute Literatur ist für mich die, die zu schreiben nötig war für den Autor. Das ist nicht zwingend oder dringend das ganz Eigene. Aber Literatur ohne den Kern, wo 'es' wirklich wehtut, wo es in Ebenen geht, die gern weggeschoben oder überdeckt werden, interssiert mich nicht so.
Ob das richtig oder falsch ist, weiß ich nicht. Es sei gesagt, dahingestellt. Neben Deinen sehr guten Text.
LG
U

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#4

Ein Gedicht, das ein Appell sein könnte

in Philosophisches und Grübeleien 15.08.2006 23:11
von Roderich (gelöscht)
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Einen wunderschönen guten Abend, die Dame und der Herr!

Vielen Dank für eure Kommentare.

@ Gem: Dass dir das gefallen könnte, habe ich mir schon fast gedacht. Aber auch wenn es dich enttäuscht, so habe ich das Gedicht nicht (nur) für dich geschrieben.

Was die Beantwortung deiner Frage betrifft, so verweise ich ganz unverfroren auf Strophe 2. Oder war es doch Strophe 3?

@ Uschi: Mit einer Literatur ohne Kern, wie du es so schön ausgedrückt hast, kann ich auch nicht viel anfangen. Meistens haben meine Texte irgendwo einen Punkt, an dem man sich festhaken kann und der nicht so leicht bekömmlich ist. Das muss natürlich nicht unbedingt autobiographische Züge tragen. Falls alle meine Gedichte autobiographisch wären, dann hätte ich mich eigentlich schon längst wegpusten müssen. Wenn ich da beispielsweise an Texte wie "Stilles Blut", "Dieses Gedicht", "Sie wissen nicht" oder "Die Augen der Toten" denke ...

Jedenfalls ist das hier nur mal eine Klarstellung, quasi eine "Bedienungsanleitung für Roderich-Gedichte" oder so. Wie bei allen Bedienungsanleitungen kann man sie auch getrost ignorieren.

Viele Grüße

Thomas

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#5

Ein Gedicht, das ein Appell sein könnte

in Philosophisches und Grübeleien 16.08.2006 00:29
von Haselnuss (gelöscht)
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Guten Morgen - ist ja immerhin kurz nach Mitternacht -, Roderich!

Hui, ein sehr persönliches Stück. Ich hab's rauf und runter gelesen, mehrere Male, die Wortwahl auseinandergepflückt; hab mir die Titelformulierung dazu angeschaut, genickt, die Stirn in Falten gezogen und wundernd den Kopf geschüttelt.

Eine ungewöhnliche Herangehensweise....aus dem Blickwinkel eines Gedichtes, das kein 'Ding' mehr ist, sondern dem Persönlichkeit gegeben wurde. So schien's mir, bis ich zur vorletzten Strophe kam, in der der Schreiber auftaucht und über sich berichtet, bis zum Schluss. Ich muss zugeben, dieser Mix bringt mich ein wenig durcheinander. Und wenn ich zwischen den Zeilen lese, kommen eine dritte und eine vierte Dimension dazu. Na, wenn all dies Deine Intention war, sind Deine Verse eine Spitzenleistung. Bravo!

Eine Anmerkung kann ich mir aber nicht verkneifen: Nur von drei Personen werden Gedichte geschrieben? Hm...was ist mit der Person, die ganz außen vor steht, beobachtet, wertet...- oder mit derjenigen, die sich in andere Personen hineinversetzt oder auch in Dinge (quasi ein Rollenspiel)? Zählen die nicht?

Eine 'Bedienungsanleitung für Roderich-Gedichte' seien Deine Verse, schreibst Du als Erklärung in Deinem Kommentar. Da fahren meine Antennen noch einmal heraus. Ich denke, es ist Zeit, dass ich mir all Deine Werke nochmals in aller Ruhe zu Gemüte führe. Ob dann wohl eine fünfte Dimension auftaucht? Hm....Roderich, puzzelst Du gerne?

Liebe Grüße
von einer etwas verwirrten Haselnuss

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#6

Ein Gedicht, das ein Appell sein könnte

in Philosophisches und Grübeleien 29.08.2006 23:57
von Roderich (gelöscht)
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Hallo Haselnuss,

sorry für die späte Antwort - war eine Zeit lang nicht hier.

Vier, fünf Dimensionen? Hoppla - ich bin zwar ein seltsamer Typ, aber mit so vielen Dimensionen kann ich nicht jonglieren, das wird mir zu viel.

Der Blickwinkel des Gedichtes trifft hier aber nur bedingt zu (um mal zumindest eine Dimension aus dem Spiel zu nehmen), denn das Gedicht ist immer noch aus der Sicht des lyr. Ichs geschrieben - selbst der Titel, wobei ich dem Gedicht seine eigene Persönlichkeit nicht absprechen möchte.

Was die schreibenden Personen betrifft, so ist für mich die Person, die außen vorsteht, immer ein wenig mit zumindest einer der anderen drei verbunden. Und die Person, die sich in andere hineinversetzt, tut dies entweder aus der Perspektive des tatsächliches Ichs, des Ichs, das man sein könnte oder des Ichs, das man gerne wäre. Insofern ist, glaube ich, alles abgedeckt.

Jedenfalls vielen Dank für deine Worte. Ich hoffe, ich habe nun alle Klarheiten beseitigen können.

Viele Grüße

Thomas

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