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#1

25/26 Mai – Jahre später

in Düsteres und Trübsinniges 26.05.2006 01:31
von kein Name angegeben • ( Gast )
25/26 Mai – Jahre später


Die Nacht vergießt
ungezählte Tränen,
sie rinnen an meinem
Fenster herunter
als Spiegelbild derer
die ich in mir vergieße

in Trauer um ihn
auf dessen Grab
ich damals tanzte,
blind und taub,
und taumelnd vor Glück,
und
in stiller Verzweiflung
denn wieder
habe ich den Dämon
zum Totentanz gebeten.

Ich sitze in der Dunkelheit
als mein eigenes Kind,
geboren auf Gottesacker,
versuche mir selbst
Vater und Mutter zu sein,
umgeben von den
verblassenden Bildern
zu lebhafter Erinnerungen,
doch ich bleibe allein
und ich habe
Angst.


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#2

25/26 Mai – Jahre später

in Düsteres und Trübsinniges 26.05.2006 19:05
von Ulli Nois | 554 Beiträge | 554 Punkte
Hallo Benno,

ist das die eigene Geburt, die das Ich hier beschreibt? Ist mit dem Dämon der Geist gemeint (von dem auch Sokrates spricht): der Genius, der die Seelen auf die Erde begleitet? Und weil jede Geburt auch ein Sterben ist, fällt das Ich in der Erinnerung an dieses Ereignis in tiefe Trauer und taumelndes Glück? Grammatisch ergibt "umgeben von den verblassenden Bildern
zu lebhafter Erinnerungen" für mich keinen Sinn - meinst du "lebhaften Erinnerungen"? Ich sehe hier das in die existentielle Einsamkeit gewoprfene Ich - aber bevor ich in diese Richtung weiterdeute, warte ich erst einmal deine Hinweise ab...

LG, Ulli

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#3

25/26 Mai – Jahre später

in Düsteres und Trübsinniges 27.05.2006 10:02
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Die Nacht vergießt
ungezählte Tränen,
sie rinnen an meinem <---hier würde laufen besser klingen
Fenster herunter
als Spiegelbild derer
die ich in mir vergieße

Die Nacht, sehe ich hier nicht als Nacht, sondern als Einsamkeit. Die Einsamkeit spiegelt die Trauer im Lyri wider. Es wird also nicht geweint, es wird nur alleine getrauert.

in Trauer um ihn
auf dessen Grab
ich damals tanzte,
blind und taub,
und taumelnd vor Glück,
und
in stiller Verzweiflung
denn wieder
habe ich den Dämon
zum Totentanz gebeten.

Mist, ich muss schnell weg.
Zusammenfassend: Hier wird um einen Menschen getrauert, dessen Tod damals noch nicht als besonders schmerzlich empfunden wurde. Im Gegenteil. Das Lyri tanzte auf seinem Grab. Jahre später, fehlt dieser Mensch allerdings und das Lyri gibt sich sogar teilweise die Schuld an dem Tod.

Alles vermag ich nicht zu erkennen, aber viele Beschreibungen dienen hier nur als Schmuck und haben mit der Handlung weniger zu tun.
So sehe ich den Gottesacker als die Beschreibung der Welt und Erde. Dies mag zwar ein schönes Bild sein, hat aber unmittelbar mit dem Inhalt nichts zu tun.
So, wegmuss

Edit: Schon wieder da

Der Dämon ist derjenige, der das Lyri in Besitz genommen hat. Das Lyri war besessen von dem Glauben, dass der Tod verdient war.


Ich sitze in der Dunkelheit
als mein eigenes Kind,
geboren auf Gottesacker,
versuche mir selbst
Vater und Mutter zu sein,
umgeben von den
verblassenden Bildern
zu lebhafter Erinnerungen,
doch ich bleibe allein
und ich habe
Angst

Die dritte Strophe hier zieht das Lyri den Schluss, dass es nun Jahre später alleine ist. Es sitzt hier in der Dunkelheit und erinnert sich an die damalige Zeit. Durch die persönliche Reife, sehen viele Bilder aus der heutigen Sicht anders aus.

Ulli hat Recht. Der Satz mit den Bildern komm hier nicht wirklich gut hervor. Grammatikalisch ist es wohl richtig, weil die Erinnerungen zu lebhaft sind. Obwohl es sinnbildlich doch nicht ganz richtig ist. Können die Bilder lebhaft sein und verblassen? Ich denke mit etwas gutem Willen könnte man es gelten lassen, aber wirklich fließend ist es nicht. Auch ich habe es mehrmals lesen müssen. Vielleicht kann man da noch etwas machen?

Insgesamt habe ich mich gut darin finden können, weil ich ähnliche Erlebnisse gehabt habe. Es hat mich etwas traurig gestimmt.
Jetzt ist aber alles wieder gut.

LG Gem

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