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#1

Nach dem Streit

in Liebe und Leidenschaft 01.05.2006 15:26
von Fabian Probst (gelöscht)
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Nach dem Streit

Der neue Tag zerstäubt im ersten Augenblick,
und feucht verdichtet er den Bruchteil der Sekunde.
Ein kleiner Traum erlichtet sich zu blankem Glück,
sogleich die ganze Ewigkeit zur letzten Stunde.

Im Rausch des Stoßes bricht sich aller Zweifel Grund;
vereint nur noch ein einzig Schatten zwei Konturen.
Ekstatisch windet sich des Schoßes fester Bund,
wischt mühelos Fragmente fort von dunklen Spuren.

Das Auf und Ab von Harmonie und Leidenschaft
ist wie ein Kampf, in dem man sich verlieren will
und der finale Krampf entlässt, empfängt den Saft;
ein Blick, ein Atmen wird zum Schrei, dann wieder still.


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#2

Nach dem Streit

in Liebe und Leidenschaft 02.05.2006 08:17
von Alcedo • Mitglied | 2.529 Beiträge | 2351 Punkte
xXxXxXxXxXxX
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xXxXxXxXxXxX
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schöne Verse, Fabian

Titel und erste Strophe haben mich sofort eingenommen.
meines Erachtens alles perfekt: Metrum, Bilderreigen, poetischer Sprachfluss.
danach wurden f. mich bei letzterem kleine Mängel fühlbar.
ich werd versuchen dies aufzuzeigen:

Anmerkungen:
Stoß als Singular, sollte evtl. ersetzt werden um Gegenseitigkeit zu bekunden, zB.:
Im Rausch des Stoßens ...
oder
Im Rausch des Aktes...
auch wenn dann der Binnenreim Stoßes-Schoßes gebrochen wäre.

Apostrophbeseitigung: einz'ger -> einzig

das Reimpaar Leidenschaft-Saft störte mich spontan beim ersten Durchlesen. Leidenschaft nachrangiger, wegen seiner Abgegriffenheit, aber Saft erschien/erscheint mir zu gossensprachlich und obszön. auch "Krampf" in der gleichen Zeile wirkt nicht besonders glücklich gewählt.
mir schwebte stattdessen eine Verwendung der Paarung lohnen-Konvulsionen vor, möchte mich da aber vorerst nicht weiter reinknien.

Am gelungensten empfand ich hingegen im gleichen Abschnitt die Verbaufreihung: entlässt, empfängt. Sie veranschaulicht am deutlichsten den Grundgedanken, das Leitmotiv des Gedichtes: Sexualität als gleichermaßen archaische wie effektive Kommunikationsform, beseitigt Sprachbarierren, löst Konflikte und befriedet Kontrahenten.

Gruß
Alcedo


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#3

Nach dem Streit

in Liebe und Leidenschaft 03.05.2006 15:01
von Fabian Probst (gelöscht)
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Vielen Dank. Dein ausführlicher Kommentar hat mich sehr gefreut.

Dazu:

Wenn ich "Stoßens" nähme, dann wäre es doch erst Recht einseitig, denn aktiv stoßen kann ja nur er. Aber den Stoß ansich empfinden und erleben können beide. Deshalb versteh ich dein Argument hier nicht.

"einzig" habe ich geändert.

Es ist ein tatsächliches verkrampfen und entspannen, dass den Orgasmus ausmacht. Ich finde das Bild auch deshalb gut, weil ich dabei Hände vor Augen haben, die sich in die Bettdecke krallen. Vielleicht leuchtet es dir so ein wenig besser ein. Es ist ja immer ein subjektives Empfinden.

Lohnen/Konvulsionen finde ich (auf zweiteres bezogen) etwas zu hochgestochen und ich wüsste jetzt auch nicht, wie ich das einbauen könnte. Aber interessant ist es allemal.

Nochmal Danke für deine Anmerkungen. Sie lassen mich andere Seiten erkennen an dem, was ich schreibe, und das ist hilfreich.

lg,Fabian

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#4

Nach dem Streit

in Liebe und Leidenschaft 04.05.2006 10:55
von Krabü2 | 797 Beiträge | 797 Punkte
Hi Fabian,
dieses Gedicht ist ausdrucksstark, alle Achtung.Retten, was zu retten ist, Gemeinsamkeit erzielen, Verbindung finden beim Sex, in dem das Selbst sich/seine Desillusionierung über die Partnerschaft/die Liebe(an sich)? nicht mehr vergegenwärtigen kann/will/muss, weil erfolgreich abgelenkt. Die letzten Zeilen haben's in sich - für 'mein' Gefühl. Ein durchdachtes, durchlebtes, reflektiertes und auch fragendes, zweifelndes Gedicht. Gelungen. Meine Achtung, Fabian.
LG Uschi

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#5

Nach dem Streit

in Liebe und Leidenschaft 08.05.2006 23:27
von Fabian Probst (gelöscht)
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Ganz lieben Dank, Uschi.

Hat mich sehr gefreut, deinen Kommentar zu lesen.

lg,Fabian

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#6

Nach dem Streit

in Liebe und Leidenschaft 19.06.2006 14:15
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Fabian,

wirklich eine gelungene Beschreibung mit schönen Wortspielen. Ich wünschte, ich hätte mal solchen Versöhnungssex gehabt.
Wo wir beim verweisen auf unsere Meisterwerke sind - mir fällt bei diesem Werk auf, dass es bei der Beschreibung des einen, bestimmten Vorganges, egal in welchem Zusammenhang, doch immer wieder verblüffende parallelen gibt. Hier mein einstiger Beitrag zu dem Thema: Was ich dabei denke.

Viele Grüße,
GerateWohl

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