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#1

Schweinezucht

in Liebe und Leidenschaft 14.04.2006 18:54
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Schweinezucht

Ich will nur deinen Körper haben
Drum intressiert mich gänzlich nicht
das was du denkst, ich will nur graben
ganz rücksichtslos in deinen Hügeln.
Ich merk mir nicht mal dein Gesicht,
brauchst niemals deine Züge zügeln.

Mir ist auch ganz egal der Geist,
der deine Glieder lenkt und führt
und was er selbst letztendlich spürt
Hey, halte nur so lange still
bis ich das kriege was ich will
Jawohl, so bin ich wie du weißt.

Und dass dein Bruder nicht mehr schreibt,
dich Mutter in den Wahnsinn treibt,
und auch deine Schlaflosigkeit
die dich ganz langsam fertig macht,
so dass sich eine schlechte Nacht
beliebig an die nächste reiht,

und deine Träume und die Sorgen
um die Kinder, die du willst
und dieser andre Traum in weiß
der jeden Tag ein wenig schmilzt
und all die Wunden, die ich reiß,
wenn ich dich lieben will am Morgen,

ja, all das ist mir wohl bekannt.
Es sorgt mich allerdings nicht mehr.
Du legst mir Worte in den Mund,
ich beiße zu und tu sie kund,
und das verletzt dich dann so sehr.
Du hast mich doch schon längst verbannt.

Ich bin das Schwein, das du beschreibst
und mit mir täglich mehr erschaffst,
genau wie du das Leid verkörperst,
das du die ganze Zeit erörterst.
Drum geh, bevor du's soweit treibst,
dass du einst unsre Asche paffst.

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#2

Schweinezucht

in Liebe und Leidenschaft 04.05.2006 09:36
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi GW

Und am Ende glaubt er selber, was er da sagt.
Das kommt mir alles sehr bekannt vor, solche Vorwürfe hört und liest man oft. Es gibt auch unzählige Bücher darüber - idiotische meist - die diese Themen abhandeln. Ich kann nicht sagen, dass mich eine solche Einstellung, sei's vom Mann oder der Frau, zu Mitleid hinreisst. Was bringt es einem denn, wenn man den anderen so lange triezt, bis er das Weite sucht? Ohne jetzt in sexistisches Geschwafel auszubrechen, aber ich beobachte das meist bei Frauen, dass sie immer andere bzw. den anderen, für alles verantwortlich machen, was in ihrem Leben krumm läuft, anstatt selber ihr Leben in die Hand zu nehmen. Bisschen doof und kindisch, nicht? Aber wer hört schon auf mich ...?

Das Ende verstehe ich jetzt nicht so recht. Asche paffen? Hä?

Gruss
Margot

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#3

Schweinezucht

in Liebe und Leidenschaft 04.05.2006 10:35
von Krabü2 | 797 Beiträge | 797 Punkte
Hi GerateWohl,
ich habe ganz andere Assoziationen zu Deinem Gedicht. Also: ad1: Ich hab es gern gelesen, es klingt schön flüssig, und ich habe tatsächlich teils den Reim gesucht, weil's trotzDEM wieder so gut fließt.
Ich sehe im Text die alt bekannten Projektionen und das Hin und Her mit ihnen und auch eine Persiflage, gerade in den letzten Zeilen. Bissige Ironie an das Selbst und das Gegenüber, somit auch an beide Seiten der einzelnen Person/Persönlichkeit. Und eine Dynamik, die aufweichbar, verändbar ist, fast sogar irgendwie fließt - wie der Text. Insofern und überhaupt eine 'gelungene' Symbiotik.
Gern gelesen, vor allem beim Kommentieren immer weiter gedacht... typisch ;-))
LG Uschi

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#4

Schweinezucht

in Liebe und Leidenschaft 04.05.2006 11:59
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Marge, Uschi,

ja, es ist wiedermal so ein, wie ich finde, wenig stringenter, aber doch lebensnaher Mischmasch. Der Beginn ist recht ironisch, weil das Ich sich mit Vorwürfen konfrontiert sieht, die es überspitzt dem Du zurück widerspiegelt. Dann doch ein Schwenk in den Berech der echten Selbstkritik, die aber dennoch mit einer ursachlichen Mitschuldzuweisung an das Du einhergeht. Das Ich hat das Gefühl, dass diese negative Haltung des Du auch keinen guten Einfluss auf es hat. Außerdem übertreibt und polemisiert es maßlos. So ein blöder Kerl. Und dann noch nicht mal den Mumm sich zu trennen. Sagt sich wahrscheinlich, er wolle das Du so wachrütteln oder so. Idiot!
Bisschen doof und kindisch? Ja!

@Marge: Ja, das mit dem Asche Paffen ist so gemeint: Wenn Du Zigaretten rauchst, entsteht Asche. Wenn die Fluppe abgebrannt ist ist sie fertig. Wer dieses Ende nicht einsieht, sondern sogar noch die Asche pafft, weiß echt nicht, wann Schluss ist. So war das gedacht. Ich dachte, das wäre klarer.

Jedenfalls vielen, vielen Dank für die Kommentare.

Lieben Gruß,
GerateWohl

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#5

Schweinezucht

in Liebe und Leidenschaft 04.05.2006 12:47
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Ach, so ist das gemeint. Ist das ein bestehender Ausdruck? Kannte ich bis jetzt nicht, ich dachte, du hättest einfach etwas genommen, das sich auf 'erschaffst' reimt.

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#6

Schweinezucht

in Liebe und Leidenschaft 04.05.2006 19:08
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte


Nein nein. Dann hätte ich ja auch einfach schreiben können

Ich bin das Schwein, das du beschreibst
und mit mir täglich mehr kreierst,
genau wie du das Leid verkörperst,
das du die ganze Zeit erörterst.
Drum geh, bevor du's soweit treibst,
dass du dein eignes Spiel verlierst.

Hey, gefällt mir fast sogar besser.

Grüße,
GW

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#7

Schweinezucht

in Liebe und Leidenschaft 04.05.2006 19:28
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Mein lieber Mann, das halte ich für einen echt guten Wurf und so furchtbar kindisch und idotisch kann ich das nicht finden. Man mag das lyrI für ein Schwein halten, damit hat es offenbar kein Problem, aber das ewige Lamentieren darum und darüber ist doch eher das Kindische und Idiotische. Selbstverständlich gehören zwei dazu, dieses lyrI hat aber ganz offensichtlich aufgegeben, mehr als nur die Triebbefriedigung in dieser Partnerschaft zu suchen.

Ich behaupte nicht, dass das lyrI mir sympathisch ist. Erst gegen Ende hin habe ich begriffen, dass es um eine Partnerschaft/beziehung geht. Im Verlaufe des Gedichtes hatte ich den Eindruck, hier wohnt einer nur seiner Stammnutte bei und die quatscht ihn auch noch voll.

Sehr lakonisch das Ganze, mir gefällt es. Nette Reimwendungen, ewig wechselndes Schema und dennoch keine Unruhe, klasse! Lediglich die zwei metrischen Unsauberkeiten sind mir unangenehm aufgefallen, da wünschte ich Abhilfe (S2Z1, S3Z3). Sonst nichts. Sehr zufrieden.

DG
Mattes


P.S.: Meine Lieblingsstrophe ist übrigens die 5 und darin besonders die Sentenz in Zeilen 3-5. Und das Paffen würde ich deiner Alternativlösung vorziehen.

P.P.S.: Scheiße, glatt vergessen: Saustarker Titel, dickes Extralob!

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#8

Schweinezucht

in Liebe und Leidenschaft 04.05.2006 20:14
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hi Mattes,

ich bin geplättet, ob so viel Lob.
Am meisten freue ich mich natürlich über die Anerkennung des Titels, weil das ja eine meiner größten Baustellen ist, wo ich selten zufrieden bin.

Ja, wie ich die "Schlaflosigkeit verarzten sollte, weiß ich nicht. Ich betone die ja nunmal XXxX. Diese zwei betonten Silben nebeneinander die kriege ich doch in keinem Metrum verarbeitet. O.K. es ginge noch XxxX, aber ach, ich bin überfordert.
Ebenso bei der Frage, was bei S2Z1 unsauber ist, es sei denn man betonte das "Mir". Dann wäre ein "Auch ist mir ganz egal der kleine Geist," besser. Klingt aber auch etwas nach Yoda. Wahrscheinlich sollte ich eh schreiben:

"Auch er ist mir egal, der kleine Geist"

Hm. Ich grüble noch. 1000 Dank jedenfalls für Deine wohlwolenden Worte und die Anregungen.

Schöne Grüße,
GW

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#9

Schweinezucht

in Liebe und Leidenschaft 04.05.2006 22:45
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
S2Z1 Mir doch egal, welch kleiner Geist
dir deine Glieder lenkt...

S3Z3 Und immer die Schlaflosigkeit
die dich...

Bei beiden Versen störte mich die nicht stimmige Anzahl der Hebungen. Bei der Schlaflosigkeit verbleibt immer eine kleine Beugung, aber das macht weniger aus, als bei den Hebungen aus dem Takt zu geraten.

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#10

Schweinezucht

in Liebe und Leidenschaft 05.05.2006 08:29
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Morgen Mattes,

jetzt verstehe ich. Hab's nochmal allerdings etwas anders geändert.
Vielen Dank nochmal.

Grüße,
GW

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