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#1

Mal wieder

in Düsteres und Trübsinniges 03.04.2006 14:49
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
Mal wieder

Jetzt bist Du tot und ich bin schuld,
da hilft kein lamentieren.
Energisch bat ich um Geduld,
doch musst ich Dich verlieren,

eh ich erkannte, was Du warst:
gemein und egoistisch.
Und leblos, wie Du mich anstarrst,
weiß ich schon: ich vermiss Dich...

(c) Don Carvalho
- Dez. 2005/ März 2006

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#2

Mal wieder

in Düsteres und Trübsinniges 03.04.2006 18:33
von Ulli Nois | 554 Beiträge | 554 Punkte
Hi Don, jetzt bin ich mal wieder bei dir,

wieso eigentlich "mal wieder"?

Aber lassen wir zunächst die Überschrift und beginnen mit dem Text. Für deine Ansprüche kommt er metrisch und reimtechnisch etwas locker daher, zumindest in Strophe 2. Das aber fällt nicht weiter auf, wenn man "an-starrt" gegen die Gewohnheit auf der zweiten Silbe betont. Und das Reimwort auf "egoistisch" rheinisch ausspricht:"Ich vermiss disch".

In diesen leichtfüssigen Vier- & Dreihebern kommt nun etwas Tragisches zur Sprache. Offenbar hat Ich jemanden getötet (ob direkt oder indirekt bleibt offen) und er bekannt sich zu seiner Schuld. Das könnte freilich ironisch sein, wenn man es auf den Titel bezieht, der Nachsatz: da hilft kein Lamentieren (würde ich groß schreiben) deutet doch eher auf Einsicht hin. Der logische Zusammenhang der nächsten vier Zeilen bereitet mir etwas Probleme: Hat Ich zunächst Geduld eingefordert und weil Ich sie nicht bekam, Du getötet? Oder ist es eher so, dass Ich Du (an jemanden anderen) verliert, während Ich noch um Du kämpft, und das erst später erfährt und sie deshalb tötet?

Ich entscheide mich vorläufig für die zweite Variante und wende mich dem Ende zu, dass von einem makabren Humor ist (wie wir ihn sonst nur von Gemini kennen). Beim Anblick des leblosen Körpers kommt Reue auf. Aber nicht wegen der Gemeinheit der Tat. Sondern weil dem Mörder eine gemeine Lebende offenbar lieber ist als eine gemeine Tote.

Das "mal wieder" bezieht sich dann auf das Vermissen. Als Lebende vermisst Ich Du genauso wie als Tote.

Schön gemein, aber gefällt mir

Gruß, Ulli






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#3

Mal wieder

in Düsteres und Trübsinniges 03.04.2006 20:46
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Hi ihr zwo

Ich glaube gar nicht, dass es sich hier um eine Person handelt. Es könnte eine Idee sein. Denn was sonst würde das "Mal wieder" bedeuten?

Da frag ich mich doch...

LG Gem

Ps.: Wenn aber die Überschrift ein wesentlicher Teil des Gedichtes ist, was auch passen würde, da es ja sehr minimalistisch ist, könnte man in die Überschrift einen Streit hinein interpretieren, der diesmal zu weit gegangen ist. Dann könnte es sich doch um einen Mord handeln.
Wenn die Überschrift der Schlüssel ist, passt auch das darunter Stehende.



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#4

Mal wieder

in Düsteres und Trübsinniges 04.04.2006 13:49
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
Hallo Gem und Ulli,

für mein Textverständnis ist die Überschrift auch wichtig, bei anderen Interpretationsansätzen mag man darauf verzichten können. Geminis Idee, dass es sich nicht zwingend um eine Person handeln muss, die verstorben ist, gefällt mir gut, eine Idee, ein Wunsch oder ein Traum könnte man vielleicht ebenfalls hier begraben sehen können - auch wenn es nicht meine Intention war...

An die Möglichkeit, dass das lyrische Ich das lyrische Du getötet hat, habe ich auch gedacht und ich wollte diesen Gedankengang zumindest "offenhalten". Und tatsächlich deutet das Aufsichnehmen der Schuld darauf hin und macht diesen Ansatz schlüssig. In dieser Variante habe ich persönlich das "Mal wieder" auf den Tod und die Schuld des lyrIch bezogen, was man aber auch nicht muss, da das ansonsten einen leichten Serienkiller anklang hat.

Mein eigener Ansatz war noch ein etwas anderer, vor allem habe ich die Überschrift auf die Str.2 / Z.2 bezogen.

Naja, vermutlich habe ich das Ding etwas zu schnell rausgehauen, auch wenn es mich ehrt, dass ihr es nicht gänzlich zerreisst. Aber es lag nun auch schon zu lange auf meiner Festplatte herum und sollte einfach Neuem Platz machen^^.

Mit dem Lamentieren hast Du recht, ich ändere das sogleich. Mit dem unreinen Reim kann ich bei dem Gedicht jedoch leben, ich bin da inzwischen nicht mehr so. Und mit dem "anstarrst" hast Du auch recht, wobei mir (und Dir anscheinend auch) die Endbetonung nicht schwerfällt, wobei ich nicht weiß, obs am Berliner Umfeld liegt oder die Betonung auf der ersten Silbe eine nicht allzu starke ist.

Dankeschön für die Aufmerksamkeit,

Don

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