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#1

Samstag Abend

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 03.04.2006 12:37
von Stephan Santfort (gelöscht)
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Micky saß am Schreibtisch und dachte an nichts besonderes. Es klopfte an der Tür und kurz darauf wurde sie plump aufgeworfen.
Clarissa stand in der Tür, kippte dann aber gegen den Tührrahmen. Sie startte ihn kurz fragend an und gab dann ein teilnahmsloses "Hi!" von sich.
Sie ging zum Sofa und ließ sich hineinfallen, er stand auf und setzte sich ihr gegenüber in den Sessel.
"Hi." sagt er und wartete.
Sie schien ziemlich betrunken zu sein. Er roch Wein und Bier, Vodka schien auch dabei zu sein, aber er war sich nicht sicher deswegen. Sie sah ihn stumm an. Er vermutete, daß sie ihn wahrscheinlich nur halb wahrnahm, oder zumindest sehr schlecht.
Schließlich brachte sie ein “Oh, man!” heraus, blieb aber darauf weiter still.
Er wartete weiterhin und sah sie stumm an. Ihr Kopf fiel andauernd von der einen auf die andere Seite, sie sah sich uninteressiert das Zimmer an, streifte mit ihren Augen kurz seinen Blick, schien dann einzuschlafen und ließ ihren Kopf hängen.
Nach ein paar Sekunden hob sich ihr Kopf wieder und sie blickte ihn fast flehend an.
“Hey, Mickey!”
“Hey.”
“Ich will dich nicht nerven, du weißt ja, aber ... “ sie blickte zur Seite und schien verlegen.
Er wußte.
“Ich weiß.” er atmete durch, nahm den Tabak und drehte sich eine Zigarette. Er nahm viel Tabak, weil sie auch mitrauchen würde. Sie war immer ein Teil von allem, was um sie herum passierte, sie nahm an allem Teil; am Bier, an Zigaretten, an der Stimmung, an den Fliegen auf einem Haufen Hundescheiße.
“Hör zu, ich kann dir nichts neues erzählen. Und alles was ich dir erzählen kann, habe ich dir schon tausend mal erzählt, jedesmal wenn du hier betrunken reinkommst. Aber ich werde dir auch dieses mal alles erzählen, was ich weiß.” Er musterte sie mit einem bösen Blick, aber sie sah ihn nicht an.
“Er lebt jetzt in Berlin und hat eine Freundin, die irgendeinen südländischen Namen hat. Er arbeitet in einem Krankenhaus und scheint mit seinem Leben ziemlich zufrieden zu sein, zumindest wenn wir alle paar Wochen einmal telefonieren.”
Er sank zurück in den Sessel und betrachtete den Himmel vor dem Fenster. Es war von einem seltsamen, ergreifenden Blau, seltsam, weil er selten so blau war.
“Aber ... “
“Nichts >aber<” er erwiderte ihren feuchten Blick, trocken “er interessiert sich nichtmehr für dich, er denkt nicht an dich und er frägt auch nicht nach dir. Außerdem ist es das Letzte was ICH will, mit IHM über DICH reden.”
“Es tut mir Leid.”
“Hör auf, dich selbst zu belügen.”
Er musterte sie noch ein wenig länger, ihre Augen, ihre Lippen, ihren Hals. Sie hatte einen wunderschönen Hals, Arme, Brüste, Beine. Innen war sie hässlich, hässlich wie ein betrunkener Samstag Abend. Sie schaffte es immer wieder, das Heilige, das Ewige, das Schöne durch pure Unachtsamkeit oder Interesselosigkeit zu zerschlagen. Es war eine Art, ihr Genie zu zeigen, eine andere war, Alles direkt wie Dreck zu behandeln. Mit Mickey schien sie es ständig zu machen, er war es leid.
Es blieb längere Zeit still, sie sah auf den Boden, er sah sie an.
“Weißt du,“ sagte sie, ohne ihren Kopf zu heben “ich liebe ihn wirklich.”
“Ich weiß.”
“Und, und ich kann nicht sagen ... Wenn wir zusammen sind, dann ist es, als wenn wir zwei verwandte Seelen wären. Ich fühle mich dann so vollständig.”
“Aha” gab er sinngemäß zurück und bot ihr die Zigarette an. Sie nahm einen hastigen Zug und streifte mit ihren Augen sein Gesicht, zeigte aber kein Interesse und fuhr fort.
“Irgendwann ist es dann auseinander gegangen. Er war auf einmal so kalt. Ich weiß nicht ...”
“Ich weiß” erwiderte er und nahm ihr die Zigarette aus der kraftlosen Hand. Sie schien kurz davor zu heulen und Mickey war sehr besorgt deswegen. Sie würde wahrscheinlich Hilfe erwarten, Arme die sie umschlossen und ihr das Gefühl gaben, daß jetzt, gerade jetzt, alles in Ordnung war. Kein Morgen, kein Gestern, nur Jetzt und Gut. Er konnte das nicht, er konnte die Gesten machen, natürlich, aber es wäre falsch. Er würde ihr nicht helfen, er würde sie betrügen.
“Hey, du, ich hatte einen schweren Tag und bin sau müde.”
“Oh.” Meinte sie und sah ihn undifferenziert an. “Ja, ich war auch nur kurz in der Gegend und dachte mir ...”
Sie stand umständlich auf und wankte zur Türe.
“Bis bald.”
“Komm gut nach Hause.”

Die Türe machte kein Geräusch, als sie sie schloß. Er sah wieder zum Fenster hinaus.
Draußen fuhr ein Krankenwagen vorbei, Blaulicht schoß durch die Scheiben in den Raum. Irgendwo schrie jemand, wie ein abgestochenes Schwein.

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#2

Samstag Abend

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 04.04.2006 13:51
von Krabü2 | 797 Beiträge | 797 Punkte
Hi Stephan,
die Grundidee finde ich ganz gut, schön dramatisch. Aber die Umsetzung sagt mir gar nicht zu, ehrlich gesagt. Ich finde, das hättest Du gründlicher und auch sprachlich etwas sorgsamer gestalten können. 'Sie sah ihn undifferenziert an' - hä? Darunter kann ich mir nichts vorstellen. 'hat eine Freundin.... die einen...Namen hat'. Ist nicht so ausgefeilt. Aber ansonsten ist der Charakter des Mickey ein interessanter: so schön verachtend, ohne wirklichen Bezug oder nur zu sich selbst. Ich glaub, wenn ich Kummer hätte, würde ich zu so Jemandem auch nur besoffen gehen *lach*
LG
Uschi

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#3

Samstag Abend

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 04.04.2006 23:22
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi Steph

Ich find’s auch recht gelungen, jedoch muss ich mich Krabü anschliessen, da fehlt einfach der Schliff. Zu viele Wiederholungen und unelegante Formulierungen. Wenn die Protagonisten reden, dann darf da durchaus Slang einfliessen. Vor allem, weil sie ja betrunken ist, aber dazwischen musst du mehr auf die Wortwahl achten. Ich nehme mir mal den 1. Absatz vor, um zu zeigen, was ich meine.



Micky saß am Schreibtisch und dachte an nichts besonderes……(gross). Es klopfte an der Tür und kurz darauf wurde sie plump aufgeworfen……(Wortwahl/aufgestossen)
Clarissa stand in der Tür …..(Wiederholung Tür), kippte dann aber gegen den Tührrahmen…..(Rechtschreibung/Wiederholung Tür) Sie startte …..(Rechtschreibung) ihn kurz fragend an und gab dann ein teilnahmsloses "Hi!" ……. (kein Ausrufezeichen, wenn es teilnahmslos ist)von sich.
Sie ging zum Sofa und ließ sich hineinfallen, …… (Würde da einen Punkt setzen und mit Micky stand auf ….. weiterfahren) er stand auf und setzte sich ihr gegenüber in den Sessel.
"Hi." …….(falsche Zeichensetzung: „Hi“, sagte er ……) sagt er und wartete.
Sie schien ziemlich betrunken zu sein. Er roch Wein und Bier, .....( evtl Gedankenstrich) Vodka schien …..(Wortwiederholung schien) auch dabei zu sein, aber er war sich nicht sicher deswegen……(deswegen ist überflüssig). Sie sah ihn stumm an. Er vermutete, daß sie ihn wahrscheinlich nur halb wahrnahm, oder zumindest sehr schlecht.
Schließlich brachte sie ein “Oh, man!” ….(Rechtschreibung Mann!) heraus, blieb aber darauf weiter still….. (schlechte Wortwahl: …. blieb aber ansonsten still)

etc.

Vielleicht hilft’s was.
Gruss
Margot

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#4

Samstag Abend

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 05.04.2006 11:45
von Krabü2 | 797 Beiträge | 797 Punkte
Ja, dieser Satz hier... *kopfschüttel*, den auch Margot herausgegriffen hatte:

Er vermutete, daß sie ihn wahrscheinlich nur halb wahrnahm, oder zumindest sehr schlecht.

Der geht ja nun gar nicht. Sorry. Aber was ist das für eine Aussage??

Oder das hier:

Er wartete weiterhin und sah sie stumm an.
Das 'Stumm' ist verzichtbar.
Ihr Kopf fiel andauernd von der einen auf die andere Seite,
('andauernd' - das ist eine schlechte Wortwahl, das dauert ja nicht an, das wiederholt sich, und - was ist das im Vgl. zum Restsatz... 'Hospitalismus'?)

sie sah sich uninteressiert das Zimmer an, streifte mit ihren Augen kurz seinen Blick, schien dann einzuschlafen und ließ ihren Kopf hängen.

(sie kann sich nicht gut das Zimmer ansehen, wenn sie unteressiert ist, da schweift höchstens der Blick durchs Zimmer... der ganze Satz braucht ne Generalüberholung, finde ich)

Nach ein paar Sekunden hob sich ihr Kopf wieder und sie blickte ihn fast flehend an.
(wen?.... den Kopf???)


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