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#1

Stolz

in Gesellschaft 18.03.2006 04:58
von Roderich (gelöscht)
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Stolz


Es ist wahr, dass die Gedankengänge
im Vorüberschreiten blasser werden;
dass im allgemeinen Handgemenge
- welches sich von Zeit zu Zeit
wegen unsrer Eitelkeit
aufbauscht in Gehirnesenge -
die Vernunft von uns begraben wird.

Sieh ihn an, den angsterstarrten Mann,
den du eingepfercht in schwarzen Herden,
wo er jammervoll ersticken kann,
mit sadistischer Mechanik,
die aufgrund der eignen Panik
einst dein kranker Geist ersann,
seiner schwarzgebrannten Haut entkleidest.

Alles nur, damit du letztlich weißt,
röter ist dein Blut auf weißen Erden.
Blasser Mann mit wurmgespicktem Geist
hat den Mannesstolz gewahrt,
toter Mann wird aufgebahrt,
und die Würmer sind gespeist.
Kühlen Mutes ziehst du neue Kreise.


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#2

Stolz

in Gesellschaft 20.03.2006 08:20
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Hai Rod

HIer greifst du schon wieder die Rassenfrage auf. Es scheint mir, dass die Amis einen schlechten Einfluss auf dich haben.
Hier sehe ich die Unterjochung des schwarzen Mannes, der für die weisse Gesellschaft zu arbeiten hat. Warum er aber seiner Haut entkleidet wird, verstehe ich nicht. Ebenso das Wissen um das rötere Blut passt mir nicht. Es wäre wohl richtiger zu sagen: Damit du beweist, röter ist dein Blut. Denn die Farbe des Blutes ist doch gleich.
Nein, stimmt...Mein Fehler. Das passt schon...
Ein wenig erinnert mich der Text an bowling for columbine.
Den Film solltest du dir ansehen, so du ihn noch nicht gesehen hast.
Ich weiß nicht, bist du da irgendeinem Reimschema gefolgt? Ich glaube nicht.
Wenn man es langsam liest, gefällt es mir gut und es ist auch etwas wahres dran.

LG Gem

Ps.: Du könntest einigen Gangsterrappern die Addi vom Tümpel geben. Die finde ich so cool!
Nur wenn du in der Nacht mal in Harlem bist.

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#3

Stolz

in Gesellschaft 20.03.2006 15:21
von Roderich (gelöscht)
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Hallo Gem,

ja, die Rassenfrage wieder einmal. Eine Erklärung dafür: Habe gerade "Invisible Man" von Ralph Ellison fertig gelesen. Übrigens ein wirklich großartiges Buch, das ich nur wärmstens empfehlen kann. Aber ich werde mich schon auch wieder um andere Themen kümmern - keine Sorge! Das wird sonst mit der Zeit langweilig.

Die Stelle mit der Entkleidung: Nun, wir sind alle gleich, wie es so schön heißt. Egal, welche Hautfarbe. Der weiße Mann kann sich also nicht mehr darauf ausreden, besser zu sein, weil er weiß ist. Das wäre politisch inkorrekt. Aber unter der Oberfläche laufen die Blutbahnen. Und ja, auf weißer Erde ist das Blut des weißen Mannes röter. Die Ehre ist gerettet. Und wir sind alle politisch auf der sicheren Seite, gell?

Reimschema:

abaccad
ebeffeg
hbhiijk (hier ist eine Stelle, die ich noch zu verbessern gedenke, das "Eis" - vielleicht fällt mir noch was Passendes ein).

wobei ich eine Assonanz eingebaut habe - S2Z7 und S3Z7. Gut, dieses Schema ist vielleicht etwas zu sehr versteckt, aber immerhin kann ich wenigstens einmal von mir behaupten, mit System gedichtet zu haben.

Bowling for Columbine habe ich übrigens gesehen. Genial gemacht, sehr bedrückend! Ein Propagandafilm, keine Frage (der dokumentarische Wert hält sich doch in Grenzen), aber extrem wichtig.

Freut mich, dass es beim langsamen Lesen gut gefällt. Schnell drüber hudeln ist ja auch nicht im Sinne des Erfinders. Besten Dank jedenfalls für Kommentar und Lob!

Viele Grüße

Thomas

PS: In Harlem war ich vorgestern - allerdings am Tag. Gangsterrapper habe ich daher keine gesehen. Vielleicht schaue ich heute so gegen drei Uhr morgens noch mal hin. Ist sicherlich eine gute Möglichkeit, neue Bekanntschaften zu schließen.

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#4

Stolz

in Gesellschaft 20.03.2006 16:08
von Fabian Probst (gelöscht)
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Finde ich gut geschrieben.

Aber ob die Rassenthematik aufgrund eigner Panik entstand, bezweifle ich.

Als der weiße Mann nach Afrika kam, war er tatsächlich überzeugt, ein unterentwickelte Rasse vorzufinden, die so gut wie keine Kultur aufweist.
Er war ja auch in allen Belangen überlegen, was Technik und Strategie betrifft.
Die Einteilung in vier verschiedene Rassen (Weiß, Schwarz, Gelb und Rot) begründeten sogar so brilliante Philosophen, wie Kant.
Es war zu der Zeit wirklich eine Überzeugung, keine politische oder religiöse Sache. Man war sich sicher, das diese Menschen Führung brauchen und sich als Untertanen sogar besser fühlten.
Traurig aber wahr.

Trotzdem hast du mit deiner Aussage natürlich Recht.
Gern gelesen.

lg,Fabian

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#5

Stolz

in Gesellschaft 23.03.2006 04:03
von Roderich (gelöscht)
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Hallo Fabian,

ich danke dir sehr für deinen konstruktiven und aufbauenden Kommentar.

Natürlich ist die Panik hier übertrieben dargestellt, aber das Gedicht ist wohl allgemein ziemlich zynisch und überspitzt.

Es freut mich, wenn du es dennoch gut geschrieben findest.

Grüße

Thomas

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#6

Stolz

in Gesellschaft 23.03.2006 08:02
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Ich finde gar nicht, dass die Panik übertrieben dargestellt ist. Ich habe ja schon geschrieben, dass ich kurz in den Staaten war. Ich war in Flint, in der Nähe von Detroid, welches zum Großteil von schwarzen bewohnt wird. Die Autos versperren sich nach 3 Metern von selbst um carjacking zu vermeiden. Auch in Johannesburg (richtig so?) ist es sehr gefährlich. Ein Freund meiner Mutter lebt dort. Die Menschen müßen seit es keine Apartheit mehr gibt,, mit den Autos direkt in die Häuser fahren um dort auszusteigen. Ein Monteur, der mit mir einmal gearbeitet hat, hat mir erzählt, dass wenn man in Johannesburg einen Unfall mit einem schwarzen hat man auf keinem Fall aussteigen soll, auch wenn der Mann verletzt ist. Da sonst die Gefahr besteht getötet zu werden.
Man kann sogar sagen, dass es untertrieben ist.

LG Gem

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#7

Stolz

in Gesellschaft 26.03.2006 05:31
von Roderich (gelöscht)
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Hallo noch einmal,

habe S3Z6 noch mal abgeändert, so dass der Reim nun passt. Wollte nur mal kurz nachhaken, ob es inhaltlich auch euren Sanctus bekommt.

Grüße

Thomas

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#8

Stolz

in Gesellschaft 26.03.2006 10:09
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte


Es ist etwas schwarzweiss gezeichnet. In einer Weise ist es sogar Rassistisch im anderen Sinne. Hier stellst du die weissen als die ultimativ bösen hin. Etwa so wie der Film "Soldat James Ryan", in dem die Deutschen ja auch als die Ultimativen Arschlöcher dargestellt wurden.
Man kann zweifellos sagen, dass es Probleme mit Menschen anderer Rasse geben kann. Dies hängt aber mit der Armut zusammen, die Menschen anderer Hautfarbe häufiger trifft.
Ich dachte auch einmal so, dass der weiße die Geißel der Erde ist. Jetzt bin ich von dieser Theorie aber abgewichen.
Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht mehr. Dieses Thema ist dermaßen komplex, dass man darüber Tagelang philosophieren könnte und noch immer keinen grünen Zweig finden könnte.
Die Darstellung "weiß=böse, schwarz=gut bzw. unterdrückt", ist mir etwas zu wenig.

LG Gem

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#9

Stolz

in Gesellschaft 26.03.2006 22:45
von Roderich (gelöscht)
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Hallo Gem,

ich gebe dir grundsätzlich völlig Recht - es ist fast unmöglich, sich der Rassismus-Frage angemessen zu nähern aufgrund der von dir schon angesprochenen Komplexität des Themas. Ich habe bisher auch nur einen gesehen, der es geschafft hat: Ralph Ellison in "Invisible Man". (Wirklich ein empfehlenswertes Buch).

Ich möchte dieses Gedicht daher auch nicht als objektive Beschäftigung mit Rassismus sehen, sondern eher als eine zynische, verzerrte Sicht, die vielleicht aufgrund der übertriebenen Darstellung ein bisschen zum Nachdenken anregen kann. Manchmal muss ein Problem dem Menschen erst eine in die Fresse hauen, damit dieser kapiert, dass es vorhanden ist (überspitzt ausgedrückt).

Viele Grüße

Thomas

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