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#1

Nebeltag

in Natur 19.01.2006 16:21
von Knud_Knudsen • Mitglied | 994 Beiträge | 994 Punkte
Nebeltag

Wenn die dumpfen Nebel wallen,
und die Fröste Hirne fressen,
zeigen Geister ihre Krallen,
die man schon beinah vergessen.

Alle Bäume sind nun Skelette,
adrig, schwarz und unheilvolle,
nun ist Zeit auch für Sonette,
und im Kopf klebt dunkle Wolle.

Hinter Nebelbänken lauern,
Gnome, Troll und Teufelsfratze,
und du siehst auf kahlen Mauern,
lauernd eine schwarze Katze.

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#2

Nebeltag

in Natur 19.01.2006 17:47
von Motte | 137 Beiträge | 137 Punkte
Hallo Knut,

Du hast, wie ich finde, den Nebeltag in schönen, wirkungsvollen Naturbildern eingefangen. Die Mystik und Bedrohlichkeit eines solchen Tages, die einen befallen kann, wenn man allein auf einem Spaziergang durch die verlassenen Lande zieht, befällt einen auch beim Lesen deines Gedichts. Flaues Gefühl im Magen, Frösteln nicht nur wegend es Frostes und das Bedürfnis, sich immer wieder umzuschauen, weil einem Stille und Einsamkeit nicht ganz koscher vorkommen.. Brrr!

Das Bild vom hirnfressenden Frost konnte ich mir zuerst nicht ganz klarmachen... Mittlerweile finde ich es aber gelungen: eine Kälte, die so groß ist, dass sie regelrecht Druck auf das Gehirn ausübt und Kopfschmerzen verursacht. Nur, ob dass mit dem Nebel zusammenpasst weiß ich nicht; also, ob es nebelig sein und gleichzeitig frieren kann. Dass kann aber auch an meiner mangelnden Naturerfahrung als Städter liegen... Ich sollte mich wohl auch mal wieder den Elementen aussetzten..

Strophe 2 gefällt mir besonders von der Bildsprache her. In der ersten Zeile stimmt die Metrik allerdings nicht und in zweiter und vierter Zeile endet der Reim beide male auf -voll. Letzteres lässt sich aber verkraften, da das Gedicht gerade durch seine Einfachheit besticht.

In Strophe 3 verwendest du zweimal das Verb “lauern”. Vielleicht könntest du eines durch “kauern” ersetzten. Es muss im dritten heißen “auf fahlen Mauern”

Schön verständliches und zugängliches Gedicht. Gerne gelesen!

Liebe Grüße, Motte

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#3

Nebeltag

in Natur 20.01.2006 09:27
von Knud_Knudsen • Mitglied | 994 Beiträge | 994 Punkte
Hi Motte,
danke für Deinen Komment. Übrigens giebt es neben der naturalistischen Ebene noch eine
Lauern korrigiert und das andere sehe ich mir in Ruhe an.
Gruss
Knud

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#4

Nebeltag

in Natur 25.01.2006 17:35
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
Hi Knud,

ich bin ein wenig hin und hergerissen. Ich mag die Stimmung, die Deine Zeilen transportieren, ich mag Nebel und diese drückenden Gefühle, di sich mithin dann einstellen. Das findet sich auch wieder in Deinem Text.

Allerdings finde ich, dass es bei Deinem Gedicht, schaut man durch den Nebel hindurch, doch auch ein paar Ungereimtheiten gibt - wobei die Reime in Ordnung sind .

Formal ist eigentlich alles rund, bis auf die schon von Motte kritiserte Str2/Z1 verwendest Du durchgängig einen 4-hebigen Trochäus. Inhaltlich sehe ich keinen Grund für die Abweichung an dieser Stelle. Ich habe diese Zeile nun ein paar mal hin und her gerollt, ein vernünftiger Vorschlag kommt mir jedoch leider nicht in den Sinn. Allenfalls
"Himmelragende Skelette"
XxXxXxXx,
was mich aber selbst nicht wirklich überzeugt. Schwierig.

Aber auch einige Bilder sind seltsam: können Skelette adrig sein? Und Mauern fahl? Im Kopf klebende Wolle? Zwar rufen diese Formulierungen Bilder vor mein geistiges Auge, die passend zum Rest des Gedichtes sind, etwas zweifelnd bleibe ich dennoch zurück angesichts der Formulierungen.

Hinter die zweite Sinnebene bin ich noch nicht recht gekommen, ich habe aber leider auch gerade nicht soviel Zeit wie ich gern hätte, um etwas tiefer zu schauen. Ich hätte in diesen Zeilen einfach nur die bildhafte Darstellung von (eigentlich längst vergangenen) Ängsten gesehen. Ängste, die das lyrIch alles sehr negative sehen lassen und es in Depressionen verfallen lässt - warum sonst sollte eine schwarze Katze in diesem negativen Rahmen auftauchen, wenn nicht aus dem Aberglauben, dass schlechtes angekündigt wird. Anderes sehe ich zur Zeit nicht, vielleicht ist es ja das, was auch Du meinst.

Insgesamt erscheinen mir Deine Zeilen wie leicht surreale Schlaglichter ins nebulöse Seelenleben des lyrIchs, die mir ob der Stimmung auf jeden Fall zusagen, auch wenn ich zT hängenbleibe.


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#5

Nebeltag

in Natur 27.01.2006 23:13
von Knud_Knudsen • Mitglied | 994 Beiträge | 994 Punkte
Hi Don,
die zweite Ebene, nun die adrigen Sklette sind die blattlosen Bäume, die so wie andere Skelette ihres Umfeldes, Fleisch z.B., beraubt sind. Eine Metapher für den Tod schlechthin, der ja einen Nebelwintertag begleitet.
Der hirnfressende Frost, übrigens ist es im Winter unter dem Nebel viel kälter als bei wolkenlosem Himmel,schafft im Kopf ein Vakuum das sich mit dunkler Wolle füllt, eine hirnbetäubende Situation in der niemand mehr in der Lage ist handwerklich anspruchsvolle Gedichte, wie Sonette, zu schreiben . (subjektiv)
Das ganze Gedicht war gedacht als Beschreibung einer Situation zwischen Tag und Nacht und der Nebel als Niemanndsland zwischen beiden. Er hat allerdings die Geister der Nacht mitgenommen, Ängste, die uns ständig begleiten. Auch die schwarze Katze, als Konstrukt unserer Ängste, aber real kommt kauernd auf der Mauer, die fahl im Nebel aufragt, vor und dennoch ruft gerade diese Katze uns zurück in die Realität.
Danke für Deinen Kommentar
Gruss
Knud

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