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#1

Königskinder

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 12.01.2006 14:53
von Krabü2 | 797 Beiträge | 797 Punkte
Die Königskinder

"...und wenn sie ihr Gehmeimnis für sich behalten haben, dann können sie auch lange weiterleben. Und jetzt Gute Nacht, mein kleines Schwesterchen, schlaf gut und träum' von mir". Er lächelt und steht nun auf, legt den Teddy neben das Mädchen, kratzt kurz an seiner Rasierschnittwunde. Er beugt sich noch einmal zum Kissen, küsst die zusammengekniffenen Augen und flüstert: "Kleine Prinzessin". Dann klappt er das Buch zu, schließt seinen Hosengürtel und kurz danach leise die Schlafzimmertür hinter sich.

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#2

Königskinder

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 12.01.2006 16:09
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Hallo Kratzbürste

Willkommen im Tümpel.

Das Thema taucht immer wieder einmal auf und ich habe selbst etwas in dieser Richtung verfasst. So pikant das Thema auch sein mag. Ich habe schon zu viele Geschichten in dieser Richtung gelesen. Was mir hier doch gefällt, ist die Kürze und der kurze Einschub des Hosengürtels, der die Auflösung bringt. Es ist nicht zu plakativ und durch die emotionslose Erzählweise welche keine Stellungnahme des Autors bietet wird der Leser gefordert sich selbst Gedanken zu machen.
Gut verarbeitet aber das Thema an sich gibt mir nichts mehr.
Ich habe das Verfasste nur unter formalen Gesichtspunkten betrachtet.

LG Gem

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#3

Königskinder

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 12.01.2006 17:27
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Kratzbürste,

willkommen im Tümpel.
Hm, also ich finde das eine nette kurze Geschichte, über einen großen Bruder, der, während er sich für das Ausgehen abends zurecht macht (denn anscheinend hat er sich ja frisch rasiert und zieht sich gerade die Hose an) seiner kleinen Schwester noch eine Gutenachtgeschichte vorliest. Dann reicht er ihr noch den Teddy, gibt ihr ein Küsschen und schließt leise die Tür. Niedlich.
Ich finde, es gibt zu wenig Geschichten so einfachen warmherzigen Inhalts. Meistens schreiben die Leute ja lieber unreflektiert über hässliche, reißerische Themen wie Mord, Raub, Totschlag, Vergewaltigung. Da fällt Deine Geschichte doch positiv aus dem Rahmen.

Schöne Grüße,
GerateWohl

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#4

Königskinder

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 12.01.2006 17:31
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Also ich denke nicht, dass es so harmlos ist...

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#5

Königskinder

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 12.01.2006 17:47
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Schlag mal den Begriff Ironie nach, Gem.

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#6

Königskinder

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 12.01.2006 19:37
von Krabü2 | 797 Beiträge | 797 Punkte
Danke fürs Willkommenheißen, das Lesen und die Auseinandersetzung mit meinem Text. . In der Tat ist es keine 'harmlose' Geschichte, und ich hoffe doch sehr, dass das ironisch gemeint war ;-), sonst muss ich mir wirklich Gedanken machen, wie ich den Text eindeutig (um)schreibe.
Viele Grüße,
Kratzbürste

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#7

Königskinder

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 13.01.2006 10:01
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte

Zitat:

Margot schrieb am 12.01.2006 17:47 Uhr:
Schlag mal den Begriff Ironie nach, Gem.



Mach ich gleich. Ich bin noch bei "hirnlos".

hirnlos: Jemand der nicht nachdenkt und einfach darauf los plappert auch Gemini...

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#8

Königskinder

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 13.01.2006 10:32
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Hirnlos ist ja nun ein hartes Urteil, lieber Gemini, wer wird denn so empfindlich sein?

Allerdings verstehe ich die Ironie auch nicht. Ist der Text nun scheiße, oder nicht? Ich finde ihn nicht schlecht, allerdings langweilt die Thematik so sehr, dass man schon Außergewöhnliches bieten muss, um mich hinter dem Ofen vorzulocken.

Die Verkürzung und die Lakonie sagen mir grundsätzlich zu, die Rasierschnittwunde ist schon zu aufgesetzt bzw. zu deutlich und der Bruder ebenso. Hier hättest du für meine Begriffe auch das offen lassen sollen, denn das Weiterleben bei Geheimhaltung, die zusammengekniffenen Augen und der Hosengürtel reichen doch vollständig aus. Jedes weitere Wort wäre definitiv eines zuviel.

Ansonsten aber ist das der richtige Weg. Wer kann schon in Langform glaubwürdig ausdrücken, welches Grauen sich abspielt. Die Andeutung reicht, der Rest spielt sich im Kopf ab und ist erschütternder, als jedes betroffenheitstriefende Wort. Insofern ein anerkennenswerter Versuch.

DG
Mattes


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#9

Königskinder

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 13.01.2006 11:06
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Die Rasierschnittwunde muss hier doch sein denke ich, da sie das Alter des Bruders andeutet. Sonst könnte der Bruder ja im gleichen Alter sein und es wäre tatsächlich harmlos. So sieht man aber die Überlegenheit des Bruders und auch die Tatsache, dass er sich geschnitten hat, also noch keine Übung beim Rasieren hat, lässt weitere Schlüsse auf sein Alter zu. Auch wenn das jetzt etwas weit hergeholt ist. Wenn statt dem Bruder der Vater dargestellt wäre, könnte man sich die Wunde sparen. Aber so muss sie hier doch angeführt werden.

LG Gem

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#10

Königskinder

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 13.01.2006 11:57
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Begriffen hatte ich das schon. Wie du selbst schreibst, bedingt aber lediglich der Bruder die Rasierschnittwunde, auch wenn ich es auch nicht als sonderlich harmlos empfände, wenn es der nur wenig ältere Bruder wäre. Und sie ist plakativ, sie nimmt mir das Denken ab. Aha, es ist ein zumindest pubertierender, also ist es igittbähbäh. Simpel, Fall gelöst, ich bin betroffen und lobe die Autorin für ihre anständige Gesinnung und den einfachen Genuss.

Ohne Bruder, Vater, Rasierschnittwunde und - aus meiner Sicht - vielleicht sogar noch ohne den Hosenlatz finge das Nachdenken aber überhaupt erst an. Handelt es sich tatsächlich um eine kleine Story á la GW. Warum sind dann aber die Augen zusammengekniffen? Und was ist das für eine seltsame Königskindergeschichte?

Das meinte ich. Wahrscheinlich auch nicht klarer jetzt...

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#11

Königskinder

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 13.01.2006 12:17
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte

Zitat:

Mattes schrieb am 13.01.2006 10:32 Uhr:
Hirnlos ist ja nun ein hartes Urteil, lieber Gemini,


Er bereitet sich vermutlich nur gerade auf Braindead vor .


Zitat:

Mattes schrieb am 13.01.2006 10:32 Uhr:
Allerdings verstehe ich die Ironie auch nicht.


Ich denke, Margots Ironiehinweis bezog sich nicht auf den Text, sondern auf den Post von Geratewohl. Oder verstehe ich Dich jetzt nicht?


Hallo Kratzbürste,

auch wenn Gemini an anderer Stelle schon einmal argwöhnte, unsere massiv auftretenden, sektenhaften Begrüßungsorgien könnten verschreckend wirken, möchte ich mich den Willkommensgrüßen anschließen. Ich hoffe, Du bist nun nicht weg .

Ich finde auch, dass das Thema grundsätzlich ausgelutscht ist, wobei der Bereich des geschwisterlichen Missbrauchs im Vergleich zu Übergriffen der Eltern wohl etwas weniger vertreten sind. Aber nur, weil die Pfade breit sind, heißt das in meinen Augen ja nicht, dass man sie nicht mehr betreten darf, man benötigt halt nur etwas, um aus der Masse herauszuragen.

Ein paar Anmerkungen zum Text:
Das Buch würde ich vielleicht sogar ganz weglassen. Die Assoziation, dass aus einem Buch vorgelesen wird, hat man automatisch durch den Beginn, der sehr an das klassische "und lebten glücklich bis an ihr Lebensende" erinnert. Da braucht es das Zuklappen des Buches nicht mehr, zumal man das vom Bruder Gesagte dann schnell übersieht: es ist eine ziemlich unverhohlene Drohung, die so wohl kaum im Buch steht.

Die Schnittwunde könnte wie Gem meinte, auf das Alter des Bruders hindeuten. Wobei ich mich auch noch ab und an schneide, pubertär an mir ist aber nur noch mein Verhalten . Aber immerhin kann man da was herauslesen, vielleicht ist es sogar ein Hinweis darauf, dass auch der Bruder verletzbar ist und dies auch schon wurde.

Ich kenne übrigens nur wenige Kinder, die ein spezielles Schlafzimmer haben. Zumindest die Berliner Gören haben zumeist nur ein Kinderzimmer, das zum Spielen, Arbeiten und Schlafen herhalten muss. In der Welt der Reichen und Schönen mag das anders sein...

Am besten gefällt mir auch die Kürze, denn es ist schließlich ein Thema, über das schon viel geschrieben wurde, dessen Schrecken aber eigentlich nicht vieler Worte bedarf. So gut, dass es mir trotz des müden Themas gefällt, ist es zwar in meinen Augen nicht, hübsch gemacht ist es trotzdem.

Don

P.S.: Mit dem "Gehmeimnis" ist Dir ein Tippfehler unterlaufen.

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#12

Königskinder

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 13.01.2006 12:20
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Ach, Don, wer versteht mich schon?

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#13

Königskinder

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 13.01.2006 12:32
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
Wie meinen?


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#14

Königskinder

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 13.01.2006 12:41
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Also, es ist richtig, dass mein Kommentar ironisch gemeint war. Um ehrlich zu sein, der Text gefällt mir nicht. Er hat unabhängig von der Gelungenheit der Beschreibung, als einzigen Inhalt den Hinweis darauf, dass es geschwisterlichen sexuellen Missbrauch gibt von älteren Brüdern an kleinen Schwestern. Sobald der Leser allerdings weiß, dass solche schrecklichen Dinge in der Welt existieren, gibt einem der Text nichts. Zumindest mir.
Wenn die von Mattes angedeutete Doppeldeutigkeit drin wäre, hätte es ja was.
Ansonsten habe ich bei solchen Texten immer so eine Assoziation von Bildzeitung. Irgendwie. Sorry.

Grüße
GW

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#15

Königskinder

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 14.01.2006 17:25
von Krabü2 | 797 Beiträge | 797 Punkte
Hallo Ihr und
Danke für das Lesen und Auseinandersetzen mit meinem Text. Ich habe einige Anregungen mitgenommen, das mit dem Buch z.B... Über die Rasierschnittwunde denke ich noch nach, denn ich habe sie tatsächlich als Hinweis für den Altersunterschied gebraucht.
Ob es jemandem 'gefällt', oder jemand das Thema als 'ausgelutscht' empfindet, hat mich jetzt weniger interssiert.
Aufgrund der Kürze, und ich wollte nichts weiter werten oder aufbauschen, ist natürlich viel mehr als die 'Tatsache' nicht zu finden. Der Titel 'Königskinder' ist noch das einzige, was relativierend wirken sollte, das hat aber niemand gemerkt. Schade.
Kennt Ihr das nicht? 'Es waren zwei Königskinder, die hatten einander so lieb...'? okay, ist uralt..., das Thema ja auch.
Danke,
Gruß von
Kratzbürste

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