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#1

Ansatz einer Bewältigung

in Arbeitshügel 08.01.2006 21:55
von kein Name angegeben • ( Gast )
Chapitre I

Sie hat einen Hang zu Hinterhäusern. Kleine, knarrige Türen, versteckt in den winzigsten Gassen. Ein Räumchen, in dem gerade einmal der eigene Körper gerade so Platz hat. Enge Flure. Steile Treppen. Gut nur, dass manchmal dünne Eisenstangen der Physis Halt auf dem abenteuerlichen Grundriss der Stufen geben.
Er war ihr Sandmann. Ohne Traumsand. Den, sagte er, gäbe es in seiner Wüste nicht. Nur die Wahrheit.
Wie gern hätte sie ihm das erzählt: Mit Wintersocken!
Es war Herbst, in den ersten Zügen, allmählich wurde es draußen noch bunter, die Sonne schien in wärmerem Licht. Aber sie wärmte jetzt nicht mehr die Menschen, nur das Tageslicht. Morgens frierte man. Doch schon die ersten Stunden waren in ein warmes Licht getaucht. Gegen Mittag dann leuchtete die Stadt in kaminrot und goldgelb. Es wurde zeitiger dunkel. Dann war es wie am Morgen: kalt.
Darum hatte sie ihre liebsten Socken hervorgekramt. Schön dick.
Weiße Schrift auf der Fußsohle. Sie hatte nur zwei Paar davon.
Mit Wintersocken! War sie doch tatsächlich mit diesen Socken in die Duschmuschel gestiegen! Als sie auf das warme Wasser wartete, denn es plätscherte erst kalt, hatte sie die Füße im Blick. Aber sie merkte es nicht. Lieber starrte ihr Sinn auf das Wasser, das, allmählich wärmer werdend, in die Duschmuschel floss. Ein verstopfter Abfluss! Früher hatte er ihn mit seiner geliebten Chemie wieder frei gemacht. Es war schon öfter vorgekommen.
Sie drehte das Wasser ab, damit es nicht überlief. Ein Duschbad mit Kakao und den Extrakten einer exotischen Buttersorte. Sie mochte keine Butter nicht. Zumindest nicht auf ihrem Brot. Er auch nicht. Auf seinem Brot.
Und dann: Die Wintersocken! Lachen musste sie jetzt. Lauthals. Atemlos. Pausenfrei.
Ihr Sandmann. Er hatte zu ihrem Leben gehört, wie die gleichnamige Sendung zum Gute-Nacht-Ritual kleiner Kinder. Jetzt war der Fernseher aus. Kaputt. Brauchte sie einen neuen Fernseher? Mit neuem Sandmann? Aber der ist doch immer der gleiche. Gleich, auf welcher Röhre er flimmert.
Aber ehe so ein Fernseher repariert ist! Verpasst man viele Gutenachtgeschichten. Hat sich der Sandmann verändert, neues erlebt. Ohne, dass man dabei war.
Und nun liebt sie wieder die Hinterhäuser. Die knarrigen Türen.
Tagsüber, meinte sie, wird sie wieder ihre Liebe zurückerobern. Der Filofax quoll über. Jede Stunde an etwas vergeben. So würde sie es schon verkraften, dass sie aus dem Sandmannalter hinaus gewachsen war.
Aber wenn es dunkel wurde, war alles abgehakt im Filofax. Arbeit hatte sie eigentlich genug. Die konnte sie nur erledigen, wenn die Häkchenliste vollständig war. Aber irgendwann, nach der dreiundreißigsten Nacht ohne den Sandmann, spürte sie, dass es nicht nur aus Arbeiten bestehen konnte, ihr Leben.
Die Gedanken an den Sandmann aber! Die kamen immer wieder, wenn sie nur da saß, nichts tat. Oder Filme sah, in denen sich Sandmannpärchen… . Nein. Den Fernseher wollte sie nie wieder sehen. Wohl aber den Sandmann.

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#2

Ansatz einer Bewältigung

in Arbeitshügel 08.01.2006 22:44
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Hallo Xyayde

Willkommen im Tümpel
<---Überreicht Blumensträußchen

Ich will dir hier meinen ersten Eindruck vermitteln, den ich beim überfliegen erhalten habe. Die Geschichte ist ein wenig zersplittert. Es fehlt mir hier irgendwie der rote Faden, der mich durch die Erzählung führt. Gegen Ende habe ich erst verstanden, wer der Sandmann ist. Auch finde ich, dass du die Sätze länger auslaufen lassen solltest.
Soviel erstmal. Wenn du magst, können wir uns ja noch weiter unterhalten.

LG Gem

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#3

Ansatz einer Bewältigung

in Arbeitshügel 09.01.2006 09:39
von kein Name angegeben • ( Gast )
Lieber Gemini,

vielen Dank für deinen Flug .
Nun, bedenke immer, dass die Form eines literarischen Pamphletes aus dem Inhalt rekrutiert werden kann. Stell dir vor, wenn das betreffende Leben wie ein Bombenangriff ist: ein Meer aus Splittern, die erst - darum bin ich erfreut, dass du erst am Ende erkanntest, wer der Sandmann ist, - an einem Ende durch jenen Sandmann geordnet werden könnten.
Da nichts lange in meinem Leben weilte, auch keine langen Sätze.
Aber es ist ja auch das erste Kapitel. Genug liegt vor mir, um deine Anregungen einfließen zu lassen. Vielen Dank dafür.

Es grüßt
Xyayde

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#4

Ansatz einer Bewältigung

in Arbeitshügel 09.01.2006 10:22
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
:-Oh, na dann...
Ich dachte du willst noch daran werkeln, weil du die Geschichte ja im Arbeitshügel gepostet hast.
Na dann schreib fleissig.

LG Gem

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#5

Ansatz einer Bewältigung

in Arbeitshügel 09.01.2006 19:11
von kein Name angegeben • ( Gast )
Ja, ich arbeite auch noch daran... jetzt, wo ich deine Tipps bekommen habe, könnte ich mir eine Überarbeitung überlegen. Was genau stört dich denn? Also, wo hast du deine Problemchen mit dem Text?

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#6

Ansatz einer Bewältigung

in Arbeitshügel 10.01.2006 12:22
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Also ich will mich nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen. Ich kann dir nur von meinem Gefühl her sagen, was mich stört. Also hat meine Kritik kein echtes Fundament, sondern lediglich mein subjektives Empfinden.
Wenn die Geschichte ab der Einführung anders erzählt wird, dann ist das natürlich etwas anderes. Aber diese kurzen Sätze, sind doch auf die Dauer sehr anstrengend.
Mir fehlt hier der Erzähler, der mich durch die Geschichte führt.
Die kurzen Sätze, wirken sehr gut, finde ich, wenn man die Psyche seiner Figur als gehetzt darstellen will. Auch diese kurz aufblitzenden abweichenden Gedanken, passen sehr gut dazu. Man sollte aber aufpassen, dass man nicht zu viele Fäden aufnimmt, welche man dann nicht mehr weiter verfolgt. Ich verstehe zum Beispiel nicht, was der Fernseher für einen Bezug zum Sandmann hat. Auch ist mir nicht klar was du mir mit den Socken sagen willst.
Ich habe nachgedacht und bin nun der Meinung, dass der Anfang, so wie du ihn gestaltet hast, doch gut ist. Man wird auf einmal in die Geschichte hineingeworfen und ist mitten im Geschehen und überfordert. Der Anfang, endet dann mit der Vorstellung des Sandmanns. Wenn du ab hier dein erstes Kapitel schreibst, würde dieser Einstieg mir sehr gut gefallen.
Durch diese kurzen Sätze bringst du natürlich mehr Tempo in die Erzählung. Das ist auf die Dauer sehr anstrengend. Wenn du ab jetzt die Sätze auslaufen lässt, und die Erzählung beginnst, würde mir das besser gefallen.
Das ist aber nur meine Meinung und soll dich nicht in deiner Arbeit beeinflussen.

LG Gem

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#7

Ansatz einer Bewältigung

in Arbeitshügel 10.01.2006 13:00
von kein Name angegeben • ( Gast )
Hallo Gem,

es freut mich, dass du dein Bild nun ein wenig verändert hast . Im Grunde sind auch die "unverständlichen" Sachen ganz profan: Ich meine, wenn du z.B. deine Liebe nicht immer bei dir haben kannst, erzählst du ihr vielleicht beim Wiedersehen von solch lustigen Erlebnissen, dass du eben mit Socken in die Dusche gestiegen bist. Und vielleicht, gerade WEIL du deine Liebe nur am Wochenende sehen kannst, erzählst du gerade diese Geschichte, deren Fabel ja eigentlich total bedeutungslos oder auch bekloppt ist. Aber, wenn man eben seinen Sandmann entbehren muss (das ist übrigens der kaputte Fernseher, man kann nicht mehr jeden Tag den Sandmann sehen, weil er weggezogen ist, ergo Fernseher kaputt - kleines metaphorisches Spielchen:)), kramt man selbst so profane Geschichtchen raus.
Aber du hast es recht erkannt: Dem Leser sollte es ergehen wie mir: reingeworfen in Unerwartetes, mit dem man erstmal Schwierigkeiten hat. Aber es wird im Folgenden anders.
Wahrscheinlich ist es besser, wenn das nächste Kapitel da ist... mal schauen, wann ich Zeit dazu finde. Momentan brüte ich über dem Latinum, und diese Zeit bekommt auch ein Extra-Kapitel, so anstrengend, nervig und uferlos ist das.

Danke aber für deine Kritik.
Liebe Grüße
Xyayde

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