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#1

Müssen Wollen Können

in Gesellschaft 28.12.2005 11:48
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Müssen Wollen Können


Wenn alles dich nur unbefriedigt ließe, was
wäre dann noch, um dich zu erfreuen?
Willst du wie Hesse ins Gebirge ziehen? Das
könntest du am Ende schwer bereuen.

Ich kann am reichen Tisch zugrunde gehen
und auch gemästet Hungers sterben.
Wer kann den Wald vor lauter Bäumen sehen?
Wem bringt Erfüllung auch Verderben?

Ich will, was ich besitze, ganz verschlingen.
Mir ist die Freiheit sehr suspekt.
Deshalb soll Flucht nur dann gelingen,
wenn ausgekotzt, was nicht mehr schmeckt.

Ich muss, was ich nicht kenne, ausprobieren,
weil ich noch jedem Wort misstraut.
Und völlend werde ich Gewicht verlieren,
denn nur geschluckt, ist nicht verdaut.

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#2

Müssen Wollen Können

in Gesellschaft 28.12.2005 16:00
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
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Hi Mattes

Du Formfetischist, hier hast du deine Kreuze!

Gefällt mir, typisches Mattes-Thema in typischer Manier geschrieben. Ich lese so etwas jeweils nicht so gerne, aber hier soll es ein Kompliment sein.
In Str. 2i/Z 1+2 sehe ich eine Verdoppelung der Aussage. In der nächsten Zeile ein bekannter Ausdruck. Zwar passt er hervorragend, aber ich bin immer etwas gespalten (tolles Wortspiel *g) wenn ich so etwas in einem neuen Gedicht lese. Völlend als Verb? Ungewöhnlich, gefällt mir hier aber. Ich kann, ich will, ich muss ..... vielleicht eher: Ich sollte ..... zmB. einen anständigen Titel suchen!

Inhaltlich .... ehm .... nö (Gott bin ich nachtragend, nicht?)

Gruss
Margot

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#3

Müssen Wollen Können

in Gesellschaft 28.12.2005 16:21
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Danke für deine Rückmeldung. Hinsichtlich des Titels triffst du die offenste Flanke dieses Gedichtes. Nachtragend finde ich dich übrigens nicht, höchstens stur am falschen Eindruck klebend. Aber jede/r muss wissen, was sie/er tut. Ich jedenfalls habe mir mit meinem Formtief eingehandelt, dass niemand mehr mit mir über Inhalte spricht, weil ich das ja angeblich nicht will. Was für ein Käse aber solange überhaupt noch jemand mit mir spricht, will ich mich nicht beklagen.

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#4

Müssen Wollen Können

in Gesellschaft 28.12.2005 17:13
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Hallo Mattes

Auch ich muß Salz in die Wunde reiben. Das Gedicht, hat sich tatsächlich einen besseren Titel verdient. Ich habe es zuvor schon einmal gelesen, aber gewartet, bis jemand vor mir schreibt, so nach dem Motto: Vielleicht kommt noch mehr...*lach*
So, ernsthaft

Die Metrik ist mir natürlich wurscht, aber durch deine gesprochenen Gedichte, habe ich nun tatsächlich deine Stimme im Kopf.
Mir gefällt der Inhalt sehr gut, da er für mich Lebenshunger beschreibt. Auch bin ich vom letzten Absatz sehr angetan.
Hups, jetzt habe ich gerade wieder deine Stimme im Kopf.
Sie sagt: Schleimer!
*lach* und out

LG Gem

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#5

Müssen Wollen Können

in Gesellschaft 28.12.2005 19:34
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi Mattes

Mach jetzt nicht auf Mitleid, gelle.

Inhaltlich sehe ich zwei Interpretationsmöglichkeiten. Erstens, sprechen zwei Personen miteinander. In 1. Str. fragt einer den anderen, was ihn denn noch zu berühren vermag und ob (feige) Flucht wirklich die Lösung sei. In den folgenden Str. spricht dann der Angesprochene und verteidigt seine Art zu Leben, Denken, Fühlen.

Die andere Seite wäre folgende, dass das lyr. Ich zu sich selber spricht. Die gefällt mir eigentlich besser. Zuerst parliert der Kopf bzw. das Gewissen, ein Aufrütteln sozusagen. Nachfolgend versucht sich das lyr. Ich vor sich selber zu rechtfertigen. Es hat eigentlich alles, was es zum Leben bräuchte, wenn, ja wenn da nicht etwas fehlen würde ..... In der 2. Str. wird angedeutet, was das sein könnte. Ich überlasse es dem Leser, das herauszulesen. In den beiden letzten Str. verteidigt das lyr. Ich sein Bleiben, sein Nichtausbrechen, wortgewandt. Und wenn ich solche vehementen Worte lese, dann erscheint mir das immer etwas suspekt. Keiner macht so viel Rauch, wenn nicht auch Feuer irgendwo brennt. Ich würde mal sagen, es belügt sich – wortgewandt – selber.

So, das sind meine inhaltlichen Auslegungen.

Gruss
Margot


P.S. Ach, ich sehe gerade, dass es im Gesellschaftlichen steht. Hm ... dann liege ich wohl komplett falsch. Na ja, ihr seid das ja von mir gewöhnt!

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#6

Müssen Wollen Können

in Gesellschaft 28.12.2005 19:40
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Ich denke, dass es sich um ein Zwiegespräch handelt, in dem aber letztendlich nur der Stillstand entsteht. Das Lyr ich, möchte alles zur gleichen Zeit, um auszubrechen, deswegen auch das herauswürgen des Unverdautem. Es wägt die Möglichkeiten ab, nur um nicht vom Fleck zu kommen. So irgendwie...

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#7

Müssen Wollen Können

in Gesellschaft 28.12.2005 19:43
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Ja, die Rubriken sind so eine Sache, nicht wahr? Deine Interpretation erscheint mir bis zur Mitte textnah, den Rest der Verse kann ich darin weniger unterbringen.

Richtig ist, dass das lyrI mit sich und der Gesellschaft hadert. Ebenso richtig ist, dass die Worte zu laut, etwas zu dick aufgetragen sind, da das lyrI in Strophe 1 mit sich selbst spricht und in Strophen 2 bis 4 in die Rolle des verachteten lyrDu springt und vermeint, dass dieses ein gefräßiges, alles zerstörendes Monster ist. Das lyrI meint höhnisch, ja, das könne es natürlich auch so halten, ohne das natürlich wirklich zu wollen.

Danke für die kritische Betrachtung. Ich merke, dass das Gedicht nicht sonderlich konsistent ist. Ich sollte mir mehr Mühe geben.

DG
Mattes

edit: Gem, du bist mir dazwischen geraten, sorry. Das ist korrekt: Das lyrI kommt nicht vom Fleck. Es reicht nicht aus, andere zu verachten, man muss schon seinen eigenen Plan machen. Ich danke auch dir.

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#8

Müssen Wollen Können

in Gesellschaft 28.12.2005 20:18
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Mattes,

ich habe die anderen Kommentare jetzt nicht genau durchgelesen. Aber für mein Gefühl ist das hier eine sehr gelungene Fragestellung zu dem Thema "Ich lebe eingebettet in die Gesellschaft und habe alles, was in den Augen der Gesellschaft für ein Leben nötig ist, im Überfluss. Dennoch leide ich hunger, weil mir etwas entscheidendes fehlt." Dieses Gefühl ist sehr schön beschrieben. Das Bild von der Völlerei mit gleichzeitigem Hungerleiden und geschluckt ist nicht verdaut gefällt mir sehr gut.
Über das, was dem lyr. Ich nun aber fehlt kann man natürlich noch separat diskutieren. Das wird hier komplett der Imagination des Lesers überlassen. Wenn er sich hier wieder findet, muss er das selbst ergründen. Auch das finde ich keine Schwäche des Gedichts. Das passt schon. Gefällt mir. Gut gemacht.
Na gut, der das/was-Reim in der ersten Strophe gefällt mir in der Konstruktion nicht so. Aber das ist Kleinkram. Schönes Teil.

Schöne Grüße,
GerateWohl




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#9

Müssen Wollen Können

in Gesellschaft 28.12.2005 21:06
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Ha, GerateWohl, der was-das-Reim ist ja nur getürkt, ich liebe solche kleinen Nickeligkeiten in meinen Gedichten. Wenn du genau hinschaust, wirst du erkennen, dass das "was" und das "das" recht eigentlich als Auftakte in die jeweils nächste Zeile gehören. Das würde allerdings aus dem ansonsten konsequenten und reinen Kreuzreim in der ersten Strophe (lediglich) eine Assonanz machen, was natürlich nicht schlimm wäre. Aber durch diesen Kniff hebt sich die erste Strophe noch einmal mehr vom Rest ab und unterstreicht auch mein Credo, dass vor aller Form die Funktion, sprich: der Inhalt steht.

DG
Mattes

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#10

Müssen Wollen Können

in Gesellschaft 30.12.2005 15:49
von Knud_Knudsen • Mitglied | 994 Beiträge | 994 Punkte
Hi Mattes,
ich kann mich dem Wunsch nach einem neuen Titel nicht anschliessen. Du hast glaubwürdig das "Müssen, Wollen und Können" ausgeführt.

Zitat:

Willst du wie Hesse ins Gebirge ziehen? Das
könntest du am Ende schwer bereuen.





Zitat:

Ich kann am reichen Tisch zugrunde gehen




Zitat:

Wer kann den Wald vor lauter Bäumen sehen?



Zitat:

Ich will, was ich besitze, ganz verschlingen



Zitat:

Ich muss, was ich nicht kenne, ausprobieren


usw.
Der Inhalt ist für mich auch z.T. zugänglich,bis auf


Zitat:

Mir ist die Freiheit sehr suspekt.


da Dein lyr. Ich doch die Freiheit auslebt und


Zitat:

wenn ausgekotzt, was nicht mehr schmeckt



Trotzdem gern gelesen
Gruss
Knud

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#11

Müssen Wollen Können

in Gesellschaft 04.01.2006 12:54
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Danke, Knud. Hinsichtlich des vermeintlichen Widerspruches verweise ich frech auf eine der oberen Antworten: Das lyrI versetzt sich hier in die Rolle des lyrDu und erhebt sich sehr aggressiv und bösartig über dieses. Nicht nett, ich weiß. Um so schöner, dass du es gern gelesen hast.


edit: P.S.: Ich vergaß den Titel. Ich bin nach wie vor nicht unzufrieden mit diesem, auch wenn er eher "Müssen Wollen können" lauten müsste, da er ausdrücken soll, dass das lyrI und Leute seines Schlages nur wollen müssten, um gesellschaftsfähig zu sein, es ihnen aber an diesem Wollen-Können mangelt.

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