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#1

Klopf den Staub von deinen Schuhen

in Philosophisches und Grübeleien 25.12.2005 16:53
von Roderich (gelöscht)
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Klopf den Staub von deinen Schuhen


Klopf den Staub von deinen Schuhen
und tritt herein ins warme Zimmer.
Hör nicht auf das leis’ Gewimmer,
das uns nicht stören soll beim Ruhen.

Bist mir viel zu lang gelaufen
durch graue Wälder, dunkle Gassen.
Ja, du fühltest dich verlassen;
nun willst du sicher mal verschnaufen.

Komm und mach es dir behaglich,
und achte nicht auf diese Laute.
Wenn’s mir oft ein wenig graute,
so liegt es nur am Jammern an sich.

Nimm ein heißes Bad und denke
an all die Zeit, die nun verstrichen.
Deine Bilder, fast verblichen,
verschwinden in der Zeitensenke.

Lass dich vom Geschrei nicht stören
und schwimme weiter in den Jahren.
Hilf dann mit den schweren Bahren.
Horch, kannst du die Stille hören?


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#2

Klopf den Staub von deinen Schuhen

in Philosophisches und Grübeleien 29.12.2005 10:52
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Rod,

hm. Bei so grüblerischen Texten solcher Länge geht es ja gerne mal ein wenig drunter und drüber, so auch bei Dir hier.
Wichtiger Aspekt ist hier der akustische, und der verwirrt mich außerordentlich.
In Strophe 1 ist da dieses leise Gewimmer an dem sich das Du nciht stören soll. In der dritten Strophe soll es nicht auf die jammernden Laute achten. Erscheint mir etwas doppelt gemoppelt.
In Strophe 5 heißt es dann, stör dich nicht an dem Geschrei. Und ich denke, aha, das ist beabsichtigt. Die Lautstärke steigert sich. Und ganz am Schluss erstirbt sie.
Das erkennt man aber nciht sogleich. Ich denke, diesen Effekt könntest Du erheblich steigern, indem Du alle Verse, die hier im Imperfekt stehen ins Päsens, bzw. wenn sie wirklich in der Vergangenheit liegen sollen ins Perfekt setztest. Denn die Entwicklung der Lautstärke muss eine gewisse Gleichzeitigkeit ausdrücken. Warum sollte sie durch etwas beeinflusst werden, was mal war? So finde ich es nicht so prägnant.
Sehr interessante Idee, auch ganz gut umgesetzt, nur mir fehlt noch das Fünkchen irgendwie.

Schöne Grüße
GW

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#3

Klopf den Staub von deinen Schuhen

in Philosophisches und Grübeleien 29.12.2005 16:25
von Roderich (gelöscht)
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Servus GW,

ich danke dir sehr für deine kritischen Anmerkungen zu meinem Gedicht.

Zum Akkustischen: Jammern ist meiner Ansicht nach schon eine Stufe lauter als wimmern - hier haben wir also eine Steigerung (die dann ins Geschrei übergeht, bis die Stille eintritt). Schade, dass das nicht so rüberkommt. Deine Anregung bezüglich der Korrektur der Zeiten überlege ich mir aber genau. Muss mir das erst einmal durchdenken. Mein Einwand hier: Das Kind, das hier jammert, war immer schon da, so wie auch das lyr. Ich, das hier für die Verführung, für die Verantwortungslosigkeit steht. Lyr. Ich und Kind waren also schon immer da, die angesprochene Person ist die, die neu hinzu kommt. Diesen Aspekt möchte ich eigentlich nicht aus den Augen verlieren. Daher bin ich noch ein wenig am Grübeln.

Ich danke dir jedenfalls und falls wir uns vorher nicht mehr lesen: Einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Grüße

Thomas

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