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#1

manisch-depressiv

in Diverse 20.12.2005 19:29
von Stigma (gelöscht)
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manisch-depressiv

Die Welle rollt,
erfasst, greift, hebt
der Sonne entgegen.
Zaubert
ein Lächeln.

Die Welle bricht,
falle tief, tiefer,
dem Wasser entgegen.
Stürze
ins Nichts.

Meerwasser perlt
von Augen,
durch Wimpern hindurch.
Gestrandet
bei Nacht.

Ein Sonnenstrahl schiebt
hell, golden
den Mond bei Seite.
Wandle
zum Licht.

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#2

manisch-depressiv

in Diverse 23.12.2005 08:59
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Hallo Stigma

Was mir hier nicht richtig klar wird ist, wem soll der letzte Satz ansprechen? Wandle zum Licht. Ich denke dein Lyri, tut dies. Du beschreibst ein abgleiten in die Depr. und dann wieder ein Auftauchen aus den Tiefen. Überwindet dein Lyri die Depression? Oder beginnt hier das Spiel erneut in einer Endlosschleife. Irgendwie gibt es mir zu wenig her. Es ist zu rund. Ich mag zwar abgemagerte Gedichte, aber hier ist nur das Absteigen und Aufstreben beschrieben. Hier fehlt mir irgendwie ein Ansatz für eigene Gedanken.

LG Gem

Ps.: Obwohl der Vergleich mit dem Meer doch sehr treffend ist.

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#3

manisch-depressiv

in Diverse 23.12.2005 11:45
von Stigma (gelöscht)
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Hallo Gemini,


Zitat:

Oder beginnt hier das Spiel erneut in einer Endlosschleife.


Genau so ist es. Hier wird eine bipolare Depression beschrieben. "manisch-depressiv" bedeutet, dass die erkrankte Person zwischen himmelhoch-jauchzend (also manisch) und zu todebetrübt (depressiv) schwankt.

Vielen Dank fürs Lesen.

Liebe Grüße,
Stigma

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#4

manisch-depressiv

in Diverse 23.12.2005 12:12
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Ich starte noch einen Versuch, dir zu erklären was mich stört, denn das Vorherige war wohl nichts.
Du beschreibst ja die Auswirkungen der Depression. Nur eben um eine Gedichtform zu erreichen stark verkürzt.
Da es aber eine Beschreibung vom Beginn der Depression bis zu ihrem Ende ist, würde ich den Text eher prosaisch gestalten. Du verwendest hier die Wörter als Schlagworte, welche aber in die gleiche Richtung zielen. Also wird man hier nicht angeregt selbst einen Schluss zu ziehen. Wenn du dieses Thema als Prosa verarbeiten würdest, könntest du die Beschreibung vertiefen. Ich hoffe ich habe dir jetzt meine Meinung klar genug vermitteln können.

LG Gem

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#5

manisch-depressiv

in Diverse 23.12.2005 15:46
von Stigma (gelöscht)
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Zitat:

Da es aber eine Beschreibung vom Beginn der Depression bis zu ihrem Ende ist


ist es nicht. Es beschreibt die Phasen der manischen Depression.

Das ganze war eher ein experimenteller Versuch. Von Depressionen habe ich keine Ahnung, nur so viel, wie ich in der Schule darüber gelernt habe.
Aber scheinbar ist es mir nicht gelungen, die Phasen dieser Depression einzufangen.

Liebe Grüße,
Stigma

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#6

manisch-depressiv

in Diverse 23.12.2005 16:26
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Also ich glaub ich spinn! Geht das jetzt bei mir auch schon wieder los, dass ich ständig falsch verstanden werde, beziehungsweise mich nicht mehr richtig ausdrücken kann?

Die Beschreibung der verschiedenen Zustände, habe ich schon verstanden und die finde ich auch treffend dargestelt, mit dem überrollt werden und dem Meer. Mir hätte es nur anders ein wenig besser gefallen.
Ist ja nur meine Meinung. Who cares.

LG Gem

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#7

manisch-depressiv

in Diverse 24.12.2005 13:54
von Ulli Nois | 554 Beiträge | 554 Punkte
Hi Stig,

beim dritten Lesen hat mich die Welle deines Gedichts erfasst und ich entdecke immer mehr Feinheiten in der von dir beschriebenen Bewegung. Besonders stark am Tiefpunkt der Bewegung: das Meerwasser, das von den Augen perlt. Ich sehe darin ein Bild für Tränen, aber noch elementarer ein Bild für die Reinigung des Blicks. Es ist die dunkelste Nacht der Seele und zugleich der Anfang der Klarheit. Wer gestrandet ist, hat keine Illusionen mehr.

Nicht so stark finde ich, dass die Welle ein Lächeln zaubert. Einmal weil es zum Bild der Welle nicht wirklich passt (auch wenn man die Welle im übertragenen Sinne z. B. als "emotionale Welle" lesen kann), zum zweiten ist das Bild einfach zu abgenutzt.

Der Wechsel von Beschreibung und Aufforderung gefällt mir gut. Um es dem Leser einfacher zu machen, würde ich S1Z1 mit einem Punkt abschließen. "Die Welle bricht. / Falle tief..." Entsprechend der letzten Strophe. Dass die Aufforderung einmal länger und einmal kürzer ausfällt, nimmt dem Gedicht etwas von seiner Harmonie. Vielleicht wäre der Effekt größer, wenn "Stürze ins Nichts." und "Wandle zum Licht." jeweils die Doppelstrophe abschließen und der Rest Beschreibung wäre. Aber das ist Geschmackssache.

Geschmackssache ist auch die Anordnung des Metrums. Auf zwei 19erStrophen folgen zwei 17erStrophen, das Versmaß ist eher frei. Mir schmeckt das Gedicht auch so. Es liest sich fließend und frei.

Für ein so feines Werkstück finde ich den Titel zu plakativ. "Manisch-depressiv" ist eine Diagnose. Die Bewegung, die du beschreibst, ist ein kosmisches Gesetz, das sich überall in der Natur findet, nicht nur im Menschen, im großen wie im kleinen.

Ich nehme das für mich als Weihnachtsgruß mit. "Stürze ins Nichts." "Wandle zum Licht." Was wäre das eine ohne das andere?

Liebe Grüße, Ulli


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