http://www.E-LIEratum.de

#21

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

in Rumpelkammer 14.03.2006 00:23
von apple (gelöscht)
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danke, Wilhelm

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#22

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

in Rumpelkammer 11.04.2006 19:23
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Die Nacht ist wie ein grosses Haus.
Und mit der Angst der wunden Hände
reissen sie Türen in die Wände -
dann kommen Gänge ohne Ende,
und nirgends ist ein Tor hinaus.

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#23

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

in Rumpelkammer 14.04.2006 00:07
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Vorfrühling (1924)

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,

greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit ins Land und zeigens.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.

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#24

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

in Rumpelkammer 15.04.2006 11:28
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Die Erblindende

Sie saß so wie die anderen beim Tee.
Mir war zuerst, als ob sie ihre Tasse
ein wenig anders als die andern fasse.
Sie lächelte einmal. Es tat fast weh.

Und als man schließlich sich erhob und sprach
und langsam und wie es der Zufall brachte
durch viele Zimmer ging (man sprach und lachte),
da sah ich sie. Sie ging den andern nach,

verhalten, so wie eine, welche gleich
wird singen müssen und vor vielen Leuten;
auf ihren hellen Augen die sich freuten
war Licht von außen wie auf einem Teich.

Sie folgte langsam und sie brauchte lang
als wäre etwas noch nicht überstiegen;
und doch: als ob, nach einem Übergang,
sie nicht mehr gehen würde, sondern fliegen.

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#25

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

in Rumpelkammer 20.02.2007 19:12
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Spätherbst in Venedig

Nun treibt die Stadt schon nicht mehr wie ein Köder,
der alle aufgetauchten Tage fängt.
Die gläsernen Paläste klingen spröder
an deinen Blick. Und aus den Gärten hängt
der Sommer wie ein Haufen Marionetten
kopfüber, müde, umgebracht.
Aber vom Grund aus alten Waldskeletten
steigt Willen auf: als sollte über Nacht
der General des Meeres die Galeeren
verdoppeln in dem wachen Arsenal,
um schon die nächste Morgenluft zu teeren
mit einer Flotte, welche ruderschlagend
sich drängt und jäh, mit allen Flaggen tagend,
den großen Wind hat, strahlend und fatal.

Die Frau in Rot

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#26

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

in Rumpelkammer 20.02.2007 19:14
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Erinnerung

Und du wartest, erwartest das Eine,
das dein Leben unendlich vermehrt;
das Mächtige, Ungemeine,
das Erwachen der Steine,
Tiefen, dir zugekehrt.

Es dämmern im Bücherständer
die Bände in Gold und Braun;
und du denkst an durchfahrene Länder,
an Bilder, an die Gewänder
wiederverlorener Fraun.

Und da weißt du auf einmal: das war es.
Du erhebst dich, und vor dir steht
eines vergangenen Jahres
Angst und Gestalt und Gebet.

Die Frau in Rot

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#27

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

in Rumpelkammer 20.02.2007 20:32
von Fabian Probst (gelöscht)
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Boah, der Spätherbst ist ultra genial. Den kannte ich nicht.

Die Erblindete zeigt, dass solche Wiederholungen ("und langsam und" und "wie die anderen/ als die andern)durchaus gebräuchlich sind. Bei uns Amatueren würde man das als ungelenk ankreiden. Obwohl ich Letzteres auch hier nicht so schön finde.
In einem anderen Forum sagte man mir mal, dass "man" auch nicht gerade elegant sei. Aber das fand ich immer nur bedingt.

Gruß, Fabian
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#28

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

in Rumpelkammer 20.02.2007 21:31
von Nonverbal • Mitglied | 407 Beiträge | 407 Punkte
wow was rilke für tolle gedichte geschrieben hat, echt beneidenswert.

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#29

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

in Rumpelkammer 23.02.2007 22:08
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Die Irren


Und sie schweigen, weil die Scheidewände
weggenommen sind aus ihrem Sinn,
und die Stunden, da man sie verstände,
heben an und gehen hin.
Nächtens oft, wenn sie ans Fenster treten:
plötzlich ist es alles gut.
Ihre Hände liegen im Konkreten,
und das Herz ist hoch und könnte beten,
und die Augen schauen ausgeruht
auf den unverhofften, oftentstellten
Garten im beruhigten Geviert,
der im Widerschein der fremden Welten
weiterwächst und niemals sich verliert.

Die Frau in Rot

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#30

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

in Rumpelkammer 09.03.2007 02:13
von Fabian Probst (gelöscht)
avatar
Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
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#31

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

in Rumpelkammer 09.03.2007 09:46
von Alcedo • Mitglied | 2.530 Beiträge | 2353 Punkte
den Herbsttag hatte zu meinem Erstaunen sogar einmal der Wickert bei den Tagesthemen vorgetragen (natürlich erst vor dem Wetter, aber trotzdem).

FRÜHLING
für Katharina Kippenberg

Nicht so sehr der neue Schimmer tats,
daß wir meinen, Frühling mitzuwissen,
als ein Spiel von sanften Schattenrissen
auf der Klärung eines Gartenpfads.

Schatten eignet uns den Garten an.
Blätterschatten lindert unsern Schrecken,
wenn wir in der Wandlung, die begann,
uns schon vorverwandelter entdecken.

e-Gut
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#32

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

in Rumpelkammer 09.04.2007 13:14
von Alcedo • Mitglied | 2.530 Beiträge | 2353 Punkte

Da hat man zu büßen... Det bødes der for -

Da hat man zu büßen jahrelang
für der Freude kürzeste Spende;
man lächelt es aus im Augenblick
und weints nicht in Jahren zu Ende.
Kummer rinnt, es rinnt Gram aus roten Rosen.

Man rollt auf dem goldenen Glücksrad einher
blindsicher sich`s zu gestalten;
doch des Kummers Fuder, knechtend und schwer
erwartet uns dort, wo wir halten.
Kummer rinnt, es rinnt Gram aus den roten Rosen.

In Lust wird gelebt wie halb im Traum,
doch der Kummer mit wachen Augen
hat keine Träume und schaut auf dich
mit Augen wie Ströme die saugen.
Kummer rinnt, es rinnt Gram aus (der Röte der) Rosen.

Kein Lächeln bringt deinen Tag zu Bett
aber die Tränen sind munter
Im Lächeln erglänzt, was ist , im Gewein
geht Gewesenes dunkelnd unter.
Kummer rinnt, es rinnt Gram aus (der Röte der) Rosen.


von Jens Peter Jacobsen
(übersetzt aus dem Dänischen von Rainer Maria Rilke)



e-Gut
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#33

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

in Rumpelkammer 18.07.2007 17:28
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Aus dem 'Stundenbuch'

Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.
Wenn das Zufällige und Ungefähre
verstummte und das nachbarliche Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,
mich nicht so sehr verhinderte am Wachen -

Dann könnte ich in einem tausendfachen
Gedanken bis an deinen Rand dich denken
und dich besitzen (nur ein Lächeln lang),
um dich an alles Leben zu verschenken
wie einen Dank.



Die Frau in Rot

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#34

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

in Rumpelkammer 29.07.2007 19:27
von bipontina (gelöscht)
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Ich habe mir vor vielen Jahren schon Rilke-Verse ins Poesiealbum gewünscht.
Was mich immer noch überwältigt, ist "Früher Apoll" und die Strophe "Erneue ihn mit einer reinen Speise.." aus dem "Stundenbuch". Und natürlich der "Cornet".
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#35

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

in Rumpelkammer 29.07.2007 20:24
von Haselnuss (gelöscht)
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Hallo, bipontina,
mit Versen wie Rilke kann ich nicht dienen. Aber mit einem Seitenblick auf meinen zwangsweise gelesenen Zeitungsstapel:

Der Apoll am frühen Morgen
schien noch jung und ohne Sorgen.
Wein genoss er dann, der Gute,
blies in seine Flüster-Tute,
Hinz und Kunzen zu verwöhnen
mit absonderlichen Tönen.

Ich hätt' ihm, Text-Bild bezwungen,
keine Federn ausbedungen.
Oder dachte jener Schreiber,
Traum ist auch Entwicklungsleiter?

Lieben Gruß,
Haselnuss
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#36

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

in Rumpelkammer 29.07.2007 21:11
von bipontina (gelöscht)
avatar
ooooch, wie eklig kannst Du sein! schreiber/leiter ist wohl gewollt?
Ich kann auch eklig sein als Anwalt Rilkes: Was kümmert es die stolze Eiche, wenn sich das Borstenvieh dran wetzt...
hahaha, aber ich hab auch schon ein großes Glas Rotwein intus, sonst wäre ich nicht so wagemutig, liebe Hselnuss.

lieben Gruß von bipontina
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#37

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

in Rumpelkammer 29.07.2007 21:51
von Haselnuss (gelöscht)
avatar
Hallo, Bipontina,

du willst mir doch jetzt nicht erzählen, dass du die Person bist, die...? Ich würde das Bild aus der Zeitung, auf das ich meine Verse bezog, hier ja gerne einstellen, aber dann müsste ich erst den Verlag um Erlaubnis bitten.
Warum hast du meine Verse eigentlich auf dich bezogen? Du, ich habe keine Lust, mich mit dir zu streiten. Und ja, die Zeitung muss ich lesen, ob ich will oder nicht. Und jetzt unterstelle mir bitte keine Sehnsucht.

Lieben Gruß,
Haselnuss
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#38

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

in Rumpelkammer 29.07.2007 22:31
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Die Haselnuss schaut mal wieder rein. Na sowas.
Dass Du Zeitung lesen musst tut mir leid. Ich bitte Dich aber Deine Plaudereien in der Plauderecke abzuhalten. Da sind diese Willkommen.
Dieser Faden hier hingegen ist eigentlich für Verse und Informationen um das Werk von Rilke gedacht.

Gruß,
GerateWohl

_____________________________________
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#39

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

in Rumpelkammer 30.07.2007 22:51
von Haselnuss (gelöscht)
avatar

Zitat:


Dieser Faden hier hingegen ist eigentlich für Verse und Informationen um das Werk von Rilke gedacht.

Gruß,
GerateWohl




Freilich, ich sehe es, Herr Moderator. Ich werde es mir durch den Kopf gehen lassen. Du redest von plaudern? Was, um Himmels willen, ist das denn?

Gruß zurück,
Haselnuss

PS: Ja, mei; das verdammte Blatt liegt ja noch immer da und glotzt mich an.
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#40

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

in Rumpelkammer 31.07.2007 08:33
von bipontina (gelöscht)
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hallo, haselnuss,
wir haben wohl aneinander vorbeigeschrieben? i c h dachte, du wolltest Rilke parodieren, hab nichts auf mich bezogen, und das mit dem Wein stimmt leider. Streiten will ich mich schon g a r nicht: ich bin harmoniesüchtig!

lieben Gruß
bipontina
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