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#1

Leidenschaft

in Liebe und Leidenschaft 22.11.2005 10:32
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
Leidenschaft

In der Halle der Tränen
im verlorenen Tal,
dort wo Liebende wähnen
der Glückseligkeit Gral,
steht ein Bildnis aus Stein
mit Marmor verziert,
präsentiert jenes Sein,
das selbst sich verliert.

Und das Wissen darum
in dem Lichte der Kerzen,
es geht leise nur um,
doch zerstört es die Herzen
die gerade noch brannten
voll Leben und Kraft
und den Gruße entsandten
der Leiden erschafft.

(c) Don Carvalho
- Mitte 2003/ November 2005

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#2

Leidenschaft

in Liebe und Leidenschaft 22.11.2005 11:05
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Ach, du lieber Don

... ist das kitschig! Selbst mir, die ein bisschen Kitsch doch mag, ist das zu viel. Halle der Tränen, verlorenes Tal, Glückseligkeits Gral (!) und das obligate Sein natürlich auch ... etc. Tut mir leid, aber das ist mir alles zu süss und schwülstig.

Gruss
Margot

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#3

Leidenschaft

in Liebe und Leidenschaft 22.11.2005 11:10
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Hallo Don!

Na, endlich mal der Anapäst, das ist doch spontan reizvoll. Allerdings geht er dir zwei mal abhanden: In der letzten Zeile der ersten Strophe würde ich es vorziehen, wenn du das sich selber verliert und in der sechsten Zeile der zweiten Strophe voller Leben und Kraft daraus machtest.

Schnell noch die zwei anderen Ungereimtheiten erwähnt:
S1Z4: Bitte für einen Fall entscheiden: den Glückseligkeits-Gral oder der Glückseligkeit Gral.
S2Z7: den Gruße entsenden? Mir würde ein Füllwort definitiv besser schmecken: dann, jetzt...

Die Aussage ist ziemlich eindeutig, wie mir scheint, ich kann jedenfalls keine zweite Ebene entdecken. Ein ziemlich bitteres Gedicht, welches ebenso gut in Düsteres & Trübsinniges gepasst hätte. Warum Leidenschaft an sich allerdings schon Leiden schafft, ist mir nicht ganz schlüssig geworden. Der Gruß, der da entsendet wird und die Leiden schafft, ist doch der Abschied oder nicht? Gut, dann schmerzt die unerfüllte bzw. fortan unerfüllbare Leidenschaft. Ich werde wohl besser noch einmal nachdenken bzw. erst einmal, bevor ich mich wieder zu Wort melde.

Ich wollte eigentlich auch nur kurz mein grundsätzliches Gefallen bekunden.

Gruß
Mattes


edit: Ja, besser vorher denken: Der Anapäst krankt ja noch an zwei weiteren Stellen, weswegen ich nun ernsthaft zweifele, ob du ihn überhaupt intendiertest. Egal, ich wage es. Schau:

S1Z6: und mit Marmor verziert
S2Z8: welcher Leiden erschafft

...und schwupps hätten wir ihn durchgängig. Nicht? Dann nicht.

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#4

Leidenschaft

in Liebe und Leidenschaft 22.11.2005 12:47
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Don,

zwei Assoziationen dazu:

1. Film: Vertigo

2. Sprichwort: Eifersucht ist die Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.



Gruß
GerateWohl

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#5

Leidenschaft

in Liebe und Leidenschaft 23.11.2005 12:18
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
Hallo ihr drei!

@Margot: Ich weiß, ich habe da volle Kanne rein gehauen . Das ist vermutlich der Ausgleich für all die Gedichte, bei denen ich anderen mit einem Skalpell im Auge herumschnippel oder sie in Kellerverließe sperre. Die Wortwahl passt zum Inhalt, bleibt natürlich aber kitschig. Allerdings würde ich es heute so wohl nicht mehr schreiben, ich habe aktuell nur ein paar Kleinigkeiten geändert, eigentlich sind diese Zeilen ja etwas älter...

@Mattes: Hinsichtlich "der Glückseligkeit Gral" hast Du wohl Recht, ich werde das ändern. Was den "Gruße" angeht, zögere ich noch, schließlich hast Du mir dieses Zögern gegenüber Füllwörtern eingeimpft. Aber vielleicht fällt mir (oder wem anders) etwas elegantes ein, was sowohl Dich wie mich glücklich macht.

An den von Dir aufgezeigten Stellen habe ich den Anapäst absichtlich durchbrochen. In den den letzten Strophenzeilen und denen mit den dazugehörenden Reimpaaren habe ich mit einem Jambus als Auftakt begonnen (Auftakt ist natürlich Quark^^)! Mir erschien jedoch die Verkürzung dieser Zeilen auf xXxxX irgendwie knackiger zum Ende hin. Ansonsten war der Anapäst allerdings beabsichtigt, keine Sorge. Freut mich, dass es Dir insgesamt zusagt.

@Geratewohl: Das von Dir zitierte Sprichwort ist mir tatsächlich damals durch den Kopf gegangen. Den Bezug zu Vertigo konnte ich jedoch noch nicht so richtig herstellen...


Euch allen auf jeden Fall vielen Danke für Eure Kommentare,

Don

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#6

Leidenschaft

in Liebe und Leidenschaft 23.11.2005 12:30
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Don,

zur Erläuterung. Vertigo ist für mich so der Film zum Thema "Begehren eines Idealbildes und dem daraus entstehenden Gefühl des Leids". Und das habe ich in Deinen Zeilen gesehen. Für mich war das marmorne Bildnis aus Stein in der Halle, in der die Liebenden der Glückseeligkeit Gral wähnen, so ein Idealbild. Mittlerweile denke ich, dass ich Deine Zeilen da vielleicht etwas falsch interpretiert habe. Aber für mich ist das schlüssig.
Ansonsten finde ich so zur angehenden Weihnachtszeit so eine gehörige Portion Kitsch ganz passend.

Schönen Gruß,
GW

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#7

Leidenschaft

in Liebe und Leidenschaft 24.11.2005 01:14
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte

Zitat:

GerateWohl schrieb am 23.11.2005 12:30 Uhr:
Vertigo ist für mich so der Film zum Thema "Begehren eines Idealbildes und dem daraus entstehenden Gefühl des Leids".



Okay, den Bezug kann ich herstellen. Ich hatte erfolglos versucht, den unter Höhenangst leidenden James Stewart unterzubringen . Aber im ernst: den Film so auf den Punkt gebracht, kann das schon hinhauen...


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#8

Leidenschaft

in Liebe und Leidenschaft 24.11.2005 10:01
von kein Name angegeben • ( Gast )
Morgen Don!
Kritik zu üben steht mir nicht zu, aber ein kompliment zu machen immer. Mir gefällt es sehr gut und, zugegeben, so viel "Sanftmut" hätte ich dir gar nicht zugetraut. ;-)

LG

A.C.

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#9

Leidenschaft

in Liebe und Leidenschaft 24.11.2005 12:15
von Ulli Nois | 554 Beiträge | 554 Punkte
Hallo Don,

ich muss sagen, ich bin einige Tage um dein Gedicht herumgeschlichen wie um das marmorne Bildnis im Tränental. Für ein paar Zugangshilfen wäre ich dir dankbar.

Deine "Liebenden" wähnen der "Glückseligkeits Gral" - also das Geheimnis des Glückes - in der Verlorenheit. Und finden an dem verlorenen Ort dann ein Bildnis, das ihnen das sich selbst verlierende Sein präsentiert. Kurz gesagt: In der Verlorenheit erfährt man nicht das Glück, sondern das Verlieren. Habe ich das richtig verstanden?

Nun könnte man sagen, Liebe ist Selbstverlust, was ist daran so schlimm? Dass die Liebe das Ego vernichtet, gilt allgemein als Stärke der Liebe. Aber deine Liebenden erfahren offenbar etwas anderes. Dass sie sich ganz an den anderen verlieren, von ihm abhängig werden...? Das bleibt offen. Nur dass sie leiden werden, ist Gewissheit. Das kündigt schon der Titel an. Leise geht dieses schreckliche Wissen um (dieses Bild gefällt mir gut), dass ihre Liebe zerstören wird, ja schon zerstört hat. Und der Clou ist nun, wenn ich das richtig verstehe, dass die Herzen sich selbst zerstören, weil sie sich einen Gruß entsandt haben, offenbar den Herzensgruß.

Until I got hurt, I didn`t know what love ist, heißt es in einem alten Song von Cat Stevens. In deiner Version wird daraus: Until I got destroyed, I didn´t know what love is. Will bei diesen Aussichten überhaupt noch jemand wissen, was Liebe ist?

Einen fragenden Gruß entsendend

Ulli

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#10

Leidenschaft

in Liebe und Leidenschaft 25.11.2005 13:34
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
@Ane: Warum steht es Dir nicht zu, Kritik zu üben ? Das wäre ja noch schöner! Einfach noch dazuschreiben, was Dir gefällt oder nicht gefällt und schon ist es doch eine Kritik... das Kompliment nehme ich aber natürlich gerne entgegen .

@Ulli: Du bist insgesamt auf einem ähnlichen Weg wie ich, allerdings versteh ich den Beginn etwas anders. Die (hier) Liebenden wähnen das Glück nicht in der Verlorenheit, sondern sehen diese als notwendigen Teil um das Glück zu erlangen. Leid (die Halle der Tränen) und Selbstverlust (das verlorene Tal) sind ihrer Meinung unvermeidbar, will man den Gral der Glückseligkeit erlangen. Doch was sie tatsächlich vorfinden ist eben doch nur die Selbstaufgabe...

Dieses Wissen, dass man nur einem Ideal (für das man auch zu opfern bereit war) nachgejagt ist und die Erkenntnis, dass letztlich nichts da ist als eben der Verlust der eigenen Integrität, wirkt dann doch ein wenig desillusionierend.

Ich denke, man kann hier jeweils leicht unterschiedliche Richtungen intendieren, die alle zu einem ähnlichen, wohl stets deprimierenden Ergebnis führen, auch wenn der Schwerpunkt immer etwas anders gesetzt wird.


Freut mich ja, dass diese Zeilen (nicht nur bei Dir) insgesamt doch noch zu Grübeleien anregen konnten, auch wenn sie bereits etwas älter sind.

Vielen Dank für Eure Kommentare,

Don

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